Schlaflos
in der Nacht: Jedes sechste Grundschulkind leidet
Göttingen/Köln
(dpa) - Jedes sechste Grundschulkind in Deutschland leidet an Schlafstörungen.
Viele der Betroffenen können sich deshalb in der Schule nicht richtig
konzentrieren. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Studie,
die am Donnerstag während der 10. Jahrestagung der deutschen Gesellschaft
für Schlafmedizin (DGSM) in Göttingen vorgestellt wurde. An
der Studie beteiligten sich 6700 Kinder. Hauptursache für Ein-
und Durchschlafstörungen bei Kindern sei das Fernsehen vor dem
Zubettgehen, sagte DGSM-Vorstandsmitglied Alfred Wiater, der als Chefarzt
der Kinderklinik Köln-Porz für die Studie verantwortlich ist.
Auch ein unregelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus oder regelmäßiges
spätes Essen führten zu Schlafstörungen. Lärm sei
ebenfalls ein Problem. In der Schule seien rund 60 Prozent der Kinder
mit Schlafstörungen unruhig oder unkonzentriert. Langfristig hätten
Schlafstörungen erhebliche negative Auswirkungen auf die Entwicklung
von Kindern, sagte Prof. Göran Hajak von der psychiatrischen Klinik
der Universität Regensburg. Die Lernleistungen dieser Kinder seien
schlechter als die ihrer Altersgenossen. Denn richtiger Schlaf sei Studien
zufolge eine wesentliche Voraussetzung für die Gedächtnisleistung
des menschlichen Gehirns. Die Schlafprobleme der Kinder würden
größtenteils von den Eltern mit verursacht, sagte der Leiter
der psychiatrischen Universitätsklinik Göttingen und Tagungspräsident
Prof. Eckart Rüther. Das Schlafen werde vielfach als Strafe eingesetzt
nach dem Motto: "Weil du nicht artig warst, musst du jetzt ins
Bett." Auch der frühe Schulbeginn sei problematisch. Grundsätzlich
sei es nämlich nicht gut, Kinder zu wecken, statt sie ausschlafen
zu lassen. Er sei sich aber sicher, dass sich dieser Hinsicht in den
nächsten Jahren etwas ändern werde, meinte Rüther. Obwohl
die Schlafmedizin in Deutschland in den vergangenen Jahren erhebliche
Fortschritte gemacht habe, beklagten die DGSM-Sprecher das Fehlen ausreichender
Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten gerade für Kinder.
Derzeit gebe es nicht einmal ein Viertel der erforderlichen rund 80
Schlaf-Ambulanzen und -Labors. Insgesamt leiden nach Angaben der DGSM
bis zu sieben Prozent aller Bundesbürger unter ernsthaften Schlafstörungen.
Am weitesten verbreitet seien nächtliche Schlaflosigkeit mit einhergehender
Tagesmüdigkeit sowie Schnarchen mit vorübergehendem Atemstillstand.
Andere Symptome seien unruhige Beine, Zähneknirschen, Einnässen
oder Schafwandeln.
Quelle: Netdoktor.de
vom 27.09.2002
Oft
übersehen: Angst und Depression bei Kindern
Würzburg
(dpa) - Psychische Störungen bei stillen Kindern werden nach Expertenansicht
in vielen Fällen übersehen. "Bei Kindern, die nicht mit
ihrem Verhalten stören, fallen Eltern und Lehrern Angstzustände
oder Depressionen leider oft nicht auf", sagte Andreas Warnke,
Leiter der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie
der Universität Würzburg, in einem dpa-Gespräch. So genannte
"stille Störungen" sind Thema einer an diesem Montag
in Würzburg beginnenden Tagung mit rund 300 Experten. Mitarbeiter
von Jugendhilfeeinrichtungen, Kinder- und Jugendärzte, Psychologen,
Wissenschaftler und Lehrer beschäftigen sich dabei unter anderem
mit dem Problem des Schulschwänzens. Häufig schwänzten
Kinder nicht deshalb die Schule, weil sie keine Lust dazu haben, sondern
weil sie die Schule fürchten, erklärt Warnke. "Dass solche
Schüler von der Polizei aufgegriffen werden, löst das Problem
nicht. Es muss in jedem Fall eine Diagnostik und Behandlung folgen",
meinte der Würzburger Klinikdirektor in dem dpa-Gespräch.
Das Problem werde unterschätzt. Die Kinder seien vielleicht überfordert,
erlebten die Schule als einen Ort des Misserfolgs, litten unter Zwängen
oder würden von Mitschülern gehänselt. "Das Kind
sagt aber vielleicht nicht, dass es Angst hat", erläutert
Warnke das Problem. Warnsignale für die Eltern sind nach Ansicht
des Experten Bauch- und Kopfweh sowie Appetitlosigkeit des Kindes, die
gehäuft zu den morgendlichen Schulzeiten auftauchten, nicht aber
am Wochenende, abends oder in den Ferien. "Wir müssen das
sehr ernst nehmen", riet Warnke. Eltern sollten Beratungsstellen
der Jugendhilfe oder psychiatrische Praxen und Kliniken aufsuchen. Mindestens
fünf bis sieben Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland
seien akut psychisch krank und könnten nicht mehr mit den Alltagsanforderungen
klar kommen. Bis zur Pubertät seien vor allem Buben von psychischen
Störungen betroffen, erläuterte der Leiter der Würzburger
Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie. Danach
träten Angststörungen oder Depressionen häufiger bei
Mädchen beziehungsweise jungen Frauen auf. Das Thema werde aber
oft noch tabuisiert, viele Mütter seien mit Schuldvorwürfen
konfrontiert. "Wir müssen davon weg kommen, die Schuldfrage
zu stellen", fordert Warnke in dem dpa- Gespräch. Entscheidend
sei eine geeignete Behandlung, um den Kindern zu helfen.
Quelle: Netdoktor.de
vom 07.10.2002
Ess-Störungen:
Immer mehr junge Menschen krank
Köln
(dpa) - Immer mehr junge Menschen erkranken nach Einschätzung von
Ernährungsexperten an Essstörungen. "Weil die Außenreize
durch zu schlanke Prominente weiter zunehmen, wollen junge Menschen
zunehmend genauso aussehen", sagte der Sprecher der Aachener Gesellschaft
für Ernährungsmedizin und Diätetik, Sven-David Müller.
Es dürfe aber nicht vergessen werden, dass oft Menschen zum Maßstab
gemacht würden, die es unter natürlichen Bedingungen so gar
nicht gebe. Unterscheiden müsse man zwischen zwei Formen von Essstörungen:
der Ess-Brech-Sucht (Bulimie) und der Magersucht (Anorexia nervosa).
"Magersüchtige sind in der Regel besser zu erkennen, weil
sie sehr dünn sind. Bei Bulimie-Erkrankten liegt das Gewischt zwischen
dünn, durchaus normal bis leicht übergewichtig", sagte
Müller. An Magersucht litten nach Schätzungen in Deutschland
rund 100.000 Frauen zwischen 15 und 35 Jahren, an Ess-Brech-Sucht rund
600.000, sagte Müller. "Das Hauptmanifestationsalter für
Magersucht liegt bei 14 Jahren." Fünf Prozent aller Erkrankten
seien aber schon jünger als zwölf Jahre. Wie viele Menschen
in Deutschland insgesamt betroffen sind ist laut Müller ungewiss.
"Es gibt keine exakten Gesamtzahlen." Die Zahl der erkrankten
Männer liege etwa bei 10 bis 20 Prozent der insgesamt Betroffenen.
"Männer mit Essstörungen werden in der Regel nicht diagnostiziert",
sagte der Diätassistent. "Wer kommt schon bei einem schlanken
Mann auf die Idee, dass er sich auf ein Schönheitsideal runterhungert
und dadurch eine Essstörung bekommt." Essstörungen können
nach Angaben von Müller verschiedene Ursachen haben. "Gründe
sind nicht nur Außenreize, sondern auch eine falsche Selbstwahrnehmung
oder sexuelle Übergriffe von Erwachsenen", sagte der Experte.
Besonders wichtig bei Bulimie und Magersucht seien möglichst schnelle
Diagnosen. "Bis zu 15 Prozent der Magersüchtigen sterben an
den Folgen ihrer Krankheit. Nur 25 Prozent der Essgestörten sind
zwanzig Jahre nach Beginn der Krankheit geheilt." Wichtig sei,
dass die Familie bei den ersten Anzeichen reagiere und Hilfe suche.
"Im Vordergrund einer Behandlung muss die Lösung des zu Grunde
liegenden Konflikts im Rahmen einer Psychotherapie stehen", sagte
Müller. Bei einer ernährungsmedizinischen Therapie müsse
aber auch ein normales Essverhalten wiedererlernt werden.
Quelle:
Netdoktor.de
vom 28.10.2002
Hyperaktive
Kinder: Experte warnt vor Medikamenten
Darmstadt
(dpa) - Vor einer generellen Behandlung so genannter hyperaktiver Kinder
mit Medikamenten hat der Darmstädter Pädagogikprofessor Manfred
Gerspach gewarnt. "Im überwiegenden Teil der Fälle liegen
keine körperlichen sondern soziale Störungen vor", sagte
Gerspach bei einem Kongress über "Aufmerksamkeitsdefizite"
(ADS) am Freitag in Darmstadt. Die Ursachen von ADS seien nicht mit
Pillen, sondern mit neuen pädagogischen Konzepten zu beheben. Nach
Angaben von Fachleuten zeigen heute bis zu 40 Prozent der Kinder Verhaltensauffälligkeiten.
Die Bezeichnung ADS habe sich zur "Modekrankheit" entwickelt,
die allen verhaltensgestörten Kindern "aufgestempelt"
werde. "Eine wirkliche Diagnose wird meist nicht gestellt",
kritisierte Gerspach, Dekan des Fachbereich Sozialpädagogik an
der Fachhochschule Darmstadt und Organisator der Tagung. Nach Angaben
von Gerspach wurden 1986 deutschlandweit rund 400 Kinder, die unter
einer Hirnfunktionsstörung litten, mit Ritalin behandelt. Heute
griffen mehr als 23 000 Kinder regelmäßig zu diesem Medikament,
das unter das Betäubungsmittelgesetz falle. Die Ursachen der Verhaltensauffälligkeiten
von Kindern seien ebenso vielfältig wie die Ausprägungen.
Als Stichworte nannte Gerspach die steigende Zahl der Scheidungen und
der Doppelverdiener. Dies führe zu einem "Aufmerksamkeitsdefizit"
der Eltern gegenüber ihren Kindern. Hinzu komme der Leistungsdruck,
mangelnde Bewegung und hoher Fernseh- und Computerkonsum. Die Schule
verfüge ebenfalls nicht über entsprechende Methoden, um diesen
Kindern gerecht zu werden. Die vorliegenden Forschungen zeigen für
Gerspach eindeutig, dass durch intensive Beschäftigung mit den
Kindern die Symptome verschwinden. Für die Schule bedeute dies,
dass kleinere Gruppen gebildet werden müssten. Durch neue Lehrmethoden
solle außerdem der einzelne Schüler besser gefördert
werden. Notwendig sei die Einstellung von Schulsozialarbeitern, die
sich zusätzlich um betroffenen Kinder kümmern könnten.
"All das kostet Geld", führte der Professor aus, "aber
es rechnet sich, weil gesellschaftliche Verschiebungen damit verhindert
werden können." Eine Massen- Medikamentierung sei in jedem
Falle der falsche Weg.
Quelle:
Netdoktor.de
vom 09.11.2002
Seelische Schäden: Immer mehr depressive
Kinder
Stuttgart
(dpa) - Rund eine Million Kinder und Jugendliche in Deutschland sind
nach Experteneinschätzung seelisch krank. Neben emotionalen und
sozialen Verhaltensstörungen und Aufmerksamkeitsdefiziten behandelten
Psychiater und Psychotherapeuten immer mehr Kinder mit Ängsten
und Depressionen, sagte die Vorsitzende des Berufsverbandes der Ärzte
für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie in Deutschland,
Christa Schaff. "Depressive Heranwachsende werden schneller übersehen
als etwa Hyperaktive", sagte Schaff. Sie seien oft still, traurig,
angepasst und einsam. Andere Auffälligkeiten, wie sozialer Rückzug,
Kopfschmerzen oder Unzufriedenheit seien häufige Begleiter einer
Depression bei unter 18-Jährigen. Bei ihrem Umfeld fänden
die Kranken manchmal wenig Unterstützung: "Ein Erwachsener
will meist gar nicht wissen, dass schon Kinder und Jugendliche depressiv
sein können." Dennoch gebe es für seelisch kranke Heranwachsende
bereits gute Konzepte für eine ganzheitliche Behandlung. "Wir
schauen zum einen auf Krankheiten und körperliche Behinderungen,
das andere Bein haben wir in der Psyche", erklärte die Fachärztin
aus Weil der Stadt (Kreis Böblingen). Um nach einer eingehenden
Diagnose ein schlüssiges Therapiekonzept zu entwickeln, müssten
neben den Fachärzten auch beispielsweise Heilpädagogen und
Sozialarbeiter einbezogen werden. Dies geschehe in den so genannten
sozialpsychiatrischen Praxen, von denen es bereits etwa 500 in Deutschland
gebe. Problematisch sei jedoch, dass diese Praxen "finanziell auf
sehr wackligen Füßen" stehen. Schaff erläuterte,
dass bisher lediglich Ersatzkassen mit den Kassenärztlichen Vereinigungen
Verträge über die Bezahlung von fest angestellten Heilpädagogen
und Sozialarbeitern in den Fachärztepraxen abgeschlossen hätten.
"Die Primärkassen sperren sich noch immer gegen Verträge",
bedauerte Schaff. So käme es, dass die Unkosten in den sozialpsychiatrischen
Praxen kaum zu decken seien, die Ärzte trotz steigender Patientenzahlen
keine Honorare erzielten. Neben der Heilung von seelischen Krankheiten
achte der Berufsverband zudem auf die Möglichkeiten, seelische
Krankheiten zu vermeiden. Hier müsse der Facharzt vor allem das
soziale Umfeld von Kindern und Jugendlichen betrachten: "Eltern
brauchen heute sehr viel mehr Beratung als früher." Schaff
appellierte an die Erziehenden von Jugendlichen, auf die emotionale
Entwicklung der Heranwachsenden zu schauen - "und nicht immer nur
auf die Leistungen". Der Berufsverband wurde 1978 gegründet.
Nach eigenen Angaben gehören von den insgesamt knapp 1000 Fachärzten
für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie in Deutschland
etwa 700 dem Berufsverband an.
Quelle:
Netdoktor.de
vom 16.11.2002
Überraschende
Wirkung: Musiktherapie statt Psychiatrie
Münster
(dpa) - Musiktherapie könnte nach einer Studie der Universität
Münster vielen Schülern mit emotionalen und sozialen Problemen
das Leben erleichtern. Zugleich könnten entsprechende Förderangebote
die Lehrer entlasten. Nach Ansicht der Leiterin des Studiengangs Musiktherapie,
Rosemarie Tüpker (50), wird diese Chance aber von zu wenigen allgemein
bildenden Schulen genutzt, obwohl im Rahmen des Projektes «Selbständige
Schule» dazu die Möglichkeit bestünde. Die Untersuchung
von Erika Mennebröker aus dem Entlassjahrgang belege, dass auch
Lehrer einen hohen Bedarf an musiktherapeutischen Angeboten sehen, sagte
die Wissenschaftlerin. Insgesamt seien 200 Pädagogen an 14 Schulen
in Bremen und Niedersachsen sowie 10 Musiktherapeuten an Schulen in
sechs Bundesländern befragt worden. «Danach zeigten sich
98 Prozent generell gegenüber solchen Fördermaßnahmen
aufgeschlossen. 92 Prozent würden ein derartiges Angebot auch an
der eigenen Schule begrüßen.» Die laut Tüpker
hinsichtlich Schulformen und Standorten repräsentative Umfrage
kommt außerdem zu eindeutigen Aussagen über die Problemfelder
der Schüler. Danach würden die Lehrer Musiktherapien in der
Reihenfolge ihrer Bedeutung angezeigt finden bei Konzentrationsschwäche
(84 Prozent), motorischer Unruhe (78) und geringer Frustrationstoleranz
(53), aber auch bei aggressivem Verhalten, bei Gruppenunfähigkeit
und Kontaktarmut. Die meisten Befragten zeigten sich überzeugt,
dass die Verhaltensprobleme auf diese Weise von ihren Ursachen her besser
verstanden werden könnten. «Außerdem könnten sie
außerhalb der Leistungssituation in der Klasse besser behoben
werden», sagte Tüpker. Versuche in anderen Ländern hätten
bewiesen, dass die Musiktherapie im schulischen Alltag selbst schwer
wiegende Störungen auffangen könne, so dass sich Klinikaufenthalte
in der Kinder- und Jugendpsychiatrie vermeiden ließen. In Luxemburg
seien solche Angebote bereits etabliert.
Quelle:
Netdoktor.de
vom 29.11.2002
Traurige
Kinder: Winterdepressionen oft nicht erkannt
Mannheim
(dpa) - Winterdepressionen bei Kindern werden nach Auskunft des Mannheimer
Mediziners Christopher Göpel häufig übersehen. «Verstimmungen
werden oft als Reaktion auf bestimmte Ereignisse wie etwa einen Lehrerwechsel
und nicht als Symptome einer Depression gewertet», sagte der Oberarzt
vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim der Deutschen
Presse-Agentur (dpa). Die Diagnose so genannter saisonaler depressiver
Störungen (SAD) sei gerade bei Kindern sehr schwierig. Erschwerend
hinzu komme, dass die Symptome sehr vielfältig seien, sagte Göpel.
Anzeichen für SAD seien etwa regelmäßig im Winter auftretende
Schwankungen der Schulleistungen. Die Erkrankung könne sich aber
auch in Interesselosigkeit, ständig depressiver oder gereizter
Stimmung sowie durch Konzentrationsmängel ausdrücken. Ihren
Anfang nähmen die Depressionen meist im September und Oktober,
besonders stark ausgeprägt seien sie im Januar und Februar. Wenn
die Verstimmungen des Kindes immer nur in dieser Jahresphase aufträten,
sei das ein Anzeichen für mögliche Winterdepressionen. «Bei
der Diagnose müssen aber mögliche andere Ursachen ausgeschlossen
werden», sagte Göpel. Mädchen und Jungen seien vor der
Pubertät von der Erkrankung gleichermaßen betroffen. Erst
danach sei die Erkrankung überwiegend bei Frauen anzutreffen -
wie bei Depressionen allgemein. Da sich die Erkrankung bis ins Erwachsenenalter
fortsetzen und negative Auswirkungen auf Schule, Ausbildung und Beruf
haben könne, sei eine umfassende Beratung und Behandlung unverzichtbar,
sagte der Mediziner. Als Behandlung empfahl Göpel eine Lichttherapie.
Dabei blicken die Patienten für zwei bis drei Stunden täglich
- jeweils für 5 bis 10 Sekunden pro Minute - in fluoreszierendes
Licht. «Damit wurden bislang sehr gute Erfolge erzielt»,
sagte der Mediziner.
Quelle:
Netdoktor.de
vom 02.12.2002
Kopfschmerzen
bei Kindern: Oft mit seelischen Problemen verbunden
Heidelberg
(dpa) - Regelmäßig an Kopfschmerzen leidende Kinder und Jugendliche
haben auch häufiger psychische Störungen als ihre gesunden
Altersgenossen. Etwa ein Drittel der Betroffenen leidet neben den Kopfschmerzen
an Verhaltensstörungen und emotionalen Problemen, teilt das Universitätsklinikum
Heidelberg mit. Es beruft sich dabei auf eine Studie an der Abteilung
für Kinder- und Jugendpsychiatrie des Hauses, für die 128
Betroffene zwischen 6 und 18 Jahren untersucht wurden. Nach Angaben
der Experten gehören chronische Kopfschmerzen zu den häufigsten
körperlichen Beschwerden im Kindesalter. Schon im Kindergarten
seien 20 Prozent der Kinder betroffen. Bis zum Ende der Grundschulzeit
hätte mehr als die Hälfte aller Kinder Erfahrungen damit gemacht.
Meist gehörten Kopfschmerzen zur Gruppe der Migräne oder der
Spannungskopfschmerzen. Damit diese Schmerzen nicht zu einem Begleiter
bis in das Erwachsenenalter würden, sollten sie so früh wie
möglich, grundlegend und mit wirksamen Mitteln behandelt werden.
Unter Umständen könne dafür auch eine zusätzliche
Behandlung der psychiatrischen Symptome nötig sein.
Quelle: Netdoktor.de
vom 17.12.2002
Magersucht:
Mehrzahl der Erkrankten unheilbar
München
(dpa) - Derzeit kann die Mehrzahl der Magersüchtigen nach Einschätzung
von Experten auch durch Psychotherapie und Klinikaufenthalt nicht geheilt
werden. Darauf weist der Berufsverband der Frauenärzte in München
hin. Demnach nimmt jede dritte Magersüchtige nach einer Therapie
zwar etwas zu, das Normalgewicht wird aber nicht annähernd erreicht.
Bei jeder vierten bleibt das Krankheitsbild auf Dauer bestehen, und
jede zehnte stirbt sogar infolge ihrer Magersucht. Nur bei 30 Prozent
der Patienten kommt es nach einer Behandlung zu einer vollständigen
Besserung. Bei sehr starkem Untergewicht und medizinischen Komplikationen
ist eine Klinikeinweisung unumgänglich, so der Ärzteverband
weiter. Bestehe akute Lebensgefahr, sei sogar eine Zwangsernährung
gegen den Willen der Betroffenen erforderlich. In der Psychotherapie
zählten Familien- und Partnertherapie sowie Entspannungstechniken
und Übungen zur Körperwahrnehmung zu den Behandlungsmöglichkeiten.
Günstig sei oft auch die Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe.
Die Adressen von Selbsthilfegruppen können den Angaben zufolge
beim örtlichen Gesundheitsamt erfragt werden.
Quelle:
Netdoktor.de
vom 16.01.2003
Essstörungen
bei Kindern: Auf Warnsignale achten
München
(dpa) - Ein gestörtes Essverhalten bei Kindern und Jugendlichen
macht sich nicht nur durch den Verzicht auf Nahrung bemerkbar. Klare
Warnsignale seien auch mehrfach tägliches Wiegen und übertriebene
körperliche Aktivität, so der Berufsverband der Kinder- und
Jugendärzte (BVKJ) in München. Ein extrem langsames Essverhalten
wie das Zerschneiden der Nahrung in sehr kleine Bissen sollte bei Eltern
ebenfalls die Alarmglocken klingeln lassen. Verschlingt das Kind Nahrungsmengen
in großen Mengen ohne Gewichtszunahme, verschwindet es nach jeder
Mahlzeit auf der Toilette und zeigt es Symptome des häufigen Erbrechens
wie Entzündungen der Magen- und Mundschleimhaut, deute dies auf
eine Ess-Brechsucht (Bulimie) hin. Kennzeichnend dafür seien auch
Episoden eingeschränkter Nahrungszufuhr im Wechsel mit Heißhungerattacken.
Den Erkrankungen liegen meist schwere seelische Konflikte zu Grunde,
die grundsätzlich behandelt werden müssen, heißt es
weiter. Das heutige Schlankheitsideal fungiert nach neuesten Erkenntnissen
teilweise zwar als ein Auslöser, nicht aber als Ursache.
Quelle: Netdoktor.de
vom 23.01.2003
Hyperaktive
Kinder: Ritalin-Konsum «erschreckend»
Köln
(dpa) - Der IKK-Bundesverband hat eine «erschreckende» Zunahme
von Verschreibungen des umstrittenen Ritalin für hyperaktive Kinder
kritisiert. Ärzte, die das amphetaminartige Medikament verordneten,
sollten speziell ausgebildet sein und dies durch eine besondere Qualifikation
nachweisen, verlangte der Verband am Freitag in Bergisch Gladbach bei
Köln. Eine Ritalin-Therapie sei keinesfalls immer sinnvoll und
berge ein Sucht-Risiko in sich. Das Medikament mit dem Wirkstoff Methylphenidat
falle in Deutschland unter das Betäublungsmittelgesetz. Oft könne
eine Psychotherapie besser beim Aufmerksamkeits- Defizit-Syndrom (ADS)
helfen als eine Ritalin-Gabe, betonte der IKK- Bundesverband. Dennoch
sei in der gesamten Gesetzlichen Krankenversicherung eine drastische
Zunahme feststellbar. Bei den IKK-Versicherten stiegen die Verordnungszahlen
von 1999 bis 2002 um das zwei- bis dreifache. Von ADS sind nach unterschiedlichen
Angaben zwischen zwei bis sechs Prozent der Kinder und Jugendliche betroffen.
Sie leiden in Folge ihrer Hyperaktitivität unter Konzentrationsschwäche
und reagieren teilweise unkontrolliert oder aggressiv. Ritalin wirkt
beruhigend auf hyperaktive Kinder.
Quelle: Netdoktor.de
vom 25.01.2003
Flip
und Flap helfen: Ein Comic für Epilepsie-Kinder
Lübeck
(dpa) - Mit einem Comic wollen Kinderärzte der Universität
Lübeck epilepsiekranken Kindern helfen. Die Bildergeschichten mit
den Nervenzellen "Flip" und "Flap" sollen den jungen
Patienten erklären, was bei einem epileptischen Anfall in ihrem
Körper passiert. Nach Ansicht der Wissenschaftler können Kinder
auf diese Weise lernen, selbstständig mit ihrer Krankheit zu leben.
Für die Umsetzung des Projektes erhält die Uniklinik für
Kinder- und Jugendmedizin aus einem Sponsoringprogramm 150.000 Euro.
Das Geld stammt aus einem Programm des amerikanischen Chemiekonzerns
Johnson & Johnson, mit dem Gesundheitsangebote für Kinder und
Jugendliche gefördert werden. Der Scheck wird nach Angaben der
Universität am 8. März bei einer Fachtagung in der Kinderklinik
Datteln der Universität Witten/Herdecke überreicht werden.
Etwa 60 von 100.000 Kindern unter 15 Jahren leiden nach Angaben der
Universität an Epilepsie. Bereits seit drei Jahren arbeiten die
Fachleute der Uni Lübeck an dem Comic, der Teil eines umfangreichen
Schulungsprogramms für Kinder und Eltern ist. "Die betroffenen
Kinder wissen oft gar nicht, unter welcher Krankheit sie leiden",
sagt die Leiterin der Lübecker Universitätskinderklinik, Ute
Thyen. "Sie bekommen die Anfälle nicht bewusst mit und merken
nur an den fragenden Blicken der Mitschüler oder am besorgten Verhalten
der Eltern, dass mit ihnen irgendetwas nichts stimmt", erläutert
sie. Deshalb litten die Kinder häufig an Angst, Schuld- und Schamgefühlen.
Mit dem von Lübecker Wissenschaftlern entwickelten Schulungssystem
lernen Kinder im Alter zwischen 7 und 15 Jahren in Wochenendseminaren,
ihre Krankheit zu verstehen und mit ihr umzugehen. Für die Eltern
gibt es eigene Schulungen. "Sie müssen lernen, ihre Kinder
nicht zu stark zu behüten und ihnen aus Angst vor einem neuen Anfall
alles zu verbieten", sagt Thyen. Erste Tests in Kinderkliniken
unter anderem auch in Hamburg und Hannover haben gezeigt, dass die Comicfiguren
"Flip" und "Flap" dabei eine große Hilfe sind.
"Viele Kinder haben die Comics mit in die Schule genommen und dadurch
dort erstmals offen über ihre Krankheit gesprochen", sagt
die Psychologin Esther Müller-Godeffroy, die die Seminare leitet.
Außerdem habe sich gezeigt, dass die Kinder die notwendigen Medikamente
gewissenhafter einnahmen, nachdem sie über ihre Krankheit Bescheid
wussten. Vom Sommer an soll das Lübecker Schulungsprogramm in zehn
Kinderkliniken bundesweit getestet und die Ergebnisse wissenschaftlich
ausgewertet werden.
Quelle:
Netdoktor.de
vom 06.03.2003
Fast
jeder fünfte Jugendliche in tiefer psychischer Krise
Weimar (ddp). Nahezu jeder fünfte Jugendliche in Deutschland gerät
während seiner Pubertät in gefährliche psychische Krisen.
Depressionen, Magersucht, Essstörungen und Suizide hätten
in den vergangenen 20 Jahren stark zugenommen, sagte die Mainzer Psychologin
Inge Seiffge-Krenke bei einem jugendmedizinischen Kongress am Freitag
in Weimar. Bis zu 4000 Jugendliche töteten sich pro Jahr in Deutschland
selbst. Bei den 15- bis 24-Jährigen jungen Männern sei der
Suizid nach dem Unfall zur zweithäufigsten Todesursache geworden.
Vier
Prozent der Jugendlichen in Krisen müssten sich wegen schwerer
Depressionen in medizinische Behandlung begeben. Zehn Prozent litten
unter depressiven Symptomen wie Appetit- oder Lustlosigkeit. 70 Prozent
der Jugendlichen in Krisen machen den Angaben zufolge diffuse Körperschmerzen
wie Kopf- und Bauchschmerzen zu schaffen. Betroffen seien doppelt so
viele Mädchen wie Jungen. Essstörungen würden heute allerdings
zunehmend auch bei männlichen Jugendlichen diagnostiziert. Grundsätzlich
reagierten Mädchen auf schwere innere Krisen mit Depressionen und
Angststörungen, während Jungen sich in delinquentem Verhalten
und Drogenmissbrauch abreagierten.
Eine
Hauptursache dafür sieht der Präsident des Berufsverbandes
der Kinder- und Jugendärzte, Klaus Gritz, in den weggefallenen
sozialen Netzen. Intakte Familien seien immer seltener, die Kirche verliere
zunehmend ihre Rolle und der Staat ziehe sich immer mehr aus seinen
sozialen Verpflichtungen zurück. Hinzu komme, dass die Jugendzeit
auf Grund früherer biologischer Reife und späterer Berufstätigkeit
deutlich länger werde.
Die
Experten fordern eine Vernetzung aller Strukturen, die Jugendlichen
in Krisen helfen können. Nötig sei, die Kompetenzen von Hausärzten,
Jugendmedizinern und Psychologen besser zu verbinden. Als Basis dienten
finanziell und personell gut ausgestattete Hausarztpraxen, die präventiv
wirksam werden müssten. Da Krisen Jugendlicher sich bereits in
der Kindheit andeuteten, müsste die Prävention bereits früh
einsetzen. In der Schule sollten Gesundheitserziehung und Familienkunde
wieder eingeführt werden. In Deutschland gibt es nach Angaben des
Verbandes rund 1200 Krisenberatungsstellen für Jugendliche.
Quelle:
Lichtblick-newsletter.de
vom 10.03.2003
Neues Internetportal klärt über
Essstörungen auf
Köln (ddp). Mit einem neuen Internetportal will die Bundeszentrale
für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) über Essstörungen
informieren. Die Seiten stellen einzelne Formen von Essproblemen vor
und weisen auf Beratungsmöglichkeiten hin. Das Angebot richtet
sich an Betroffene und Angehörige. Gerade in der Anfangsphase der
Erkrankung sei die richtige Unterstützung durch das soziale Umfeld
entscheidend für den weiteren Verlauf, sagte Elisabeth Pott, Direktorin
der BZgA. Deshalb sei es wichtig, mit dem Onlineangebot eine breite
Öffentlichkeit zu erreichen.
Essstörungen
sind den Angaben zufolge ein «ernst zu nehmendes gesundheitliches
Problem», dass «in den vergangenen Jahrzehnten deutlich
zugenommen hat». Weitreichende Gesundheitsstörungen wie Osteoporose,
Niereninsuffizienz und psychische Erkrankungen können die Folge
sein. Einer Studie der BZgA zufolge wären in Deutschland 56 Prozent
der 13- und 14-Jährigen gern dünner. Sieben Prozent der Jungen
und acht Prozent der Mädchen, die zum Zeitpunkt der Befragung objektiv
untergewichtig waren, bemühten sich trotzdem abzunehmen. http://www.bzga-essstoerungen.de
Quelle:
Lichtblick-newsletter.de
vom 21.03.2003
Für
Kinder gibt es nur Erwachsenen-Medikamente
Bisher
kein eigenes Forschungsgebiet
Bis zu 90 Prozent der Kinder werden mit
nicht zugelassenen Arzneien behandelt
(naps).
Im psychiatrischen Bereich gibt es kaum Medikamente, die für Kinder
zugelassen sind, mit Ausnahme der Behandlung des Hyperkinetischen
(Zappelphilipp-) Syndroms. Die Ärzte müssen Mittel für
Erwachsene verschreiben, Arzneiforschung für Kinder findet nicht
in erforderlichem Maße statt. Ein großer Nachteil für
alle Kinder mit ernsthaften psychischen Erkrankungen, kritisiert die
Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie (DGKJP).
"Natürlich
behandelt kein Kinder- und Jugendpsychiater seine jungen Patienten ohne
gewichtigen Grund mit Medikamenten. Die kinder- und jugendpsychiatrischen
Fachgesellschaften haben Leitlinien entwickelt, die dem Arzt die Auswahl
der günstigsten Therapieform auf der Basis aktueller wissenschaftlicher
Untersuchungen erleichtern", sagt Prof. Jörg Fegert von der
Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie (DGKJP).
"Doch
bei schwereren psychischen Erkrankungen im Kindesalter führen Medikamente,
meist in Kombination mit Psychotherapie, oft zu einer deutlichen Besserung.
Die Verbreitung wissenschaftlicher Erkenntnisse im Internet führt
dazu, dass immer mehr gut informierte Eltern mit der – begründeten
oder medizinisch auch nicht begründeten – Bitte um Medikamente
für ihr Kind auf den Arzt zukommen." Der Kinder- und Jugendpsychiater
steht hier vor einem Konflikt. ...
Lesen
Sie hier weiter: http://www.lichtblick-newsletter.de/aufsatz8.html
Quelle: Lichtblick-newsletter.de
vom 20.08.2003
Armut:
Kinder reagieren mit Depressionen
Jena
(dpa) - Ärmliche Verhältnisse im Elternhaus führen laut
einer Studie der Fachhochschule Jena zu gesundheitlichen Schäden
der Kinder. «Bauchweh, Kopfschmerzen und Depressionen sind typische
Symptome bei von Armut betroffenen Kindern», sagte Professor Karl
August Chassé in einem dpa-Gespräch. Drei Jahre lang befragte
der Sozialwissenschaftler 14 Familien aus dem Raum Jena, die mit einem
Minimum an Geld auskommen müssen, also meist von Sozialhilfe leben.
Sehr deutlich zeigt sich die Armut laut Studie in Ernährungsfragen:
«Es werden billige und minderwertige Nahrungsmittel gekauft und
zum Monatsende gibt es aus Geldmangel keine regelmäßigen
Mahlzeiten mehr», sagte der 55-Jährige. Was für das
Essen gilt, ist bei der Kleidung ähnlich. Markenware sei für
arme Familien tabu. Die Kinder trügen eher gebrauchte Kleidung
oder Sachen vom «Polen- und Tschechenmarkt». Damit würden
sie von ihren Klassenkameraden als anders wahrgenommen und teilweise
ausgegrenzt. Wenig Gefallen fänden auch Lehrer an den Kindern armer
Herkunft. Sie hätten häufig Konzentrationsprobleme, seien
leistungsschwach und störten den Unterricht. Schwer hätten
es arme Kinder vor allem deshalb, weil ihr Aktionsradius im Vergleich
zu Gleichaltrigen sehr gering sei. «Die Eltern haben kein Geld
für Urlaubsreisen und kostenintensive Unternehmungen», erläuterte
Chassé. «Außerdem können sie die Neigungen ihrer
Sprösslinge nicht unterstützen.» Gefragt sind hier laut
Studie vor allem Offenheit der Eltern und soziale Netzwerke. Es gebe
nur einzelne Kinder, die von der finanziellen Lage der Eltern nicht
seelisch oder körperlich beeinträchtigt werden. Ausgleichend
wirkten hier vor allem Freundschaften, Großeltern und weitere
Verwandte. Schulen und Kindertagesbetreuung dagegen versagten. Deshalb
fordert Chassés Forschungsgruppe, Ganztagsschulen auszubauen,
die Begabungsförderung stärker an Schulen zu binden und sozialpolitischen
Rahmenbedingungen für arme Familien zu verbessern. Nach Meinung
des Jenaer Professors ist die Überlegung, Arbeitslosen- und Sozialhilfe
zusammenzulegen, das falsche Signal: «Dadurch wird die Lebenssituation
armer Familien nicht verbessert, sondern verschärft.»
Quelle:
Netdoktor.de
vom 25.08.2003
Kein
Kinderspiel: Grundschüler mit Einschlafproblemen
Köln
(dpa) - Mit Beginn des neuen Schuljahrs kommen viele Kinder übermüdet
in die Klassenräume. Denn Schlafstörungen unter Schülern
sind weit verbreitet, wie die bundesweit erste umfassende Studie zum
Schlafverhalten von Grundschulkindern in Köln nun ergeben hat.
Demnach schläft fast jedes fünfte Grundschulkind schlecht.
«Die Folgen können Tagesmüdigkeit, traurig-depressives
Verhalten, Hyperaktivität und sicherlich auch schlechtere Schulleistungen
sein», erklärt der Initiator der Studie, der Chefarzt der
Kinderklinik Köln- Porz, Alfred Wiater. Die Untersuchung macht
zugleich deutlich, dass Grundschulkinder schlechter schlafen als ihre
Eltern annehmen. Für die Studie befragte Wiater im vergangenen
Jahr fast 11 500 Grundschüler (erste und vierte Klasse) und Eltern
nach Schlafverhalten, häuslicher Umgebung und Tagesaktivitäten
der Kinder in den vergangenen drei Monaten. Die Angaben der Eltern und
ihrer Sprösslinge weichen deutlich voneinander ab, wie Wiater betont.
Sein Fazit: «Erschreckend ist, dass viele Eltern offenbar keinen
umfassenden Einblick in die Befindlichkeit und den Gesundheitszustand
ihrer Kinder haben.» So haben etwa laut Eltern-Einschätzung
28 Prozent der Viertklässler manchmal oder häufig Einschlafstörungen.
Die befragten Viertklässler beurteilen ihre Lage aber deutlich
schlechter: 45 Prozent können schwer einschlafen. 40 Prozent der
Viertklässler haben zudem Albträume, jeder vierte ist tagsüber
müde. Die Berufstätigkeit beider Elternteile, Vernachlässigung,
aber auch soziale Probleme unter den Schülern seien häufig
Ursachen für die Schlafprobleme, sagt Forscher Wiater. «Ziel
der Studie ist auf keinen Fall, die Eltern global in ein schlechtes
Licht zu rücken, wir wollen sie aber dazu animieren, sich mehr
um ihre Kinder zu kümmern». Gift für einen gesunden
Kinderschlaf sei auch der allabendliche Fernsehkonsum. «Am Abend
wäre stattdessen ein großes Aufarbeiten des Tages wichtig.»
Laut Untersuchung, die in Kooperation mit der Klinik für Kinder-
Psychiatrie und Psychotherapie der Uni Köln entstand - haben schlafgestörte
Kinder ein mehrfach erhöhtes Risiko für Hyperaktivität.
«Unser Rat ist es daher, bei hyperaktiven Kindern nachzuforschen,
ob sie unter einer Schlafstörung leiden.» Im Schlafzimmer
des Kinder sollte es stets ruhig und dunkel sein - Zigarettenqualm sei
tabu, rät der Mediziner. «Dem Kind soll auch schon sehr früh
ein stabiler Schlaf-Wach-Rhythmus mit regelmäßigen Schlafenszeiten
antrainiert werden.» Das größte für die Kleinen
ist aber laut Wiater: «Kein CD-Spiel und kein Fernseher als Einschlafritual,
sondern eine ruhige halbe Stunde mit ihren Eltern.»
Quelle:
Netdoktor.de
vom 29.08.2003
Mutter-Kind-Klinik
bietet Kuren für "Burn-Out-" und ADS-Syndrom
Von
ddp-Korrespondentin Nadine Emmerich
Borkum
(ddp-nrd). Die 33-jährige Mutter zweier Kinder ist mit den Nerven
völlig am Ende. Sie ist allein erziehend, mit dem Vater der drei-
und fünfjährigen Kinder gibt es ständig Krach um Unterhaltszahlungen
und Besuchszeiten. Ihr Job als Kellnerin schlaucht, die fünfjährige
Tochter hat Neurodermitis, die Mutter ist pflegebedürftig. Die
gestresste junge Frau selbst hat Schlafstörungen, Kopf- und Rückenschmerzen,
reagiert aggressiv auf ihre Kinder. "Burn-Out-Syndrom" nennen
dies die Mediziner. Auf der Nordseeinsel Borkum gibt es eine Mutter-Kind-Klinik,
die sich auf Wege aus der Krise spezialisiert hat.
"Die
Zahl der erschöpften Mütter nimmt zu", sagt Klinikchef
Winfried Weber. In der Vergangenheit sei das Ausgebranntsein nur bei
Managern und Menschen mit so genannten Helferberufen aufgetreten, dann
bei Lehrern und nun auch bei Müttern. "Das Fatale ist, dass
viele Frauen dies nicht bemerken oder verdrängen und auch Ärzte
die Dimension der Überforderung nicht immer erkennen", sagt
Weber. Seiner Erfahrung nach stehen "Burn-Out"-Patientinnen
unter starkem Leistungsdruck: Sie wollen perfekt sein, alles allein
bewältigen - und vernachlässigen sich dabei selbst.
Auf
Borkum soll diesen Frauen geholfen werden. Weber hält den Standort
Insel für ideal: "Das bedeutet weit weg sein von zu Hause
und viel Distanz zum Alltag", sagt er. Die Urlaubsatmosphäre
sei ein heilsamer Nebeneffekt. Für jede Frau gibt es einen eigenen
Behandlungsplan. Darauf stehen neben medizinischer Betreuung auch Entspannungsübungen,
Gespräche mit anderen Betroffenen, Massagen, Sport und Strandspaziergänge.
Eine Kinderbetreuung ermöglicht es den Frauen, Zeit für sich
und ohne Kind zu erfahren und genießen zu lernen. "Die Mütter
stehen bei uns im Fokus", betont der Klinikleiter. Auf 36 Patientinnen
kommen 12 feste Therapeuten.
In
rund 90 Prozent der Fälle übernehmen laut Weber die Krankenkassen
die Kosten für die Mutter-Kind-Reha. Die Patientinnen müssen
neun Euro pro Tag zuzahlen, ihr Aufenthalt ist auf maximal fünf
Wochen begrenzt. Trotz der anstehenden Reformen im Gesundheitswesen
rechnet Weber vorerst jedoch nicht mit Verschlechterungen für Klinik
und Patienten.
Er
wünscht sich jedoch einen "Imagewechsel": Mütter-Kuren
würden in der Öffentlichkeit häufig als sinnlos dargestellt,
nach dem Motto "die Frauen jammern nur". 97 Prozent der Borkumer
Patientinnen benötigten hingegen tatsächlich professionelle
Hilfe, betont Weber, der das Ausgebranntsein aus seiner früheren
Tätigkeit als Unternehmensberater selbst kennt. In 90 Prozent der
Fälle sei die Therapie zudem erfolgreich. Vor und nach sowie sechs
Monate nach der Kur werden die Frauen zu Ergebnissen befragt.
Ein
zweiter Schwerpunkt der Mutter-Kind-Klinik ist die Behandlung von hyperaktiven
Kindern, die unter dem so genannten ADS-Syndrom leiden. Das Haus ist
ganzjährig geöffnet. Im Winter sind auch Väter auf der
Insel als Begleitpersonen erlaubt. Für allein erziehende Männer,
die ebenfalls zunehmend unter dem "Burn-Out"-Syndrom leiden,
gibt es derweil eigene Therapieangebote. Weitere Informationen zu Reha-Kuren
in der Borkumer Mutter-Kind-Klinik gibt es telefonisch unter 08000 -
82 82 82.
Quelle: Lichtblick-newsletter.de
vom 04.09.2003
Zappelphilipp
und Traumsuse - Schlecht erzogen oder einfach nur anders?
Ärzte
diagnostizieren oft eine Krankheit
Von ddp-Korrespondentin
Iris Hansch
Berlin (ddp). Paul zerrt an den Nerven von Eltern und Lehrern. Ständig
stößt der Junge etwas um, hört nie zu, macht nicht das,
was man ihm sagt. Der Sechsjährige ist einfach nur laut und scheint
"Hummeln im Hintern" zu haben. Im Volksmund heißen solche
Kinder "Zappelphilipp". Das Vorurteil: Sie sind schlecht erzogen,
widerborstig und aggressiv.
Mediziner
nennen sie hyperaktiv, aufmerksamkeits- und verhaltensgestört.
Bei zwei bis sechs Prozent aller Kinder im Schulalter in Deutschland
wird eine so genannte Aufmerksamkeitsdezifit-/Hyperaktivitätsstörung
(ADHS) diagnostiziert. Das sind immerhin bis zu 600 000 Kinder und Jugendliche
im Alter zwischen 6 und 18 Jahren.
ADHS
gilt heute als die häufigste psychiatrische Störung bei Kindern
und Jugendlichen. Dabei handele es sich nicht um eine Modediagnose,
sondern "um eine Erkrankung mit weit reichenden Folgen für
die Kinder und ihr gesamtes soziales Umfeld", erläutert Michael
Huss von der Berliner Charite. Ursache sei unter anderem eine "neurobiologische
Funktionsstörung", eine Reizüberflutung im Gehirn.
Nun
hat aber nicht jede kleine Nervensäge gleich ADHS. Davon sprechen
Mediziner erst, wenn ein Kind über mehr als sechs Monate Auffälligkeiten
wie Hyperaktivität, Unaufmerksamkeit und Impulsivität in verschiedenen
Lebensbereichen zeigt, wie Huss betont. Charakteristisch für das
Krankheitsbild ist nach den Worten des Kinder- und Jugendpsychiaters,
"dass die Verhaltensweisen nicht dem altersgemäßen Entwicklungsstand
entsprechen".
Die
Krankheit hat viele Gesichter, weiß Huss aus der täglichen
Praxis. Die Symptome können unterschiedlich stark ausgeprägt
sein und müssen auch nicht alle gleichzeitig auftreten. Jungen
leiden wesentlich häufiger darunter als Mädchen. Während
Jungen eher hyperaktiv sind, haben die "Traumsusen" eher mit
den Problemen der Unaufmerksamkeit zu kämpfen.
Bei
einigen Kindern lassen die für ADHS typischen Symptome in der Pubertät
deutlich nach. "Bei mehr als der Hälfte der Fälle bleiben
die Verhaltensauffälligkeiten jedoch ein Leben lang", sagt
Experte Huss.
Wird
die Erkrankung nicht behandelt, hat das oft weit reichende Folgen. Für
die meisten betroffenen Kinder wird die Schulzeit zur Leidenszeit. Sie
können sich nicht konzentrieren, stören ständig. Flüchtigkeitsfehler
sorgen für schlechte Noten. Obwohl die Kinder normal intelligent
sind, ist ein schulischer Abstieg oft vorprogrammiert. Als ewiger Störenfried
stößt das Kind überall auf Ablehnung. Das führt
nicht selten in die soziale Isolation.
Bei
ADHS handele es sich um eine sehr komplexe Erkrankung, betont Huss.
Wie stark die Symptome tatsächlich ausgeprägt sind, können
neben erblichen Faktoren auch Umwelteinflüsse entscheiden. "Wenn
den Kindern zu wenige Grenzen gesetzt sind, die Bezugspersonen häufig
wechseln oder die Tagesabläufe unstrukturiert sind, verstärkt
dies die Verhaltensauffälligkeiten", sagt der Mediziner. Deshalb
sei es wichtig, dass vor jeder Therapieentscheidung eine gründliche
Diagnose eines erfahrenen Kinderarztes oder Kinder- und Jugendpsychiaters
steht.
Idealerweise
wird das gesamte Umfeld in die Diagnose mit einbezogen. In Gesprächen
mit Eltern wird geklärt, ob es bereits solche Krankheitsfälle
in der Familie gab und wie sich das Lebensumfeld des Kindes gestaltet.
Nach Möglichkeit sollten auch Erzieher und Lehrer um eine Darstellung
der Verhaltensauffälligkeiten gebeten werden.
Geheilt
werden kann die Krankheit derzeit nicht. "Dennoch ist sie gut in
den Griff zu bekommen, wenn alle Beteiligten an einem Strang ziehen",
sagt Huss. Sind die Symptome nur gering ausgeprägt, kann bereits
eine Verhaltenstherapie helfen. Dabei wird zusammen mit Kind und Eltern
versucht, unerwünschte Verhaltensweisen abzubauen und gezielt durch
neu erlernte zu ersetzen.
Funktioniert
das allein nicht, werden zusätzlich Medikamente verabreicht. Mit
den so genannten Psychostimulanzien gelingt es heute wissenschaftlichen
Studien zufolge in den meisten Fällen, die Symptome wirkungsvoll
zu reduzieren.
--> Buchtipps und Links zum Umgang mit hyperaktiven Kindern
Bücher:
E.
Aust-Claus, P-M. Hammer: Das ADS-Buch: Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom.
Neue Konzentrationshilfen für Zappelphilippe und Träumer.
Oberstebrink Verlag GmbH, ISBN 3-9804493-6-X, 19,80 Euro
M.
Döpfner, J. Frölich, G. Lehmkuhl: Hyperkinetische Störungen,
Leitfaden
Kinder- und Jugendpsychotherapie. Hogrefe Verlag, ISBN 3-8017-1354-7,
22,95 Euro
Döpfner,
Schürmann, Lehmkuhl: Wackelpeter und Trotzkopf, Hilfen bei hyperkinetischem
und oppositionellem Verhalten, Beltz, Psychologie Verlags Union, 2000
ISBN 3-621-27481-2, 19,90 Euro
C.
Neuhaus: Das hyperaktive Kind und seine Probleme, Ravensburger Verlag,
ISBN 3-473-42747-0, 12,90 Euro
K.
Skrodzki/ K. Mertens: Hyperaktivität: Aufmerksamkeitsstörung
oder Kreativitätszeichen, Borgmann, Verlag modernes Lernen, ISBN
3-86145-190-5, 19,50 Euro
Links:
Arbeitskreis
Überaktives Kind
http://www.auek.de
Bundesverband
Aufmerksamkeitsstörung/Hyperaktivität e.V. http://www.bv-ah.de
Arbeitsgemeinschaft
ADHS der Kinder- und Jugendärzte e. V. http://www.ag-adhs.de
Quelle:
Lichtblick-newsletter.de
vom 22.09.2003
Experten:
Mangel an Schulpsychologen
Bonn
(dpa) - In Deutschland gibt es nach Expertenansicht zu wenig Schulpsychologen.
Derzeit komme im Schnitt ein Psychologe auf 15 000 Schüler, sagte
der Vorsitzende der Sektion Schulpsychologie im Berufsverband Deutscher
Psychologinnen und Psychologen (BDP), Bernd Jötten, zu Beginn eines
BDP-Kongresses am Donnerstag in Bonn. Dagegen stehe in Schweden oder
Finnland, die im Schulvergleichstest PISA sehr gut abgeschnitten hätten,
ein Psychologe immerhin rund 3000 Schülern zur Verfügung.
In Deutschland tendiere die Zahl der Schulpsychologen sogar noch nach
unten. Derzeit sei ein Schulpsychologe in vielen Fällen eher ein
Krisenmanager, kritisierte Jötten. Die präventive Arbeit komme
dabei zu kurz. Ein Schulpsychologe sei aber ein idealer Vermittler bei
Konflikten zwischen Schule und Schülern oder Eltern. Neben dieser
Forderung nach mehr Schulpsychologen müssen laut Jötten auch
die Schulstruktur und der Unterricht geändert werden. Statt auf
verschiedene Schularten aufgeteilt zu werden, sollten die Schüler
gemeinsam in einer Schule lernen. Damit würden «strukturelle
Demütigungen» durch Auslese und Stress vermieden. Durch solche
«kleinen Traumata» könnten die Kinder und Jugendlichen
beispielsweise schulmüde werden. An die Lehrer richtete Jötten
die Forderung, nicht mehr auf den lehrerzentrierten Unterricht zu setzen.
Beim Kongress vom 2. bis 5. Oktober in Bonn werden mehr als 600 Psychologen
erwartet. Das Motto der Veranstaltung heißt «Menschen und
Politik in Krisen? Chancen aus psychologischer Sicht». Rund 150
Vorträge und Veranstaltungen sollen dieses Thema beleuchten.
Quelle:
Netdoktor.de
vom 03.10.2003
Ständiges
Hänseln: Schlimme psychische Schäden bei Kindern
Marburg
(dpa) - Ständiges Hänseln kann bei Kindern schlimmere psychische
Folgen nach sich ziehen als körperliche Angriffe. Ein Drittel der
schikanierten Schüler entwickele schwere psychische Störungen
bis hin zu Angsterkrankungen und Depressionen, sagte Prof. Michael Schulte-Markwort
von der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie
am Montag in Marburg. «Hänseln darf daher in Schulen nicht
länger verharmlost werden.» Der Wissenschaftler stützt
sich auf eine aktuelle Studie der britischen Universität Warwick
mit 331 Schülern. Während ihrer Schullaufbahn werden der Untersuchung
zufolge insgesamt rund 40 Prozent der britischen Kinder von Mitschülern
schikaniert. Schüler, die systematisch ausgegrenzt und abgewertet
werden, litten etwa an mangelndem Selbstwertgefühl, an einem «Leistungsknick»
in der Schule, an Schlafstörungen, Kopf- oder Bauchschmerzen, erläuterte
Schulte-Markwort. Angesichts der alarmierenden Häufigkeit und den
schwer wiegenden Konsequenzen sollten sich Programme zur Gewaltprävention
an Schulen nach Ansicht der Gesellschaft immer auch mit verbaler Gewalt
befassen. Die gravierenden Folgen von Mobbing am Arbeitsplatz seien
inzwischen anerkannt, sagte Schulte-Markwort. «Das kindliche Äquivalent
hierzu - das Hänseln in der Schule - wird jedoch allzu oft immer
noch als ein für Kinder 'normales' Verhalten abgetan, dem man keine
besondere Aufmerksamkeit widmen muss.» Schon der Begriff «hänseln»
klinge im Vergleich zum englischen Wort «bullying» sehr
verharmlosend.
Quelle:
Netdoktor.de
vom 18.11.2003
Angststörungen:
Kindern frühzeitig behandeln
München/Jena
(dpa) - Wenn Kinder unter heftigen Ängsten leiden, sollten sie
frühzeitig eine Verhaltenstherapie beginnen. Anderenfalls könnten
sich die Angststörungen verfestigen, warnt die in München
erscheinende Fachzeitung «Ärztliche Praxis» unter Berufung
auf Professor Bernhard Blanz von der Universität Jena. Wenn ein
Elfjähriger zum Beispiel unter Trennungsangst von den Eltern leidet
und sich deswegen vor einer Klassenfahrt fürchtet, sollte er behandelt
werden, da die Störung die soziale Entwicklung beeinträchtigen
könne. Dem Bericht zufolge leiden schätzungsweise fünf
Prozent der Kinder und Jugendlichen unter Angststörungen. Ängste
von kleineren Kindern seien dagegen oft durch ihre jeweilige Entwicklungsstufe
bedingt: So hätten Babys zwischen sechs und neun Monaten Angst
vor Fremden, Einjährige litten unter Trennungsangst, Drei- und
Vierjährige fürchten sich vor Dunkelheit und dem Alleinsein.
Eine behandlungsbedürftige Trennungsangst finde sich häufig
zwischen dem sechsten und dem elften Lebensjahr.
Quelle:
Netdoktor.de
vom 03.12.2003
Depressive
Kinder: Trennung der Eltern macht krank
Aachen
(dpa) - Die Trennung der Eltern kann Kinder nach Expertenmeinung depressiv
machen. Anzeichen dafür seien Konzentrationsstörungen, schlechte
Laune und Gereiztheit. «Die Freude an Dingen geht völlig
verloren», sagte Professor Beate Herpertz-Dahlmann am Donnerstag
in Aachen. Experten schätzen, dass Depressionen bei Kindern in
jedem zweiten Fall erkannt und behandelt wird. Viele Betroffene litten
auch als Erwachsene unter Depressionen, Angststörungen und Tablettenmissbrauch.
Vor allem Vorschulkindern mache die Trennung der Eltern stark zu schaffen.
«Ob ein Kind eine Depression entwickelt, hängt vom Einzelfall
ab», sagte Herpertz-Dahlmann im Vorfeld des 29. Westdeutschen
Psychotherapieseminars (27.-29.2) mit 1000 Fachleuten zum Thema Depression.
Depressive Kinder reagierten nicht unbedingt mit Traurigkeit. Die Lebenskraft
nehme ab: «Sie wollen nicht mehr mit Freunden spielen und sich
nur noch ins Bett legen», sagte die Kinder- und Jugendpsychologin.
Im Erwachsenenalter neigten sie dazu, erneut an Depressionen zu erkranken.
Nach Umfrage-Ergebnissen entwickeln 15 Prozent der Menschen im Laufe
ihres Lebens eine Depression. Frauen seien doppelt so häufig betroffen
wie Männer. Auslöser könnten Verlust des Arbeitsplatzes,
Krankheit, Trennung, Tod oder Niederlage sein. Typische Symptome seien
Stimmungstief, geringer Antrieb, Erschöpfung und Schlafstörungen
über einen «langen» Zeitraum, sagte Professor Henning
Saß. Damit verbunden sei ein «Unwertgefühl».
«Diese Menschen sehen sich subjektiv nicht als krank an. Sie denken:
Ich bin nichts wert», sagte Saß. Die Aufforderung «Reiß
dich zusammen» bringe nichts. Betroffene brauchten eine medikamentöse
und psychotherapeutische Behandlung.
Quelle:
Netdoktor.de
vom 27.02.2004
Praxis-Gebühr:
Weniger junge Patienten zum Psychiater
Mosbach
(dpa) - Die Gesundheitsreform könnte nach Einschätzung des
Jugendpsychiaters Karsten Rudolf dazu führen, dass junge Menschen
mit psychischen Erkrankungen nicht zum Arzt gehen. «Einige potenzielle
Patienten unter den Heranwachsenden überlegen es sich inzwischen
sehr genau, ob sie einen Psychiater in Anspruch nehmen», sagte
der Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie
Mosbach in Schwarzach in einem dpa-Gespräch. Am Freitag treffen
sich dort rund 70 Experten zum 1. Schwarzacher Hof- Symposium der Johannes-Anstalten.
«Gerade in den Familien, wo das Budget knapp ist, könnten
wichtige Besuche beim Psychiater herausgezögert oder sogar ganz
unterlassen werden», warnte Rudolf. Viele seiner Patienten kämen
aus sozial schwachen Familien. «Häufig sind auch die Eltern
selbst von körperlicher oder psychischer Krankheit betroffen. Unterbleibt
eine notwendige Behandlung, besteht auch für die Kinder ein hohes
Risiko, psychisch zu erkranken», sagte der Jugendpsychiater. Die
Praxisgebühr stelle für diese Familien oft eine große
finanzielle Belastung dar. Ein weiteres Problem in der Behandlung von
psychisch kranken Kindern und Jugendlichen sieht Rudolf beim Praxisbudget.
Viele moderne Psychopharmaka seien nicht gerade billig. In einer Klinik
könne dies durch Mengenrabatte noch ausgeglichen werden. «Wird
ein gut eingestellter Patient dann entlassen ist es wichtig, dass er
dieses Präparat weiter einnimmt.» Das könne das Budget
niedergelassener Ärzte sprengen. «Eine Umstellung auf preisgünstigere
Medikamente aus wirtschaftlichen Gründen ist jedoch in vielen Fällen
sehr bedenklich.» Mit landesweit 18 Kliniken stehe Baden-Württemberg
bei der stationären Versorgung psychisch kranker Kinder und Jugendlicher
noch überdurchschnittlich gut dar, sagte der Arzt. «Eigentliche
Sorge macht, dass die Versorgung mit niedergelassenen Kinder- und Jugendpsychiatern
nicht flächendeckend ist.» Hier seien Wartezeiten von bis
zu einem halben Jahr keine Seltenheit.
Quelle: Netdoktor.de
vom 13.03.2004
Teenager:
Selbstmord Todesursache Nummer 2
Marburg (dpa)
- Selbstmord ist nach Angaben von Jugendpsychiatern die zweithäufigste
Todesursache bei den 15- bis 19-Jährigen. «Jedes Jahr nehmen
sich über 200 Teenager das Leben», teilte die Deutsche Gesellschaft
für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie (DGKJP) am
Dienstag in Marburg mit. Dazu kämen 30 bis 40 Suizide von Kindern
zwischen 10 und 14 Jahren. Nur bei Unfällen sterben der Gesellschaft
zu Folge noch mehr junge Menschen als durch Selbstmord. Die Zahl der
Suizidversuche liege um ein Vielfaches höher: 30 Prozent der Jugendlichen
hätten Selbstmordgedanken. Landläufige Auffassungen wie «Wer
über Selbstmord spricht, macht keinen» sind aus Sicht von
Prof. Andreas Warnke von der DGKJP «durch nichts belegte Vorurteile».
Eine Selbstmorddrohung müsse immer ein «alarmierendes Warnzeichen»
für Eltern sein. Ein Grund für Suizide sind aus Sicht des
Verbandes Depressionen. «Etwa ein Prozent der Vorschulkinder,
aber bereits zwei bis drei Prozent der Schulkinder und bis zu fünf
Prozent der 15- bis 19- Jährigen haben Depressionen.» Kinder
und Jugendliche litten damit weit häufiger unter Depressionen als
bisher angenommen. Bis zur Pubertät erkrankten Jungen genauso wie
Mädchen, später seien Mädchen zwei- bis drei Mal so oft
betroffen.
Quelle:
Netdoktor.de
vom 14.04.2004
Kinder
unter Stress: «Bleib locker»-Kurs in Berlin
Berlin
(dpa) - Auch Kinder im Grundschulalter sind heute immer gestresster.
«Die Reizüberflutung ist in unserer Gesellschaft gerade für
Kinder dramatisch um ein Vielfaches gestiegen», sagt der Hamburger
Psychologe Michael Thiel. Gehirn und Seele würden durch Medien,
Computerspiele, Konflikte in den Familien und Überforderungen in
der Schule unter Druck gesetzt wie noch nie. Der bedrohlichen Entwicklung
begegnet in Berlin die Techniker Krankenkasse nach eigenen Angaben mit
einem in Deutschland noch sehr seltenen «Anti- Stress-Kurs»
für Kinder. «Bleib locker» heißt es für
gestresste 8- bis 10-Jährige. Zwölf Kinder toben und lärmen
im 14. Stock des Eden-Hochhauses in der West-City von Berlin. Sie üben
Rollenspiele, schlüpfen in die Haut von Eltern, Lehrern. Sie streiten.
Manchmal fließen Tränen. Die Emotionen können hochschlagen.
Alles ist Kursleiter Wolfgang Schulz hier oben, wo der Großstadtlärm
langsam abebbt und der Stress des Alltags Schritt für Schritt «mit
Spaß statt Druck» ausgeblendet wird, schon begegnet. Die
Palette der Stressfolgen auch für Kinder ist vielfältig: Aggressionen,
Depressionen zeigen sich, typische psychosomatische Störungen wie
Kopfschmerzen oder Magen-Darm-Probleme sind nicht selten. Konkrete Zahlen
über stressgeschädigte Kinder liegen nicht vor. Nach einer
repräsentativen Befragung des Marburger Professors Arnold Lohaus,
dessen Ideen eine Säule der Berliner Kurse sind, leiden etwa 72
Prozent der Kinder zwischen 8 und 10 Jahren einmal oder mehrmals in
der Woche an Erschöpfungszuständen. Dagegen hilft neben den
Rollenspielen eine spezielle Therapie der Muskelentspannung. «Bleib
locker», das Motto umfasst auch die Körperarbeit. Im Zentrum
des Konzepts steht aber der Gedanke, den Kindern zu einer mentalen Schutzhaut
zu verhelfen, damit sie den Belastungen draußen mit gestärkter
Konzentration widerstehen können. «Kinder im Grundschulalter
müssen heute mehr denn je medienfreie Erholungsoasen bekommen»,
sagt der Hamburger Psychologe Thiel. Nach Beobachtung der Vorsitzenden
des Berufsverbandes für Kinder- und Jugendpsychologie, Christa
Schaff, aus dem baden- württembergischen Weil kommen immer mehr
Kinder mit dem ständig steigenden Lärmpegel nicht mehr zurecht.
«Diese Kinder ziehen sich dann zurück, wollen allein sein,
fast bis zum Autismus.» Damit versuchten sie sich zu schützen
vor den Folgen von zu viel Lärm, aber auch vor Stress durch Mobbing
von Mitschülern. «Die Kinder müssen sich ständig
behaupten, sich wehren. Manche sagen mir, sie müssten in eine Art
täglichen Krieg ziehen.» Der Berliner Kursleiter Schulz hilft
den Kindern, «mehr private Räume zu beanspruchen».
Wer kein eigenes Zimmer für den Rückzug hat, kann lernen,
«auf Phantasiereise» zu gehen. «Bitte nicht stören»,
müssen Kinder der Erwachsenenwelt räumlich und geistig deutlicher
klar machen können. Die Eltern sind in Sitzungen vor den Kursen
und bei der Bilanz nach den zwölfteiligen Kursen einbezogen. Die
Techniker Krankenkasse (TK) hat sich für das Anti-Stress- Konzept
entschieden, weil sie auf Vorbeugung setzt. «Das kann Kosten senken,
bevor das Kind in den Brunnen fällt», sagt Gesundheitsberater
Guido Grunenberg. Die Kinderkurse sind umsonst. Jedoch sind die Kurse
kein Ersatz für eine Psychotherapie. In gut 20 Prozent der Fälle
gibt der Kursleiter eine Therapie-Empfehlung. Der Dauerstress hat viele
Kinder so erfasst, dass sie laut Schulz «nicht mehr gruppenfähig
sind».
Quelle:
Netdoktor.de
vom 05.05.2004
Depressionen machen
vielen Kindern das Leben schwer
Kinder und Jugendliche leiden weit häufiger unter Depressionen als
bisher angenommen. Bis zu fünf Prozent der Jugendlichen sind von
behandlungsbedürftigen Depressionen betroffen. Jahr für Jahr
nehmen sich etwa 200 Teenager das Leben, teilt die Deutsche Gesellschaft
für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie (DGKJP) mit.
Depressionen und Suizidalität
gehören zu den wichtigsten Themen, die beim 16. Weltkongress für
Kinder- und Jugendpsychiatrie vom 22. bis 26. August in Berlin [http://www.iacapap-berlin.de]
behandelt werden. Depressionen bei Kindern machen sich mit einer anhaltenden,
bedrückt-traurigen Stimmung,
Freud- und Antriebslosigkeit, niedrigem Selbstwertgefühl, Schlafstörungen
oder Appetitlosigkeit bemerkbar. "Kinder sind empfindsam und sensibel,
sie reagieren häufig sehr emotional", erklärt Prof. Andreas
Warnke von der DGKJP.
Je älter das Kind wird, desto
deutlicher treten die Symptome zu Tage. Etwa ein Prozent der Vorschulkinder,
aber bereits zwei bis drei Prozent der Schulkinder und bis zu fünf
Prozent der 15- bis 19-Jährigen haben Depressionen. Bis zur Pubertät
erkranken genauso viele Jungen wie Mädchen, später trifft
es zwei- bis dreimal so viele Mädchen. Die Traurigkeit ist oft
vererbt: Kinder, deren Eltern Depressionen haben, tragen ein deutlich
höheres Risiko, später selbst depressiv zu werden. Belastende
Lebensereignisse wie die Trennung der Eltern, Schulprobleme oder enttäuschtes
Verliebtsein begünstigen die Entstehung. Depressionen können
aber auch ohne erkennbare äußere Ursache auftreten –
wenn Fehlregulationen im Hirnstoffwechsel die Fähigkeit beeinträchtigen,
Gefühle wie Trauer oder Freude zu steuern. "Dann zwingen sich
den Kindern depressive Gedanken auf. Sie verlieren das Interesse an
der Umwelt und ziehen sich in eine Ecke zurück", sagt Prof.
Warnke.
Bei
30 Prozent der Mädchen und Jungen treten irgendwann in der Adoleszenz
Selbstmordgedanken auf, die von einigen in die Tat umgesetzt werden.
Laut DGKJP ist der Tod durch Suizid die zweithäufigste Todesursache
bei den 15- bis 19-Jährigen; nur bei Unfällen sterben noch
mehr junge Menschen. Etwa 200 Teenager nehmen sich Jahr für Jahr
das Leben; außerdem 30 bis 40 Kinder zwischen 10 und 14 Jahren.
Suizidversuche sind um ein Vielfaches häufiger. Wer einen solchen
Versuch unternommen hat, probiert es oft erneut: Jeder Vierte macht
innerhalb von sechs Monaten einen zweiten Selbstmordversuch. "Wenn
Kinder oder Jugendliche von Freitod sprechen oder bereits einen Versuch
unternommen haben, sind dies alarmierende Warnzeichen", betont
Prof. Warnke. "Die oft gehörten Sätze 'Wer über
Selbstmord spricht, macht keinen' oder 'Ein fehlgeschlagener Versuch
zeigt, dass es nicht ernst gemeint war' sind durch nichts belegte Vorurteile.
Vielmehr sollten sich Eltern mit ihren Kindern unmittelbar in kinder-
und jugendpsychiatrische Behandlung begeben." Die Behandlungsmöglichkeiten
sind vielfältig, doch ist es zunächst wichtig, die Erkrankung
überhaupt zu erkennen. "Ein Kind mit Depressionen wird leicht
übersehen, wenn es nicht stört oder auffällt. Auch die
Eltern nehmen depressive Symptome häufig nicht wahr", sagt
Prof. Warnke. So erhalten nach Schätzungen der DGKJP nur 50 Prozent
der Kinder und Jugendlichen überhaupt eine Therapie. Bewährt
haben sich vor allem Verfahren, die das Verhalten junger Patienten beeinflussen.
In Kombination mit einer medikamentösen Therapie, die nicht bei
allen Patienten und nicht während der gesamten Behandlungszeit
notwendig ist, kann nach Angaben der DGKJP bei fast allen Betroffenen
eine Linderung der Symptome erreicht werden.
Quelle:
Lichtblick-newsletter.de
vom 07.05.2004
Studie:
Training mindert Verhaltensprobleme bei Kindern
Berlin
(dpa) - Gezielte und frühzeitige Trainingsprogramme für Familien
können Verhaltensprobleme von Kindern wie Aggression und Hyperaktivität
deutlich verringern. Dies ist das Ergebnis einer kombinierten Entwicklungs-
und Vorbeugungsstudie, die Bundesfamilienministerin Renate Schmidt (SPD)
am Montag in Berlin vorstellte. Über die Hälfte der Eltern
klage über regelmäßige Verhaltensprobleme der Kinder
und über Erziehungsschwierigkeiten. Jungen würden deutlich
mehr Probleme des Sozialverhaltens, Mädchen überwiegend emotionale
Probleme zeigen. Für die Studie von Friedrich Lösel von der
Universität Erlangen wurden 675 Kinder aus 609 Familien in Kindergärten
drei Jahre lang beobachtet. Dazu kamen knapp 160 Kinder aus so genannten
Brennpunkt- Kindergärten. Die Trainingsmaßnahmen sollten
die Erziehungskompetenz der Eltern und die sozialen Fähigkeiten
der Kinder verbessern. Ergebnis: Das Ausmaß der Verhaltensprobleme
nahm bei den Kindern der Kontrollgruppe ohne Training leicht zu. Zugleich
ergab sich bei den Kindern, die selbst oder deren Eltern an dem Training
teilgenommen hatten, ein deutlicher Rückgang ihrer Probleme.
Quelle:
Netdoktor.de
vom 25.05.2004
Hänseleien:
Kindliche Psyche angekratzt
München
(dpa) - Ständige Hänseleien unter Kindern können für
die Betroffenen schlimmere Folgen haben als körperliche Angriffe.
Das berichtet die in München erscheinende Zeitung «Ärztliche
Praxis» unter Berufung auf eine Studie an der Universität
Warwick in England. Diese ergab, dass von Gleichaltrigen systematisch
ausgegrenzte und abgewertete Schüler nicht selten schwere psychische
Schäden entwickeln. Diese können bis zu Angststörungen
und Depressionen reichen. Die seelischen Folgen des kindlichen Mobbings
äußern sich zum Beispiel in nachlassenden schulischen Leistungen,
mangelndem Selbstbewusstsein, Schlafstörungen oder Kopf- und Bauchschmerzen.
Für die Studie waren 331 Kinder untersucht worden.
Quelle:
Netdoktor.de
vom 02.06.2004
Krankheit
Schulphobie: Immer mehr Schwänzer
Berlin
(dpa) - Immer mehr Kinder in Deutschland schwänzen die Schule.
«Es ist ein langsamer, aber stetiger Anstieg: Im Bundesdurchschnitt
gehen mittlerweile rund drei Prozent der Kinder nicht regelmäßig
zur Schule», sagte Prof. Helmut Remschmidt (Uniklinik Marburg)
im Vorfeld des 16. Weltkongresses für Kinder- und Jugendpsychiatrie,
der an diesem Sonntag in Berlin beginnt, der dpa. «In manchen
Schulklassen von Großstädten wie Berlin oder München
sitzt nur noch die Hälfte der Schüler.» Gründe
dafür seien Vernachlässigung der Kinder - auch bei materiellem
Wohlstand - oder Schulphobien. Vor allem die wachsende Aggressivität
an den Schulen mache für viele den Schulbesuch schwer erträglich.
«Hier können Programme gegen Gewalt helfen. Das Feedback
der Anwender ist gut: Die Gewaltquote ging um über die Hälfte
zurück», berichtet Remschmidt. Im Mittelpunkt stehe das Bekenntnis
«Keine Gewalt an unserer Schule» und die schnelle Intervention.
«Streithähne müssen sofort getrennt werden, Gespräche
gleich erfolgen und nicht erst Tage später. Auch müssen Lehrer,
Eltern und Schüler dabei an einem Strang ziehen: «Nicht weggucken,
einmischen - heißt die Devise.» Leider mache erst ein kleiner
Anteil von Schulen bei entsprechenden Programmen mit. «Und meist
erst dann, wenn es zu schlimmen Vorfällen gekommen ist.»
Europaweit haben rund 13 Prozent der Schüler zwischen 6 und 18
Jahren psychische Störungen, sagt Remschmidt. 5 Prozent aus dieser
Altersklasse benötigten therapeutische Hilfe. «Aber diese
Quote wird in Deutschland nur zur Hälfte erreicht», beklagt
der Marburger Klinikdirektor für Kinder- und Jugendpsychiatrie.
Das Spektrum reiche von Aufmerksamkeitsdefiziten (ADHS) über Depressionen
bis zu Essstörungen.
Quelle: Netdoktor.de
vom 23.08.2004
Ess-Brech-Sucht:
Viele Junge betroffen
Berlin
(dpa) - Bis zu vier Prozent aller 15- bis 24-Jährigen in Deutschland
leiden an Ess-Brech-Sucht. Dies sagte die Präsidentin der Deutschen
Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und
Psychotherapie (DGKJP), Beate Herpertz-Dahlmann, am Montag in Berlin.
Mindestens 250 000 junge Mädchen in Deutschland sind demnach von
Bulimie betroffen. Solche Essstörungen legten den Grundstein für
seelische Erkrankungen im Erwachsenenalter, darunter Depressionen, Angststörungen
und Alkoholmissbrauch. Daher müssten die Mädchen früh
behandelt werden, betonte Herpertz-Dahlmann auf dem Weltkongress der
Kinder- und Jugendpsychiater, der am Sonntag begonnen hat. Oft erkenne
der Zahnarzt als erster die Bulimie, die Magensäure greife durch
häufiges Erbrechen die Zähne an. Diäten spielen den Angaben
zufolge eine immer größere Rolle bei Kindern und Jugendlichen.
Etwa die Hälfte der elfjährigen Mädchen und ein Drittel
der Jungen in dieser Altersgruppe sei mit ihrer Figur nicht zufrieden.
Übergewicht bei den Kindern oder auch bei den Eltern gelte als
Risikofaktor für Essstörungen, bei denen es um Abnehmen geht.
Seit den 30er Jahren hätten Krankheiten wie Bulimie und Magersucht
stetig zugenommen. Zeitweise Probleme mit dem Essen, wie Heißhungerattacken
oder starkes Fasten, kämen bei bis zu 15 Prozent der 15 bis 24-Jährigen
vor, sagte Herpertz-Dahlmann. Besonders gravierend für Mädchen
sei es, wenn Essstörungen während der Wachstumsphase oder
zur Zeit der ersten Menstruation vorlägen. Die Mädchen könnten
gegebenenfalls später Schwierigkeiten mit der Fruchtbarkeit bekommen.
Der Weltkongress der Kinder- und Jugendpsychiater in Berlin dauert noch
bis zum Donnerstag. Mehr als 2000 Teilnehmer aus 87 Ländern haben
sich angemeldet.
Quelle:
Netdoktor.de
vom 24.08.2004
Selbstmord:
Sehr häufige Todesursache bei Jugendlichen
Berlin
(dpa) - Selbstmord ist eine der häufigsten Todesursachen bei Jugendlichen
in Deutschland. Durch Suizid sterben bundesweit fast so viele junge
Menschen wie im Straßenverkehr, teilte der Verein «Hilfen
für suizidgefährdete Kinder und Jugendliche» am Mittwoch
in Berlin mit. Allein in Berlin kamen im vergangenen Jahr nach Angaben
des Statistischen Landesamtes rund 500 Menschen durch Suizid ums Leben,
darunter rund 40 Jugendliche und junge Erwachsene unter 25 Jahren. Die
Zahl der Selbstmordversuche junger Menschen schätzt der Verein
20 bis 30 Mal höher ein. «Suizid bei Kindern und Jugendlichen
ist ein unterschätztes Problem», sagt Michael Witte, Geschäftsführer
der deutschen Gesellschaft für Suchtprävention. Gründe
für die Selbsttötung junger Menschen seien sowohl negative
Lebenserfahrungen wie Gewalt oder sexueller Missbrauch als auch Belastungen
wie Liebeskummer oder Schulversagen. «Suizidgedanken sind immer
Ausdruck eines schwerwiegenden Problems», erläuterte Psychologin
Monika Schnell. Ein Selbstmordversuch solle oft ausdrücken, was
sich mit Worten nicht mehr sagen ließe. In Deutschland starben
nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im Jahr 2002 rund 11 000
Menschen durch Suizid. Das seien mehr Todesfälle als durch Aids,
Verkehrunfälle und Tötungsdelikte zusammen, ergänzte
Witte. In Berlin bietet die Beratungsstelle «Neuhland» Krisenhilfe
und Prävention für selbstmordgefährdete junge Menschen.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat den 10. September als «World
Suicide Prevention Day» ausgerufen. (Internet: www.neuhland.de)
Quelle:
Netdoktor.de
vom 09.09.2004
Antidepressiva:
Beschleuniger für Suizidgefahr bei Kindern
Washington
(dpa) - Die US-Gesundheitsbehörde FDA sieht bei der Einnahme von
Medikamenten gegen Depressionen eine erhöhte Selbstmordgefahr bei
Kindern und Jugendlichen. FDA-Mitglied Thomas Laughren sagte am Dienstag
(Ortszeit), klinische Studien zu neun der neuesten Antidepressiva hätten
gezeigt, dass damit behandelte Kinder häufiger Selbstmordgedanken
oder -versuche hätten. Nach Laughrens Einschätzung tritt die
erhöhte Selbstmordgefahr bei 2 bis 3 von 100 mit Antidepressiva
behandelten Kindern und Jugendlichen auf.
Quelle: Netdoktor.de
vom 16.09.2004
Kinderärzte:
"Zappelphilipp-Syndrom" frühzeitig behandeln
Forchheim (ddp). Besteht bei einem Kind der Verdacht auf eine so genannte
Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS), sollten
sich Eltern frühzeitig ärztlichen Rat holen. Der Vorsitzende
der Arbeitsgemeinschaft ADHS der Kinder- und Jugendärzte, Klaus Skrodzki,
mahnt: "Wird die Erkrankung zu spät erkannt und behandelt, können
die Verhaltensauffälligkeiten durch äußere Umwelteinflüsse
verstärkt und damit für die jungen Patienten, aber auch ihre
Familien, zu einer enormen Belastung werden."
Den
Angaben zufolge leiden in Deutschland zwischen drei und sechs Prozent
der Kinder und Jugendlichen an ADHS. Bei der Hälfte besteht die
Störung bis ins Erwachsenenalter fort. Die allgemein als "Zappelphilipp-Syndrom"
bekannte Hirnfunktionsstörung wird häufig vererbt. Ihre Ursache
liegt in einer Störung der Signalübertragung in bestimmten
Teilen des Gehirns. Wie stark die Symptome ausgeprägt sind, hängt
auch davon ab, welche Faktoren aus der Umgebung auf das Kind einwirken.
Die
Verhaltensauffälligkeiten treten in der Regel vor dem siebten Lebensjahr
und in mehreren Lebensbereichen gleichzeitig auf. Ein von ADHS betroffenes
Kind zeigt meist starke Konzentrations- und Lernschwierigkeiten, kann
nicht eine Minute still sitzen, ist impulsiv und leicht reizbar. Neben
den Schulproblemen leidet oft auch das Verhältnis zwischen dem
Kind und seinem sozialen Umfeld, den Eltern und Geschwistern.
Wie
wichtig frühes Erkennen und eine gezielte Behandlung der Störung
für die Entwicklung der jungen Patienten ist, belegen nach Darstellung
von Skrodzki Untersuchungen in der Jugendhaftanstalt in Ottweiler/Saarland.
Von 170 männlichen Straffälligen im Alter von durchschnittlich
19,5 Jahren wiesen bis zu 45 Prozent Symptome einer ADHS auf. Das entspricht
einem etwa zehnmal häufigeren Auftreten als in einer nicht straffälligen
vergleichbaren Altersgruppe. Bei 85 Prozent der Untersuchten bestanden
auch Alkohol- und Drogenabhängigkeit - häufige Folgen einer
unbehandelten ADHS in der Kombination mit oppositionellem Trotzverhalten.
Weitere
Informationen zu ADHS bietet die Internetseite des Berufsverbandes der
Kinder- und Jugendärzte unter http://www.kinderaerzte-im-netz.de
und die Internetseite der AG ADHS der Kinder- und Jugendärzte unter
http://www.agadhs.de
Quelle:
Lichtblick-newsletter.de
Nr.138 vom 16.09.2004
Schlafstörungen
bei Kindern: Oft folgen Verhaltensstörungen
Köln
(dpa) - Kinder mit Schlafstörungen sind bis zu sieben Mal häufiger
verhaltensauffällig und hyperaktiv als ausgeschlafene Kinder. Das
ist das Ergebnis einer am Montag von der Imhoff-Stiftung in Köln
veröffentlichten Untersuchung, an der unter anderem die Universität
Köln beteiligt war. Abhilfe bei Einschlafstörungen könne
unter anderem ein regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus sein,
sagte Alfred Wiater von der Kinderklinik Köln-Porz. Die Studie
stützt sich auf die Befragung von 13 000 Grundschülern aus
dem Jahr 2002. Demnach klagen zehn Prozent der Viertklässler häufig
über Einschlaf- und sechs Prozent über Durchschlafprobleme.
Drei Prozent der Kinder leiden unter Tagesmüdigkeit. Schon bei
Säuglingen sollten Eltern auf deren Schlafverhalten achten, sagte
Wiater. Am besten solle das Babybett im Elternschlafzimmer stehen und
eine feste Matratze haben. Außerdem sei das Babybett kein Platz
für Kuscheltiere oder Spielzeug.
Quelle:
Netdoktor.de
vom 21.09.2004
Schule:
Stress erzeugt Kinder-Kopfschmerzen
Göttingen
(dpa) - Stress in der Schule kann bei Kindern zu Kopfschmerzen führen.
Dies ist ein erstes Ergebnis einer Studie der Universität Göttingen,
an der sich mehr als 5000 Familien beteiligt haben. «Kinder mit
hoher schulischer Belastung sind eher von Kopfschmerzen betroffen»,
berichtete die Psychologin Professor Birgit Kröner-Herwig am Dienstag.
Wer sich mehr bewege, sei dagegen eher kopfschmerzfrei. Nach den bisherigen
Erkenntnissen der Psychologen treten Kopfschmerzen mit zunehmendem Alter
immer häufiger auf. Mehr als zehn Prozent aller 14-Jährigen
leiden mindestens einmal pro Woche unter entsprechenden Beschwerden.
Für ihre Studie hatten die Forscher im vergangenen Jahr 5600 Familien
mit Kindern zwischen 7 und 14 Jahren erstmals befragt. Drei weitere
Befragungen der Familien sollen in den kommenden Wochen sowie in den
Jahren 2005 und 2006 folgen. «Nur wenn wir die Entwicklung der
Kinder langfristig verfolgen, lassen sich zuverlässige Aussagen
über gesundheitsfördernde und gesundheitsgefährdende
Faktoren machen», sagte Kröner-Herwig. Die vom Bundesforschungsministerium
geförderte Studie ist nach Angaben der Psychologin die bundesweit
erste Untersuchung, die sich mit wiederholten Befragungen über
mehrere Jahre («Längsschnitt») mit Schmerzen bei Jugendlichen
befasst.
Quelle:
Netdoktor.de
vom 27.10.2004
Körper
und Seele: Jedes fünfte Kind hat Probleme
Heidelberg
(dpa) - Etwa jedes fünfte Kind in Deutschland leidet nach Einschätzung
von Wissenschaftlern unter Entwicklungs- und Verhaltensstörungen.
Alarmierend sei dabei die Zunahme der so genannten neuen Kinderkrankheiten
wie Allergien, Übergewicht und Aufmerksamkeitsstörungen, teilte
die Deutsche Liga für das Kind bei ihrer Jahrestagung am Freitag
in Heidelberg mit. Die Ursache dafür liege oft in der Beziehung
zu den Eltern. Liga-Präsident Prof. Franz Resch forderte eine Verstärkung
der Präventionsmaßnahmen.
Quelle:
Netdoktor.de
vom 01.11.2004
Ärtzliche
Information: Bei Kindern häufig unzureichend
Berlin
(dpa) - Kinder werden dem Ulmer Kinderpsychiater Michael Kölch
zufolge oft unzureichend über ihre Krankheit und Behandlungsabläufe
informiert. «Ein großer Teil weiß gar nicht, was auf
sie zukommt», sagte Kölch in einem dpa-Gespräch in Berlin.
«Das gilt für mögliche Behandlungsalternativen ebenso
wie für Nebenwirkungen.» Kinder ab etwa acht Jahren seien
bei altersangepassten Gesprächen meist in der Lage, solche Informationen
zu begreifen und Entscheidungen zu treffen. Statt auf die kleinen Patienten
einzugehen, werde oft auf die mehrseitigen Informationsblätter
der Pharmahersteller verwiesen. Diese dienten aber weniger der Information
als der juristischen Absicherung, kritisierte Kölch anlässlich
eines zweitägigen Symposiums der Paul-Martini-Stiftung zur Arzneimittelversorgung
bei Kindern am Wochenende in Berlin. Sobald die Sorgeberechtigten den
Aufklärungsbogen unterschrieben, hafte der Arzt kaum mehr für
eventuelle Folgen. Den Eltern sei dabei meist nicht bewusst, dass durchschnittlich
die Hälfte der eingesetzten Medikamente gar nicht speziell für
Kinder zugelassen wurden. «Auf der Intensivstation trifft das
sogar auf mehr als 90 Prozent der verwendeten Medikamente zu.»
Die Pharmakonzerne verzichteten bei Kindern allzu häufig auf die
für eine Zulassung nötigen Studien. «Der Grund ist banal:
Kinder sind eine gesunde Klientel. Das rechnet sich nicht.» Die
Wirkung von Arzneimitteln unterscheide sich bei Kindern aber häufig
grundsätzlich von derjenigen bei Erwachsenen. Ziel müsse es
deshalb sein, EU-weit Anreize oder Sanktionen zu schaffen, um Kinderstudien
zu fördern.
Quelle: Netdoktor.de
vom 14.11.2004
Trauma-Therapie:
Nothilfe entwickelt Programm für Kinder
Duisburg
(dpa) - Mit einem speziellen Programm will die Kindernothilfe traumatisierten
Jungen und Mädchen in Asien helfen. Gemeinsam mit anderen internationalen
Organisationen wollen die Helfer ein Konzept zur Trauma-Therapie für
die jüngsten Überlebenden der Flutkatastrophe entwickeln.
Die Mädchen und Jungen in den Flüchtlingslagern an Sri Lankas
Ostküste seien schwer traumatisiert, berichtete die Organisation
am Sonntag in Duisburg. «Sobald der Wind dreht und die Meeresgeräusche
in das Lager wehen, beginnen die Kinder mit dem Zittern.» In den
kommenden Wochen werde die Kindernothilfe rund 70 000 Menschen in Sri
Lanka unterstützen. Zudem sei die Organisation an Wiederaufbauprogrammen
in Sri Lanka, Südindien und auf der indonesischen Insel Nias beteiligt.
Nach Angaben der Kindernothilfe sind in Sri Lanka derzeit etwa 800 000
Menschen in rund 800 Lagern untergebracht.
Quelle:
Netdoktor.de
vom 10.01.2005
Entwicklungsrisiko:
Kinder psychisch kranker Eltern
Bremen (ddp-nrd). Kinder psychisch kranker Eltern werden häufig
allein gelassen. Sie laufen dabei Gefahr, selbst psychische Auffälligkeiten
und Störungen zu entwickeln, wie aus einer am Mittwoch veröffentlichten
Studie der Bremer Universität hervorgeht. Spezielle Versorgungs-
und Hilfsangebote stehen demnach für die Betroffenen trotz des
großen Bedarfs kaum zur Verfügung.
Eltern,
die unter Depressionen, Schizophrenie oder Alkoholabhängigkeit
litten, könnten sich häufig ihren Kindern nicht in ausreichendem
Maße emotional widmen und angemessen auf die kindlichen Bedürfnisse
eingehen, heißt es in der Untersuchung. Oft kämen familiäre
Probleme wie Krankenhausaufenthalte, Ehekrisen, Gewalt oder Arbeitslosigkeit
und finanzielle Sorgen hinzu. Dennoch gebe es weder für die betroffenen
Erwachsenen in ihrer Elternrolle noch für ihre Kinder besondere
Präventions- und Hilfsangebote, beklagen die Verfasser.
Die
gravierenden Defizite wurden in der Studie von Ärzten, Psychologen
und Sozialpädagogen bestätigt. Die Experten verwiesen auf
die hohe Belastung und Bedürftigkeit der Kinder psychisch erkrankter
Eltern. Die Autoren forderten sinnvolle Hilfsangebote, die von einer
altersgerechten Aufklärung und Begleitung der Kinder bis zu Paten-
und Pflegschaften reichen könnten.
Quelle:
Lichtblick-newsletter.de
Nr.151 vom 05.01.2005
Immer
mehr Kinder und Jugendliche psychisch gestört
Potsdam (ddp-lbg). Im Land Brandenburg leben immer mehr psychisch gestörte
Kinder. Bei den unter 15-Jährigen nahm ihre Zahl zwischen 1994
und 2002 um
31 Prozent auf 1141 zu, wie Gesundheitsministerin Dagmar Ziegler (SPD)
auf eine parlamentarische Anfrage mitteilte. Diese Entwicklung sei um
so bemerkenswerter, als dass sich die Gesamtzahl der Kinder im Land
durch den Geburtenknick auf 40 Prozent des Vorwendestandes verringert
hat.
Vor diesem
Hintergrund verwies die Ministerin darauf, dass es in Brandenburg wie
auch in den anderen neuen Bundesländern zu wenige niedergelassene
Kinder- und Jugendpsychiater und -psychologen gibt. "Wir haben
die Defizite gerade in der ambulanten Versorgung erkannt und setzen
uns gegenüber den Krankenkassen und Kassenärztlichen Vereinigung
für eine Verbesserung ein", betonte die Politikerin.
Nach
Darstellung von Ziegler ist es für die seelische Gesundheit von
Kindern und Jugendlichen besonders wichtig, Risikofaktoren frühzeitig
zu erkennen und zu vermeiden. Unter anderem auch mit diesem Ziel habe
sie vor drei Monaten eine Arbeitsgruppe "Seelische Gesundheit von
Kindern und Jugendlichen" eingesetzt.
Quelle: Lichtblick-newsletter.de
Nr.151 vom 05.01.2005
ADHS-Ratgeber: "Lass mich, doch verlass mich nicht"
München (ddp). Das Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom (ADHS) - mit und
ohne Hyperaktivität - verliert sich nicht mit dem Alter. Viele "Zappelphilipps"
und "Traumsusen" leiden als Erwachsene noch immer unter massiven
Problemen - auch in der Partnerschaft und in Beziehungen. Diesem schmerzhaften
Problembereich widmet sich die renommierte ADHS-Therapeutin Cordula Neuhaus
in ihrem Buch "Lass mich, doch verlass mich nicht".
Einfühlsam beschreibt die Psychologin
und Verhaltenstherapeutin, wie Impulsivität, Verspieltheit, Stimmungstiefs,
Eifersucht und Chaos Beziehungen belasten und allzu oft zu Trennungen
führen - ebenso wie der eigenwillige Umgang mit Nähe und Distanz:
Sie sind leicht entflammt, fühlen sich jedoch ebenso leicht bedrängt
oder abgelehnt.
Nach Angaben des dtv-Verlages gibt
dieses Buch allen Betroffenen konkrete Hilfsmittel für eine entspanntere
Kommunikation an die Hand und ermutigt zu einem fröhlichen "Dennoch".
Denn ADHS-Partnerschaften können gelingen - mit Geduld, Einfühlung
und einer großen Portion Humor - etwas, was ADHS-Betroffene von
jeher auszeichnet.
Die Autorin Cordula Neuhaus arbeitet
seit vielen Jahren mit ADHS-Betroffenen und ist als Dozentin in der
Weiterbildung tätig. Sie ist als ADHS-Kapazität international
anerkannt. Von ihr sind unter anderem erschienen: "Das hyperaktive
Kind und seine Probleme" und "Hyperaktive Jugendliche und
ihre Probleme". "Lass mich, doch verlass mich nicht"
erscheint im Januar.
Cordula
Neuhaus: "Lass mich, doch verlass mich nicht"
dtv-Verlag Januar 2005, ISBN 3-423-34106-8, 10 Euro
Quelle:
Lichtblick-newsletter.de
Nr.151 vom 05.01.2005
Tier-Therapeuten:
Kaninchen für die Kinderpsychiatrie
Stralsund
(dpa) - Zwergkaninchen und Meerschweinchen sind erstmals in Deutschland
als «Therapeuten» an einem Klinikum im Einsatz. Im Hanse-Klinikum
Stralsund sollen die Patienten der Kinder- und Jugendpsychiatrie durch
den Umgang mit den Vierbeinern lernen, Beziehungen aufzubauen, Verantwortung
zu übernehmen und Wärme zu erfahren, teilte das Klinikum mit.
Die Tiere aus dem Tierpark Stralsund sind am Dienstag in das Klinikum
eingezogen.
Quelle: Netdoktor.de
vom 26.01.2005
"Zappelphilipp"-Syndrom:
Neues Mittel auf dem Markt
Hamburg
(dpa) - Ein neues Mittel gegen das «Zappelphilipp»-Syndrom
ADHS kommt am 1. März in Deutschland auf den Markt. Das Präparat
Strattera bietet nach Angaben des Herstellers Eli Lilly eine alternative
Therapie für Kinder und Jugendliche mit der so genannten Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung
(ADHS). Seit seiner Erstzulassung vor zwei Jahren in den USA sei Strattera
mehr als zwei Millionen Patienten verschrieben worden, berichtete die
Firma am Donnerstag in Hamburg. Es sei für Kinder von sechs Jahren
an sowie auch zur Weiterbehandlung im Erwachsenenalter geeignet. ADHS-Patienten
haben oft typischen Verhaltensauffälligkeiten wie extreme Ablenkbarkeit,
übertriebener Bewegungsdrang, Konzentrationsschwäche und Reizbarkeit.
Nach Einschätzung von Prof. Michael Schulte-Markwort vom Universitätsklinikum
Hamburg-Eppendorf bietet Strattera zum ersten Mal eine «echte
Alternative» zum herkömmlich gegen ADHS eingesetzten Mittel
Ritalin. «Es ist vergleichbar gut in der Wirksamkeit.» Ritalin
sei nur bei 70 Prozent der ADHS-Kinder wirksam. Nun gebe es die Hoffnung,
auch den anderen Kindern helfen zu können. Im Gegensatz zu Ritalin
falle Strattera zudem nicht unter das Betäubungsmittelgesetz. Das
mache medizinisch gesehen zwar keinen Unterschied, sei aber vermutlich
beruhigend für die Eltern, sagte Schulte-Markwort. Strattera (Wirkstoff
Atomoxetin) hemmt die Wiederaufnahme eines Botenstoffs in die Nervenzellen.
Damit wirke es möglicherweise auch auf depressive Symptome, die
gelegentlich bei ADHS vorkämen, sagte Schulte-Markwort, der in
Hamburg die Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychosomatik
leitet. Als Nebenwirkung von Strattera nannte Schulte-Markwort «tolerable»
Magen-Darm-Störungen, die aber nur in der ersten Zeit auftreten
würden. Auch in der Verträglichkeit sei Strattera vergleichbar
gut wie Ritalin. Schulte-Markwort schätzt, dass Ritalin und Strattera
künftig in etwa gleichhäufig gegeben werden. Bislang seien
keine langfristigen Nebenwirkungen von Ritalin nachgewiesen worden.
Bei Strattera gebe es noch keine vieljährigen Erfahrungen. «Man
kann davon ausgehen dass mindesten drei Prozent der Kinder ADHS haben»,
schätzt Schulte-Markwort. Es werde noch nicht jedes ADHS-Kind mit
Ritalin behandelt. «Anderseits wird nach meinem Eindruck manchmal
aber auch zu schnell verschrieben.» Zwischen 1995 und 2000 hat
sich die Ritalin-Verschreibung in Deutschland nahezu verzehnfacht. Die
Verschreibungspraxis war daher in die Kritik geraten.
Quelle:
Netdoktor.de
vom 25.02.2005
"Baby
Blues" und "Heultage" - Internet-Angebot für junge
Mütter
Bonn (ddp-nrw). Mit einem neuen Internet-Angebot wollen Ärzte der
Bonner Universitätsklinik jungen Müttern mit psychischen Problemen
helfen. Etliche Frauen leiden in den Tagen nach der Entbindung an einer
seelische Verstimmung, wie Anke Rohde von der Bonner Universitätsfrauenklinik
am Montag erläuterte.
Dieses
auch als "Baby Blues" und "Heultage" bekannte Phänomen
gehe meist nach einigen Tagen vorüber. Bei einigen Frauen entwickelt
sich das Ganze aber zu einer länger anhaltenden Wochenbettdepression
oder gar zu einer krankhaften und behandlungsbedürftigen Psychose.
Besonders
problematisch sei die Situation für Frauen, die bereits psychisch
erkrankt waren. Gemeinsam mit dem Kinderarzt Christof Schaefer entwickelte
Rohde das Online-Angebot www.frauen-und-psychiatrie.de. Es soll für
betroffene Frauen und deren Angehörige erste Anlaufstelle sein.
Aber auch behandelnde Ärzte finden hier Informationen.
Die
Medizinerin stellt Unwissenheit auf beiden Seiten fest: "Junge
Mütter gehen bei psychischen Problemen oft zu spät zum Arzt,
und dort werden sie dann gar nicht oder falsch behandelt. Aus Angst
um das Kind empfehlen Ärzte beispielsweise abzustillen, das stürzt
die Patientinnen in noch größere Schuldgefühle gegenüber
dem Kind."
Solche
Diagnosen hängen nach Beobachtungen von Rohde mit der Angst vor
Nebenwirkungen von Psychopharmaka für das ungeborene beziehungsweise
gestillte Kind zusammen. In diesen Fällen gelte es, Nutzen und
Risiko gründlich abzuwägen. Die Internetseite bietet ein elektronisches
Nachschlagewerk zu verschiedenen Medikamenten und ihren Auswirkungen
auf Verhütung, Schwangerschaft, Geburt und Stillzeit.
http://www.frauen-und-psychiatrie.de
Quelle:
Lichtblick-newsletter.de
Nr.158 vom 10.03.2005
Baby-Blues:
Hilfe bei Depression
Bonn
(dpa) - Der so genannte Baby-Blues trifft viele junge Mütter nach
der Entbindung. Manchmal entwickeln sich diese «Heultage»
aber auch zu einer länger anhaltenden Wochenbettdepression oder
sogar zu einer Psychose. Eine erste Anlaufstation bei solchen seelischen
Problemen soll jetzt die Internetseite www.frauen-und-psychiatrie.de
bieten, heißt es bei der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität
in Bonn. Betrieben wird die Seite von der Frauenklinik am Universitätsklinikum
Bonn.
Quelle: Netdoktor.de
vom 08.03.2005
"Zappelphilipp-Syndrom":
Neue Erkenntnisse erzielt
Aachen (dpa)
- Bei der Erforschung des «Zappelphilipp-Syndroms» ADHS
sind deutsche Wissenschaftler einen großen Schritt voran gekommen.
In einer Studie mit mehr als 200 Patienten stellten sie vier Typen von
Auffälligkeiten im Gehirn fest. Experten gehen davon aus, dass
die Erkenntnis zu einer deutlichen Verbesserung der Behandlung führen
wird. «Die Kinder müssen so spezifisch wie möglich behandelt
werden», sagte die Leiterin des klinischen Teils der Studie, Kerstin
Konrad von der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH)
Aachen am Mittwoch. Bisher seien die Patienten größtenteils
mit den gleichen Medikamenten behandelt worden. Die neuen Erkenntnisse
müssten zu einer spezifischen Therapie führen. Neben Medikamenten
gelte das auch für Trainingsverfahren. Kinder mit krankhaften Aufmerksamkeitsdefiziten
und Hyperaktivität leiden unter Konzentrationsstörungen, körperlicher
Unruhe und übermäßigem Bewegungsdrang. 80 Prozent der
Erkrankungen sind nach Erkenntnissen der Wissenschaft genetisch bedingt.
«Wir wissen, dass viele Gene zusammenspielen, die zu der Ausbildung
der Krankheit führen», sagte Konrad. In den vergangenen Jahren
habe man erfolglos danach gesucht. Mit diesem Zwischenschritt wollen
die Forscher die möglichen Gene eingrenzen.
Quelle: Netdoktor.de
vom 23.06.2005
Studie: Jedes dritte Kind leidet unter massiven Ängsten
Köln (ddp). In Deutschland leidet jedes dritte Kind unter massiven Ängsten. Zu diesem Ergebnis kommt eine bislang unveröffentlichte Studie der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Kölner Universitätsklinik, wie der «Kölner Stadt-Anzeiger» (Dienstagausgabe) vorab berichtet. Die Ängste der Kinder würden von den Eltern oftmals nicht bemerkt oder stark unterschätzt. Insgesamt wurden 700 Eltern von Kindern und Jugendlichen im Alter von 4 bis 17 Jahren sowie 300 Kinder zwischen 11 und 17 Jahren befragt. «Wir haben es mit ausgeprägten und deutlichen Ängsten zu tun», sagte der Leiter der Untersuchung, Manfred Döpfner, der Zeitung. Überraschend sei vor allem die große Kluft «zwischen den tatsächlichen Ängsten der Kinder und denen, die die Eltern wahrnehmen». Besonders falle diese Tendenz bei den Ängsten auf, die Eltern zu verlieren, sagte Döpfner, der den Deutschen Psychologie-Preis 2005 erhielt. Hier hätten die Kinder und Jugendlichen sechsmal häufiger entsprechende Ängste und Sorgen angegeben als ihre Eltern vermuteten. 29,5 Prozent der befragten 11- bis 17-Jährigen sagten, sie machten sich große Sorgen, die Eltern zu verlieren. Aber nur 4,8 Prozent der befragten Eltern konnten sich vorstellen, dass ihre Kinder unter solchen Ängsten leiden. Dieselbe Tendenz beobachteten die Wissenschaftler im Bereich der Leistungsängste: 16,6 Prozent der Kinder und Jugendliche gaben an, darunter zu leiden. Aber nur 7,7 Prozent der Eltern sagten, sie wüssten beim eigenen Kind darum. Diese Diskrepanzen seien bedenklich, so die Kölner Wissenschaftler. Nicht erkannte und nicht behandelte Ängste bei Kindern und Jugendlichen erhöhten den Angaben zufolge das Risiko für andere psychische Störungen im Erwachsenenalter. Neben den Verlust- und Leistungsängsten spielten bei den Kindern und Jugendlichen übertriebene Angst vor Tieren (in 11,7 Prozent der untersuchten Fälle) und allgemeine Ängstlichkeit (10,9 Prozent) eine Rolle.
Quelle: Netdoktor.de vom 21.03.2006
Auch Kinder können unter Depressionen leiden
Von ddp-Korrespondent Kai Gerullis
München/Weil der Stadt (ddp). Die Lust auf ihre Freunde ist Sophie vergangen.
Langsam zieht sich die sonst so fröhliche Siebenjährige aus dem Alltag zurück.
Auch der anfängliche Spaß an der Schule ist restlos verflogen. Ursache für das ausgeprägte Stimmungstief könnte eine Depression sein - ein Krankheitsbild, das Experten bei Kindern noch vor Jahren ausgeschlossen hatten. "Mittlerweile haben Studien aber gezeigt, dass etwa drei bis vier Prozent der Kinder in den USA an Depressionen leiden", sagt Gunhild Kilian-Kornell, Sprecherin des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte in Deutschland.
Außer dem Namen hat die Erkrankung nur wenig mit den Depressionen der Erwachsenen gemein. Je nach Altersstufe variieren die Symptome, dadurch lassen sich die psychischen Störungen nur schwer diagnostizieren. Umso wichtiger ist es, dass Eltern ihre Kinder genau beobachten, wenn sich diese über längere Zeit ungewöhnlich verhalten. "Hören Kinder auf zu spielen, ist das ein klares Alarmsignal", sagt Christa Schaff, Vorsitzende des Berufsverbands für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie in Deutschland.
Bei Kleinkindern können verstärktes Weinen, Bauchschmerzen oder Antriebsmangel auf depressive Verstimmungen hindeuten. "Im Vorschulalter sind dann vor allem
Schlaf- und Essstörungen, ein Rückzug aus der Gemeinschaft im Kindergarten oder aggressives Verhalten mögliche Symptome", betont Schaff. Ältere Kinder zeigen hingegen Schulangst oder einen nicht erklärbaren Leistungsabfall.
Die Ursachen für Depressionen sind bei Kindern vielfältig. Sie können sich nach dem Verlust eines Elternteils entwickeln, aber auch eine Reaktion auf soziale Probleme in der Familie - wie Arbeitslosigkeit - sein. "Ein möglicher Auslöser ist auch der Wegzug des besten Freundes oder ein ungewollter Ortswechsel des Kindes", sagt Kilian-Kornell. Auch wachsender Druck in der Schule oder Hänseleien durch Klassenkameraden können bei den Jüngsten ein seelisches Loch aufreißen.
Erste Anlaufstelle bei psychischen Problemen ist der Kinder- und Jugendarzt.
"Er muss körperliche und organische Ursachen ausschließen", sagt Kilian-Kornell. Denn auch der weit verbreitete Wurmbefall könnte ähnliche Beschwerden auslösen. Bei der Diagnose helfen spezielle Fragebögen oder ein so genanntes Bauchwehprotokoll, das die Kinder zusammen mit ihren Eltern ausfüllen. "In der Vergangenheit wurden Depressionen bei Kinder häufig nicht ernst genommen", sagt Kilian-Kornell. "Eltern sollten aber immer ihrem Gefühl vertrauen und bei einem ernsthaften Verdacht auf eine Depression notfalls eine zweite Meinung einholen."
Werden bei Kindern wie Sophie depressive Verhaltensmuster festgestellt, überweist der Arzt den jungen Patienten in der Regel an einen Kinderpsychiater. "Die Behandlung setzt primär auf psychotherapeutische Methoden und nicht auf Medikamente", betont Schaff. Diese werden einzeln angeboten, meist treffen sich Kinder dazu aber auch mit ihrem Therapeuten in kleinen Gruppen.
Fest integriert in den Therapieplan ist die Familie. "Das ist sehr wichtig, denn Kinder sind manchmal der Spiegel der Seele eines Elternteils", sagt Schaff. Mitunter leidet beispielsweise die Mutter oder der Vater an einer versteckten Depression, die von den Kindern unbewusst übernommen wird. "Lassen sich die Eltern behandeln, entlastet das oft auch das Kind", erläutert die Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie.
Die Inhalte der Therapiesitzungen hängen von der Art des depressiven Verhaltens ab. "Beispielsweise lernen die Kinder, wie man Gefühle erkennt und mit ihnen umgeht", erklärt die Kinderpsychotherapeutin. Haben Hänseleien den Weg ins Stimmungstief geebnet, stärken die Therapeuten das Selbstwertgefühl der Kleinen. "Dabei kann man auch aktuelle Themen wie die Fußball-WM aufgreifen. Auf diese Weise macht man den Kindern klar: 'Wir sind wer!'", erläutert Schaff. Bei ängstlichen Kindern lautet das Therapieziel meist, die soziale Kompetenz zu stärken. Egal welche Art der Therapie gewählt wird - wie lange die Behandlung dauert, hängt individuell vom Kind und den Ursachen der Verstimmung ab.
Weiterführende Informationen
Lesen:
Lawrence L. Kerns: "Hilfen für depressive Kinder. Ein Ratgeber"
Huber, Bern, 1996, ISBN: 3456828152, 19,95 EUR
Ulrike Schäfer: "Depressionen im Kindes- und Jugendalter"
Huber, Bern, 1999, ISBN: 3456832222, 10,95 EUR
Christiane Nevermann: "Depressionen im Kindes- und Jugendalter. Erkennen, Verstehen, Helfen"; C.H. Beck, 2001, ISBN: 3406475663, 12,50 EUR
Gunter Groen: "Depressive Kinder und Jugendliche"
Hogrefe-Verlag, 2002, ISBN: 3801713288, 32,95 EUR
Internet:
Das Deutsche Grüne Kreuz bietet auf seinen Internetseiten Fakten über Symptome und Auslöser von Depressionen bei Kindern. ("Depressionen bei Kindern" in die Suche eingeben) http://www.dgk.de
Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte informiert über Depressionen bei Kindern. ("Depressionen" in die Suche eingeben) http://www.kinderaerzteimnetz.de
Der Berufsverband für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie in Deutschland und die Bundesarbeitsgemeinschaft der Leitenden Klinikärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie im Internet. http://www.kinderpsychiater.org
Quelle: Lichtblick-newsletter.de Nr.185 vom 07.08.2006
Psychische Probleme: Jedes fünfte Kind betroffen
Hamburg (ddp). Kinder und Jugendliche haben nach einem Zeitungsbericht immer häufiger psychische Probleme. Nach dem so genannten Kinder- und Jugendgesundheitssurvey des Robert Koch-Instituts seien 21,9 Prozent der 7- bis 17jährigen psychisch auffällig, berichtete die «Bild-Zeitung (Mittwochausgabe) vorab. 10 Prozent litten unter Ängsten, 5,4 Prozent unter Depressionen, 7,6 Prozent hätten ein gestörtes Sozialverhalten. Eines der häufigsten chronischen Gesundheitsprobleme von Heranwachsenden seien Essstörungen, schrieb das Blatt. 21,9 Prozent der 11- bis 17jährigen seien davon betroffen, Mädchen (28,9 Prozent) sehr viel häufiger als Jungen (15,2 Prozent). Hauptrisikofaktoren für psychische Gesundheitsprobleme von Kindern seien ein »ungünstiges Familienklima« und »niedriger sozioökonomischer Status".
Quelle: Netdoktor.de vom 16.05.2007