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Depressionen

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Mülheimer Kontakte e.V
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Depression: Hirnstimulation statt Pillen schlucken Antidepressiva: Zuviel an Serotoninrezeptoren hemmt Wirkung
Depressionen: Menschen mit Schlafstörungen sind anfälliger Leichte Depression: Antidepressiva wirken nicht
Depressionen: Yoga wirkt positiv auf das Gehirn
Tagung: "Depression, Familie und Selbsthilfe" in Bonn
Depressionen: Bei Johanniskraut auf die Dosierung achten Depressionen: Frauen häufiger betroffen als Männer
Früherkennung bei depressiven Störungen Chronisch Kranke: Begleitdepression behandeln
Depressionen: Wie elektrische Impulse helfen Depression: Bündnis will mehr Menschen aufklären
Depression der Deutschen: Gemütslage im Internet-Test Depressionen: Angstgefühle als Anzeichen ernst nehmen
Depression: Störungen bei Partnern ernst nehmen Warum Antidepressiva zunächst oft nicht wirken
Das Rätsel Depression Depressionen: Vier Millionen behandlungsbedürftig
Baby-Blues: Hilfe bei Depression "Baby Blues" und "Heultage" - Internet-Angebot für junge Mütter
Rezeptormangel kann Depressionen verursachen
Studien zur Depression an der Charité
Depression: Nicht leiden, behandeln lassen Winterdepression: 25 Prozent sind betroffen
Rostocker "Bündnis gegen Depression" startet 2005  Buchvorstellung: "Depressionen - die stille Hölle" 
Psychopharmaka-Behandlung: Erstmal Auto stehen lassen Depressionen: Wichtige Ursache für Krankheit und Behinderung
Psyche: Manische Depressionen oft spät erkannt Nicht jede Verstimmung ist eine Herbst-Winter-Depression 
European Depression Day - 7. Oktober 2004 Depressionen: Krankheit wird häufig nicht erkannt
Frust im Job: Depressionen nehmen zu Diabetes und Depression:Gefährliches Duo
Herbstdepression: Raus an frische Luft Nebenwirkungen bei Antidepressiva sind eine Frage der Gene
Depressive: Zeitgefühl geht verloren Depressionsforscher fordern bessere Versorgung der Betroffenen
Ernährung und Depressionen Depressionen: 18 Millionen Fehltage im Job
Keine Reisekostenerstattung bei chronischer Depression Hirnscans sollen psychische Probleme verraten
Trotz Sonnenschein: Frühjahr macht anfälliger für Depressionen Zusammenhang zwischen Depression und Folsäure-Mangel
Depressive Arbeitnehmer: Psychiater-Besuch ist nicht Pflicht Auch Männer können depressiv sein
Depressionen: Partnerschaftskrise erhöht das Risiko Depression: Deutschlandweite Kampagne geplant
Schilddrüsenprobleme können Depressionen verursachen Langzeitbehandlung mit Antidepressiva verringert Rückfallrisiko
Bündnis gegen Depression: Zahl der Selbstmorde sinkt Depression: Magnetfeldbehandlung gegen Schwermut
Gegen Winterdepression: Licht machen und Sport treiben Depressionen: Zahlen klettern in Deutschland
Oft verkannt: 4 Millionen leiden unter Depression Kompetenznetz "Depression, Suizidalität"

Depressionen: Verstärkt im Herbst

Im Herbst nur "schlecht drauf" oder steckt eine Depression dahinter?

Neue Therapie bei Depressionen

Postnatale Depression: Immer noch Tabuthema

Verminderter Blutfluss im Hirn kann Depressio- nen auslösen

Alte Vorurteile: Angst vor Antidepressiva oft unbegründet

Depressive weinen nicht häufiger

Psychiater warnen: Johanniskraut nur für leichte Depressionen

Psychotherapie: Der Blick ins Ich - Die Wahl des richtigen Therapeuten, etc..

Trotz Sonnenschein: Frühjahr macht anfälliger für Depressionen

Selbstmorde wegen Depressionen: Rate drastisch gesunken

Johanniskraut und Antidepressiva

Bündnis gegen Depression: Deutlich weniger Selbstmorde

Bündnis gegen Depression: Erste Bilanz

Internet macht depressiv: US-Forscher zieht These zurück

Schwangerschaft: Häufiger depressiv als nach der Geburt

Strom gegen Depressionen

Viren können Depressionen und Schizophrenien auslösen

Ohne Serotonin nimmt die Seele Schaden

Elektrostimulation gegen Depression

Schwere Depressionen: Neue Heilungs- methode entwickelt

Befragung: Depressivität steigt mit dem Alter

Gutes Eltern-Kinder-Verhältnis soll Depressionen vorbeugen

Lithiumsalze helfen gegen Depressionen

Psychiater: immer mehr Jugendliche ängstlich und depressiv

Depressive werden durch Gewöhnungs- effekt noch sensibler

Selbsmord: sind die Gene schuld?

US-Studie: Depressionskiller Johannis- kraut soll nur wie Placebo wirken

Bündnis gegen Depression: Deutlich weniger Selbstmorde

Nürnberg (dpa) - Neun Monate nach dem Start des bundesweit einmaligen Aktionsprogramms "Nürnberger Bündnis gegen Depression" ist die Zahl der Selbstmorde in der Stadt drastisch zurückgegangen. Von Januar bis September seien so wenig Suizide gezählt worden wie seit 20 Jahren nicht mehr, teilten die Organisatoren des Forschungsprojekts am Freitag mit. Beim Start im Januar hatte es geheißen, im Erfolgsfall solle das Modell auf ganz Deutschland ausgedehnt werden. Das Bündnis aus Ärzten, Psychologen, Kliniken, Kirchen und städtischem Gesund- heitsamt will intensiv über die Krankheit Depression aufklären. Dabei werden Ärzte gezielt fortgebildet; Plakate und öffentliche Veranstaltungen informieren die Bevölkerung über Depression. Das Projekt wird vom Bundesforschungsministerium unterstützt. "Wir werten derzeit sorgfältig aus, ob und welche Faktoren des Aktionsprogramms zum Absinken der suizid- und Suizidversuchsrate geführt haben", erläuterte der Sprecher des Kompetenznetzes Depression, Professor Ulrich Hegerl. Die Aktivitäten würden zugleich fortgesetzt. "Es gibt weiterhin einen großen Aufklärungsbedarf." Nähere Einzelheiten zu den Erfolgen des Projekts sollen am 11. Oktober bei einer Pressekonferenz bekannt gegeben werden. Schwere Depress- ionen werden nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in 20 Jahren nach Herzkrankheiten das zweithäufigste Leiden überhaupt sein. Weltweit bringen sich jedes Jahr rund eine Million Menschen um. (bs)

Quelle: Netdoktor.de vom 29.09.2001

Internet macht depressiv: US-Forscher zieht These zurück

Seattle (dpa) - "Das Internet macht depressiv und einsam." Mit dieser These schockierte Robert Kraut vor drei Jahren die Online- Welt. Und auch er selber sei schockiert, sagte damals der Sozialpsycho- logie-Professor an der hochangesehenen Carnegie Mellon University in Pittsburgh. Denn immerhin habe das Internet doch den guten Ruf, ein hervorragendes Kommunikationsinstrument zu sein. Dieser gute Ruf ist nun wieder- hergestellt: Negative Effekte haben sich verflüchtigt, schreibt Kraut jetzt in einer neuen Studie, die ältere Ergebnisse weitgehend revidiert. 1998 berichtete Kraut mit anderen Kollegen über das Internet- Paradox: Angeblich helfe das neue Medium vielen Menschen nicht beim Austausch von Meinungen und Informationen; das Gegenteil sei der Fa ll: "Stärkere soziale Beziehungen werden durch schwächere ersetzt", schrieb Kraut über Menschen, die stundenlang vor dem Bildschirm hocken und im Web surfen, statt sich im Cafe oder im Park mit Freunden zu treffen. Kraut bleibt dabei, dass das Internet durchaus auch negative Auswirkungen haben kann. Zwar gehört Vereinsamung nun nicht mehr zu den von ihm beobachteten Folgen ständigen Websurfens. Aber Krauts Studienteilnehmer berichteten, dass sie sich bei stärkerer Internet-Nutzung weniger um Belange ihres Wohnortes kümmern und auch weniger über aktuelle Entwicklungen in ihrer eigenen Heimatstadt wissen. (dbw)

Quelle: Netdoktor.de vom 08. August 2001

Schwangerschaft: Häufiger depressiv als nach der Geburt

Bristol – Frauen werden während einer Schwangerschaft viel stärker von Depressionen geplagt als nach der Geburt des Kindes. Wie die "Welt am Sonntag" berichtet, kam eine Studie der University of Bristol zu diesem Ergebnis. An der Studie nahmen mehr als 9 000 Frauen teil. Der Grund für die überraschende Erkenntnis ist, dass Frauen die Depressionen während ihrer Schwangerschaft anderen gegenüber nicht zugeben. (dbw)

Quelle: Netdoktor.de vom 05. August 2001

Strom gegen Depressionen

Bei einem Fünftel der am Depressionen Erkrankten schlagen Medikamente nicht an. Zwei neue elektrische Verfahren, bei denen Hirnnerven oder Schädelhöhle von außen unter Strom gesetzt werden, könnten einem Teil der Patienten helfen. Bei der transkrani- ellen Magnetstimulation (TMS) wird eine Magnetspule auf dem Kopf des Patienten befestigt. Die von der Spule ausgehenden Impulse stimulieren die Nervenbahnen. 40 Prozent der Erkrankten, bei denen Medikamente wirkungslos waren, reagierten positiv  auf die Behandlung. Der Wirkmechanismus ist noch unbekannt, doch vermuten Fachleute, dass die elektrischen Felder Einfluss auf chemische Botenstoffe wie Serotonin und Noradrenalin haben. Bei der Vagusnervstimulation (VNS) erhalten die Patienten einen Schrittmacher eingepflanzt, von dem eine Leitung zum Vagusnerv im Halsbereich führt, der die leichten Stromstöße ans Gehirn weiterleitet. Einzige Nebenwirkung: Bei vielen Testkandidaten wurde die Stimme rauer, da am Vagusnerv die Stimmbänder hängen.
 www.yavivo.de

Quelle: gesundheit.de vom 28.01.2001

Viren können Depressionen und Schizophrenien auslösen

Günzburg - Forscher vermuten, dass eine spezielle Virusinfektion zu psychischen Krank- heiten führen kann, berichtet die Tageszeitung "Die Welt". "Das Borna Disease Virus steht im Verdacht, bei Depressionen und Schizophrenien krankheitsauslösend wirken zu können", so Karl   Bechter, Psychotherapeut vom Bezirkskrankenhaus Günzburg. Bei  Tieren ruft die Borna`sche Krankheit eine sporadische Entzündung des Gehirns hervor. Die dabei auftretenden Verhaltensänderungen können auch bei depressiven oder an Schizophrenie erkrankten Patienten beobachtet werden. Nun erhielt Bechter für seine Arbeiten auf diesem wenig erforschten Gebiet einen mit 75.000 Dollar dotierten Preis der Stanley Foundation. (ack)

12.07.2001

Ohne Serotonin nimmt die Seele Schaden
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idw: Wenn die innere Uhr des Menschen falsch geht, leidet die Psyche. Im aktuellen Vortrag der Veranstaltungsreihe "Medizin im Spannungsfeld zwischen Wissenschaft und Gesellschaft" informiert Prof. Dr. med. habil. Peter Bräunig vom Klinikum Chemnitz über "Störungen des Serotonin-Stoffwechsels bei psychischen Erkrankungen und ihre Behand- lung". Der Chefarzt  der Klinik für Psychiatrie, Verhaltensmedizin und Psychosomatik wird über dieses Thema am 27. Juni 2001 ab 17.30 Uhr im Chemnitzer Uni-Teil, Straße der Nationen 62, Hörsaal 201, sprechen. Ausgehend von der Bedeutung dieses Hormons für die menschlichen Körperfunktionen wird er die Auswirkungen des Serotoninmangels bei psychischen Erkrankungen beschreiben und Therapiestrategien vorstellen. Der Eintritt ist kostenlos. Zum Hintergrund: Serotonin ist ein wesentlicher Bestandteil des menschlichen Hormonsystems. Hormone werden auch als Botenstoff oder als Neurotransmitter bezeichnet, weil sie bestimmte Informationen von Nervenzelle zu Nervenzelle übermitteln. Serotonin beeinflusst Appetit und Schlaf, steuert den Sexualtrieb, die Körpertemperatur und hat Auswirkungen auf die Gemütslage. Ausreichend Serotonin im Körper macht ruhig und ausgeglichen, extremer Serotoninmangel dagegen führt zu emotionaler Überempfind lichkeit oder sogar zu aggressivem Verhalten. Dauerhafte Mangelerscheinungen können zahlreiche psychische Erkrankungen befördern: Depressionen, Angst-, Belastungs-, Schlaf- oder Essstörungen. Auch die schmerzvollen Migräne-Attacken sind auf einen Serotonin- mangel zurückzuführen. Bei der modernen Behandlung psychischer Erkrankungen werden heute am häufigsten so genannte Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer eingesetzt. Diese Psychopharmaka sollen das verfügbare Hormonangebot steigern. Bei der Akuttherapie der Migräne hat sich die Wirkstoffgruppe der Triptane bewährt. Triptane entfalten im Körper eine dem Serotonin vergleichbare Wirkung und mindern so den Schmerz im Kopf. ttp://www.tu-chemnitz.de
25.06.01

 

Elektrostimulation gegen Depression

Berlin (dpa) - Die Stimulation des Gehirns durch elektromagnetische Strahlung hat sich nach Angaben von Experten als weitere Möglichkeit der Behandlung von Depression erwiesen. "Die so genannte transkranielle Magnetstimulation ist wirksam bei akuter Depression", sagte der Präsident des 7. Weltkongresses für Biologische Psychiatrie, Hans-Jürgen Möller, am Montag in Berlin. Der Wirkmechanismus sei allerdings noch weitgehend unbekannt. Die Ströme hätten zumindest Einfluss auf chemische Botenstoffe wie Serotonin und Noradrenalin. Jedenfalls sei die Stromreizung des Gehirns von außen eine alternative  Be- handlungsform bei Patienten, die nicht ausreichend auf Medikamente ansprächen, sagte Möller am ersten Kongresstag. An dem bis Freitag tagenden Kongress nehmen mehr als 6000 Mediziner aus 80 Ländern teil. (ee)

Quelle: Netdoktor.de vom 03.07.2001

Schwere Depressionen: Neue Heilungsmethode entwickelt

Berlin (dpa) - Wenn Menschen mit Depressionen nach einem systematischen Stufenplan behandelt werden, sind die Erfolgsaussichten deutlich größer. Das zeigen Daten einer zwischen 1997 und 2000 vorgenommenen Untersuchung am Fachbereich Humanmedizin der Freien Universität Berlin, teilte der Arzt Mazda Adli von der Psychiatrischen Klinik am Donnerstag mit. Die 74 Patienten in    der "Stufenplangruppe" haben weniger ausgeprägt chronische Krankheitsverläufe, nehmen weniger Medikamente und bleiben kürzer im  Krankenhaus als die Menschen aus der Kontrollgruppe, die ebenfalls 74 Probanden umfasste. Während bei körperlichen Erkrankungen Leitlinien längst akzeptiert sind, waren bei psychischen Krankheiten die Effekte einer systematischen Therapie bisher kaum unter- sucht, erläuterte der Mediziner. Die Arbeitsgruppe um Adli und Michael Bauer verglich die   streng leitliniengetreue Therapie der Depression mit der üblichen Behandlung nach indivi- duellem ärztlichen Ermessen. Dem Berliner Stufenplan liegt ein "Entscheidungsbaum" zu Grunde: Führt die 1. Stufe des Behandlungsplanes nach 14 Tagen nicht zum erwünschten Erfolg, wird die 2., schärfere Stufe der Therapie beschritten – und so weiter. Nach Stufenplan therapierte Patienten mussten im Schnitt 18 Tage kürzer behandelt und konnten zehn Tage früher aus dem Krankenhaus entlassen werden. Während nach sieben Behand- lungswochen die Hälfte der nach Stufenplan behandelten Patienten weitgehend be- schwerdefrei war, wurde diese Rate bei nach individuellem Ermessen behandelten  Patienten erst nach zwölf Wochen erreicht. Nach ihren bisherigen, ermutigenden Ergebnis- sen will die Berliner Gruppe nun ihre Erfahrungen in einer bundesweit angelegten Studie mit 450 Patienten auf eine breitere Basis stellen, kündigte Adli an. (Internet: Netzwerk Depression: http://www.kompetenznetz-depression.de) (im)

Quelle: Netdoktor.de vom 22.06.2001

Befragung: Depressivität steigt mit dem Alter

München (dpa) - Je älter ein Mensch ist, desto eher neigt er zu Depressionen. Einer bun- desweiten Befragung von 622 Senioren zufolge ist jeder Dritte über 75-Jährige in Deut- schland depressiv. Bei den 60- bis 65-Jährigen sei es nur jeder Fünfte, berichtet die in München erscheinende Fachzeitung "Ärztliche Praxis" unter Berufung auf eine Studie der Universität Leipzig. Demnach leiden Männer genauso häufig unter Depressionen wie Frauen. Wer depressiv sei, klage häufiger über Symptome des chronischen Müdigkeits- syndroms und über körperliche Beschwerden wie Gelenk-, Magen- oder Herzschmerzen. Gerade bei älteren Menschen mit chronischen Erkrankungen und unspezifischen körper- lichen Beschwerden würden psychische Störungen leicht übersehen und therapeutisch zu wenig beachtet, befanden die Wissenschaftler. (im)

Quelle: Netdoktor.de vom 20.06.2001

Gutes Eltern-Kinder-Verhältnis soll Depressionen vorbeugen

Hamburg (dpa) - Verstehen sich Eltern gut mit ihren erwachsenen Kindern, beugt das offenbar Depressionen vor. Wenn Kinder geduldig und freundlich mit ihren Eltern umgehen, steigen außerdem deren Chancen, länger zu leben, berichtet die in Hamburg erscheinende     Zeitschrift "Vital" (Ausgabe 5/2001). Sie beruft sich dabei auf eine Studie an der Universität von Kalifornien in Los Angeles. Demnach leiden alternde Eltern, die sich emotional mit ihren erwachsenen Kindern verbunden, verstanden und geliebt fühlen, zu 40 Prozent seltener an    Depressionen als Vergleichspaare, die sich mit ihren Kindern nicht verstehen. Auch Alterserscheinungen wie etwa Schwierigkeiten beim Laufen oder Sehen seien nicht allein körperliche Probleme. Sie wirkten negativ auf die Psyche und könnten Depressionen auslösen. Emotionale Unterstützung durch die Kinder helfe, diese Depressionen zu bekämpfen und damit indirekt die körperliche Widerstandkraft zu stärken, so die Zeitschrift. (im)

Quelle: Netdoktor.de vom 26.04.2001

Lithiumsalze helfen gegen Depressionen

Berlin - Die Gabe von Lithiumsalzen ist von großer Bedeutung für die Behandlung von Depressionen und bei Suizid-Neigung. Wie die österreichische Zeitung "Der Standard" unter Berufung auf die Fachzeitschrift American Journal of Psychiatry meldet, kommt eine     Studie des Berliner Universitätsklinikums Benjamin Franklin (UKBF) zu diesem Ergebnis. Bei einer so genannten "Lithiumaugmentation" wird einem depressiven Patienten die natürlich vorkommende Substanz zusätzlich gegeben, wenn Antidepressiva allein nicht ausreichen. Thomas Bschor, Oberarzt an der Psychiatrischen Klinik des UKBF, zeigte in seiner Studie, dass bei geheilten Patienten die Gefahr eines Rückfalls deutlich geringer ist, wenn die Lithium-Einnahme über mindestens ein halbes Jahr fortgesetzt wird. Für seine Studie wurde der Berliner Wissenschaftler in Mailand mit den Poster Prize der International Academy for Biomedical and Drug Research ausgezeichnet. (dc)

Quelle: Netdoktor.de vom 02.04.2001

Psychiater: immer mehr Jugendliche ängstlich und depressiv

München (dpa) - Die Vereinzelung und Vereinsamung in Deutschland hat nach Auffassung von Psychiatern zu einem dramatischen Anstieg von Depressionen und Ängsten bei Kindern und Jugendlichen geführt. Als Gründe für diese Entwicklung nannten Wissenschaftler auf einem Internationalen Symposium für Dynamische Psychiatrie in München die oft exzessive Nutzung des Internets und den Verlust zwischenmenschlicher Beziehungen. Auch elf Prozent der Erwachsenen in Deutschland litten deshalb unter Depressionen, hieß es. Die "erlebte Vereinzelung" entspreche nicht dem menschlichen Urbedürfnis nach Kontakt und Bindung, hieß es auf dem Kongress. Seine Persönlichkeit und Identität entwickle der Mensch vor allem im Austausch mit anderen Menschen. Misslinge diese Form der Sozialisation, seien Beziehungsstörungen, soziale Ängste und Beziehungs-Erkrankungen (Borderline-Störungen) die Folgen. Zu dem fünftägigen Kongress (13. bis 17. März) sind in München rund 400 Teilnehmer aus über 20 Ländern zusammen gekommen. Ziel der Veranstaltung sei es, die Bedeutung "zwischenmenschlicher Netzwerke" zu betonen und Behandlungsformen für Störungen der Gruppenbindung zu diskutieren. Im Mittelpunkt der Behandlung psychischer Störungen steht für die Dynamische Psychiatrie die Gruppen- therapie. (ee)

Quelle: Netdoktor.de vom 14.03.2001

Depressive werden durch Gewöhnungseffekt noch sensibler

Erlangen - Depressionen können zur Gewohnheit werden. Diesen Schluss ziehen US-Wissenschafter aus einer Studie an rund 2.400 Frauen, berichtet die Online-Ausgabe des "Standard" unter Berufung auf die Zeitschrift "ZNS-Spektrum". Demnach sind mit jeder durchstandenen Depression Neuerkrankungen immer seltener eine Reaktion auf kritische     Lebensereignisse wie schwere Erkrankungen, Tod einer nahe stehenden Person oder Arbeitsplatzverlust. Je größer die Zahl der erlebten Depressionen sei, desto häufiger stellten diese sich quasi aus Gewohnheit ein. Nach Ansicht der Wissenschafter bestätigen ihre           Beobachtungen die so genannte Kindling Hypothese. Danach sensibilisieren Depressionen das Nervensystem, so dass es auf immer geringfügigere ähnliche Reize gleichförmig anspringt. Indem jede weitere Depression die Bereitschaft erhöhe, neue Informationen negativ zu verarbeiten, entkoppele sie die Entstehung der Krankheit von Umweltreizen. Weiteren Depressionen werde so das Feld bereitet. Experten empfehlen dem Fachblatt zufolge, depressive Patienten schon vor Beginn einer medikamentösen Behandlung gezielt auf sexuelle Probleme anzusprechen. Mangelnde Lust, Erektionsstörungen, Ejakulations- probleme und andere Beschwerden begleiteten bis zu 75 Prozent aller Depressionen. Mitunter seien sie sogar das quälendste Symptom der Erkrankung. (ol)

Quelle: Netdoktor.de vom 19.03.2001

Selbsmord: sind die Gene schuld?

Wissenschaftler des La Colombiere Hospital im französischen Montoellier vermuten genetische Ursachen für Selbstmord. Wie die "Welt am Sonntag" weiter berichtet, verglichen die Forscher das Erbgut von Menschen, die bereits einen Suizidversuch hinter sich hatten, mit dem einer Gruppe ungefährdeter Vergleichspersonen. Dabei stellten sie        Unterschiede an dem Gen fest, das für die körpereigene Herstellung des Gehirn-Botenstoffs Serotonin verantwortlich ist. Eine Störung des Serotoninhaushalts könnte demnach auf die Stimmung schlagen und so einen Selbstmordversuch herbeiführen. (pd)

Quelle: Netdoktor.de vom 08.04.2001                    

US-Studie: Depressionskiller Johanniskraut soll nur wie Placebo wirken

Chicago - Johanniskraut hilft nach einer US-Studie doch nicht gegen Depressionen, berichtet die Online-Ausgabe des "Standard". Der Pflanzenextrakt sei bei der Behandlung so wirksam wie ein Placebo, teilte der Psychiatrie-Experte Richard Shelton von der              Vanderbilt-Universitätsklinik in Nashville im US-Bundesstaat Tennessee mit. Shelton hatte zusammen mit anderen Forschern 200 Patienten mit schweren Depressionen in elf Universitätskliniken in den USA acht Monate lang beobachtet. Den Angaben zufolge zeigten die Patienten, die Blindpräparate erhalten hatten, ähnliche Reaktionen auf die       Medikamente wie die mit Johanniskraut behandelten Fälle. Nach Angaben der Forscher wurden im Gegensatz zu vorherigen Studien keine Patienten mit nur leichten Depressionen beobachtet. Johanniskraut, wissenschaftlich "hypericum perforatum", wird seit der Antike als Hausmittel gegen Depressionen eingesetzt. Eine Studie eines Gießener Forschungsteams hatte im vergangenen September die Verabreichung von Johanniskraut bei entsprechenden Erkrankungen empfohlen. Allerdings hatten die Gießener Forscher Patienten mit leichten und mittelschweren Depressionen untersucht

Quelle: Netdoktor.de vom 19.04.2001

Bündnis gegen Depression: Erste Bilanz

Nürnberg (dpa) - Das "Nürnberger Bündnis gegen Depression" will heute (Donnerstag) eine erste Bilanz ihres vor neun Monaten gestarteten Forschungsprojekts ziehen. Wie die Initiatoren bereits durchblicken ließen, ist die Zahl der Selbstmorde in der fränkischen Großstadt seit dem Start des Projekts Anfang Januar stark zurückgegangen. Das unter anderem von der Münchner Ludwig- Maximilians-Universität betreute Projekt umfasst unter anderem eine gezielte Fortbildung von Ärzten und Multiplikatoren, Plakataktionen und öffentliche Informations- veranstaltungen über die Krankheit Depression.

Quelle: Netdoktor.de vom 11.10.2001

Selbstmorde wegen Depressionen: Rate drastisch gesunken

Nürnberg - Etwa vier Millionen Menschen leiden bundesweit an Depressionen. Und ein großer Teil der jährlich mehr als 11 000 Suizide in Deutschland hat seine Ursache in depressiven Erkrankungen. Das berichtet die "Ärztezeitung". "Die Depression ist eine lebensbedrohliche Erkrankung, die jeden treffen kann- aber die Betroffenen sind behandelbar ist", sagt Professor Ulrich Hegerl von der Psychiatrischen Klinik der Uni München. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) werden schwere Depressionen in 20 Jahren nach den Herz-Kreislauferkrankungen weltweit die zweithäufigste Krankheit sein. Hegerl ist Sprecher des "Kompetenznetzes Depression, Suizidalität", ein Projekt, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung fünf Jahre lang mit jährlich rund fünf Millionen DM gefördert wird. Ein wesentlicher Bestandteil des Forschungsvorhabens ist das "Nürnberger Bündnis gegen Depression", das Anfang des Jahres mit dem Ziel gestartet wurde, bis Ende 2002 die Versorgung depressiv erkrankter Menschen in der Frankenmetropole zu verbessern und die Zahl der Suizide nachweisbar zu senken. Neun Monate nach dem Start des Aktionsprogramms, an dem Haus- und Fachärzte, Psychotherapeuten und Medienexperten ebenso beteiligt sind wie Kirchen, Kliniken und staatliche Stellen, berichtet das Nürnberger Bündnis von einem drastischen Rückgang der Suizide. Von Januar bis September seien in Nürnberg so wenig Suizide registriert worden, wie seit 20 Jahren nicht mehr, heißt es. Einzelheiten zu den Erfolgen des Projektes sollen am 11. Oktober in Nürnberg bekannt gegeben werden. Im Kampf gegen die Depression haben die Hausärzte eine Schlüsselrolle, betont Hegerl. Mit dem gleichen Engagement wie in der Praxis nach Hypertonus und Diabetes gesucht wird, müsse auch nach "der großen Volkskrankheit Depression" gefahndet werden. Etwa elf Prozent der Patienten einer hausärztlichen Praxis leiden nach Hegerls Angaben an einer depressiven Erkrankung. "Die Patienten merken, daß in ihnen etwas vorgeht. Sie rücken aber oft körperliche Beschwerden in den Vordergrund, weil das für sie greifbarer ist", berichtet Hegerl über seine Erfahrungen. Deshalb müssen Ärzte gezielt danach fragen. Als Beispiel für eine Einstiegsfrage empfiehlt Hegerl eine Formulierung wie: "Sie machen einen verzweifelten Eindruck. Macht Ihnen das Leben keinen Spaß mehr?" In den vergangenen Monaten haben in Nürnberg viele Fortbildungsveranstaltungen vor allem für Hausärzte stattgefunden, berichtet Hegerl. Damit soll erreicht werden, daß Patienten, die an einer Depression erkrankt sind, früher erkannt und dann adäquat behandelt werden. Untersuchungen haben nämlich ergeben, daß etwa die Hälfte der Menschen in den vier Wochen vor einem Suizid noch bei ihrem Hausarzt waren, berichtet Hegerl. Deshalb werden in den Fortbildungsveranstaltungen vor allem das Erkennen und die Einschätzung einer Suizidgefährdung sowie der Umgang mit Suizidgefährdeten besprochen. Mit Plakaten und öffentlichen Veranstaltungen, mit Kinospots und Informationsbroschüren wurde zudem die Nürnberger Bevölkerung umfassend über die Krankheit Depression informiert, um so die Wahrnehmung für erste Anzeichen einer Depression zu schärfen. Dadurch seien Vorbehalte, aber auch Verharmlosungen abgebaut worden. Inzwischen habe er von Patienten und Angehörigen gehört, die Ärzte auf beobachtete Symptome einer Depression angesprochen haben, berichtet Hegerl über den erfolgreichen Verlauf der Aufklärungskampagne. Derzeit stehe im Mittelpunkt der Arbeit die Frage, ob und welche Faktoren des Aktionsprogramms zum Sinken der Suizidrate geführt haben. (hk)

Quelle: Netdoktor.de vom 07.10.2001

Johanniskraut und Antidepressiva

München (ddp). Johanniskraut kann die Wirkung bestimmter Medikamente gegen Depressionen dämpfen. Darauf macht das Komitee Forschung Naturmedizin (KFN) in München aufmerksam. Die wissenschaftlichen Belege dafür lieferten Forscher von der Berliner Charité. Das KFN rät von einer Doppeltherapie mit pflanzlichen und chemischen Antidepressiva ab. Im Rahmen ihrer Studie verabreichten die Forscher zwölf depressiven Patienten zusätzlich zu dem chemischen Mittel Amitriptylin einmal pro Tag eine Dosis eines standardisierten Johanniskrautextrakts. Dabei zeigte sich, dass die gleichzeitige Gabe von Johanniskraut die Plasmakonzentration des chemischen Antidepressivums erkennbar senkt. Umgekehrt beeinflusste die chemische Arznei die Wirkweise des pflanzlichen Präparates nicht. Diese Erkenntnisse seien vor allem für die Fälle von Bedeutung, in denen Patienten, die bereits Amitriptylin bekommen, zusätzlich eine Johanniskrauttherapie wünschen. Den Ergebnissen zufolge bringt diese Doppeltherapie nichts.
http://www.phytotherapie-komitee.de


Quelle: Lichtblick-newsletter.de vom 19.11.2001

Psychotherapie: Der Blick ins Ich

Immer mehr Menschen entschließen sich zu einer Psychotherapie. Doch was für Methoden gibt es? Und wie findet man den richtigen Therapeuten?
Lesen Sie weiter unter: http://depression.netdoktor.de

Quelle: Netdoktor.de vom 24.01.2002

Trotz Sonnenschein: Frühjahr macht anfälliger für Depressionen

Berlin (dpa) - Das schöne Wetter macht nicht nur fröhlich: Im Frühjahr steigt auch die Zahl akuter Depressionen regelmäßig an, wie der Deutsche Psychotherapeutenverband mitteilte. Depressiv veranlagte Menschen empfänden im heiteren Frühling den Kontrast zur inneren Trostlosigkeit besonders schmerzlich. Doch häufig werde die Krankheit verleugnet, verdrängt oder von Ärzten nicht erkannt, erklärte der Verband am Mittwoch in Berlin. Rund drei Millionen Menschen in Deutschland leben nach Angaben des Verbandes mit Depressionen, allein in Berlin benötigten rund zwei Prozent der Bevölkerung psychotherapeutische Hilfe. Frauen sind nach Ansicht der Psychotherapeuten doppelt so anfällig für seelischen Störungen wie Männer. "Depressionen sind eine nach innen gewandte Form der Aggression", sagte die Berliner Diplom-Psychologin Ulrike Michels-Vermeulen. "Männer reagieren sich eher nach außen hin ab". Symptome für Depressionen können anhaltende Schlafstörungen, Appetitverlust oder ein Engegefühl in der Herzgegend sein, häufig kombiniert mit langen Phasen von Angst, Niedergeschlagenheit, Verzweiflung, Leere, Interessenverlust - bis hin zu Antriebsschwäche, Entschlussunfähigkeit und Selbstmordgedanken. Typisch für die Krankheit ist ein schwindendes Selbstwertgefühl. Ein Alarmsignal kann der Rückzug aus dem Freundes- und Familienkreis sein. "Das Problem ist, dass all diese Symptome sehr schnell mit Pillen bekämpft werden, und nicht mit einer psychotherapeutischen Behandlung", sagte der Berliner Diplom-Psychologe Andreas Wünscher. Ärzte beachteten oft nur die Schmerzsymptome, nicht aber die innere Verfassung ihrer Patienten. Nach Ansicht des Psychotherapeutenverbandes könnte das deutsche Gesundheitssystem um 1,2 Milliarden Euro pro Jahr entlastet werden, wenn depressiv veranlagten Menschen rechtzeitig geholfen würde. Eine psychotherapeutische Behandlung kostet nach Verbandsangaben rund 2000 bis 3000 Euro. Bei einem ärztlichen Befund übernehmen die Krankenkassen in der Regel die Kosten.

Quelle: Netdoktor.de vom 09.05.2002

Depressive weinen nicht häufiger

Washington (ddp). Depressive Menschen neigen nicht eher zum Weinen als psychisch gesunde. Ihre Krankheit scheint vielmehr den aktiven Gefühlskontakt mit der Außenwelt zu unterdrücken, berichten Forscher der Universität in Stanford (USA) im Fachmagazin "Journal of Abnormal Psychology" (Ausg. 111, Nr. 2). Die Psychologen um Jonathan Rottenberg hatten Probanden Szenen aus dem Film "Der Champ" von Franco Zeffirelli aus dem Jahr 1979 gezeigt. Chronisch depressive Patienten zeigten sich von dem als besonders traurig bekannten Film weniger beeindruckt als die gesunden Versuchspersonen. Sie weinten weniger häufig und beschrieben ihre Stimmung gleich nach dem Film seltener als besonders niedergeschlagen. Dies zeige, dass die Krankheit nicht einfach nur auf die Stimmung der Patienten drücke, sondern sie weniger empfindlich auf äußere emotionale Reize ob aufmunternd oder negativ mache, vermuten die Forscher.

Quelle: Lichtblick-newsletter.de vom 04.06.2002

Psychiater warnen: Johanniskraut nur für leichte Depressionen

München (netdoktor.de) - Gerade bei psychischen Erkrankungen wie Depressionen fällt vielen der Gang zum Arzt schwer. Da scheint es einfacher, sich in den Regalen der Drogeriemärkte selbst zu versorgen. Von Johanniskraut erhoffen sich die Leidenden beispielsweise eine sanfte, weil natürliche Hilfe. Doch wie der Informationsdienst der Wissenschaft heute berichtet, ist eine Selbstmedikation bei Depressionen ungeeignet. "Die meisten Präparate, die im Supermarkt oder einer Drogerie verkauft werden, enthalten Johanniskraut-Extrakt in zu niedriger Dosierung und bleiben deshalb ohne Wirkung", erklärt Prof. Ulrich Hegerl von der Ludwig Maximilians Universität München. Darüber hinaus seien auch die vom Arzt verordneten Johanniskrautpräparate nur zur Behandlung von leichten bis mittelschweren Depressionen geeignet. Angesichts des Suizidrisikos von Menschen mit schweren Depressionen könne eine Selbstbehandlung, so Hegerl, schwer wiegende Folgen haben. Auch vor einem eigenmächtigen Medikamentemix wird gewarnt: Wer auf eigene Faust zusätzlich zu einem chemischen Antidepressivum pflanzliche Mittle schluckt, kann die Wirkung der Medikamente schwächen. (ee)

Quelle: Netdoktor.de vom 02.07.2002

Verminderter Blutfluss im Hirn kann Depressionen auslösen

Rotterdam (ddp). Depressionen im fortgeschrittenen Alter könnten unmittelbar mit einem verminderten Blutfluss im Hirn zusammenhängen. Das fanden niederländische Mediziner in einer Studie an mehr als 2000 Personen heraus. Ihre Ergebnisse präsentieren die Forscher um Monique Breteler in der Fachzeitschrift "Journal of Neurology Neurosurgery and Psychiatry" (Bd. 73, S. 34). Die Mediziner befragten die über 55-jährigen Teilnehmer nach Anzeichen für Depressionen und stellten mit einer Ultraschalluntersuchung die Blutflussgeschwindigkeit in den Hauptarterien des Gehirns fest. Bei den 116 Teilnehmern, die Symptome einer Depression zeigten, konnten die Forscher von der Erasmus-Universität Rotterdam eine deutlich langsamere Fließgeschwindigkeit feststellen als bei gesunden Probanden. Breteler und ihre Kollegen schließen aus ihrer Untersuchung, dass die verminderten Gefäßfunktionen ab einem bestimmten Alter Depressionen auslösen können.

Quelle: Lichtblick-newsletter.de vom 05.07.2002

Alte Vorurteile: Angst vor Antidepressiva oft unbegründet

München/Bonn (netdoktor.de) – Die Angst vor den Folgen von Antidepressiva ist noch immer tief verwurzelt und kann eine effektive Therapie verhindern. Dabei sind Befürchtungen, dass solche Medikamente abhängig machen oder die Persönlichkeit der Betroffenen verändern, unbegründet, erklärt Professor Peter Falknai von der Klink für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Bonn gegenüber NetDoktor.de. In der Behandlung von Depressionen spielen Antidepressiva nach wie vor eine Schlüsselrolle. Besonders in schweren Fällen sollten Patienten medikamentös behandelt werden, so Falkai. Es hänge vom jeweiligen Fall ab, ob eine Psychotherapie oder Antidepressiva beziehungsweise eine Kombination aus beiden eingesetzt wird. Die neue Generation der Antidepressiva habe sogar wesentlich weniger von den klassischen Nebenwirkungen, wie beispielsweise Müdigkeit oder Mundtrockenheit. (ol)

Quelle: Netdoktor.de vom 25.07.2002

Neue Therapie bei Depressionen

Hamburg (ddp). Rund 40 Prozent der Bundesbürger leiden unter Depressionen. Eine neue Kombitherapie verspricht nach Angaben der Zeitschrift "Vital" Hilfe. Sie verhindere zudem, dass eine leichte Depression zu einer schweren seelischen Krise wird, und auch Rückfälle gebe es kaum noch. Basis der Kombitherapie ist eine medikamentöse Behandlung. "Bei mittelschweren und schweren Depressionen ist die Behandlung mit Antidepressiva dringend geboten", sagt Professor Ulrich Hegerl von der Psychiatrischen Poliklinik der Universität München. Moderne Präparate seien keine "chemische Keule", machten nicht abhängig und wirkten gezielt gegen die Depression. Erste Resultate zeigten sich nach drei bis vier Wochen. Zur Kombitherapie gehört auch Schlafentzug. Die Mediziner haben festgestellt, dass nach einer durchwachten Nacht die Depression abnimmt. Dritter Baustein ist die kognitive Selbsttherapie. Dabei analysieren die Betroffenen jeden Tag schriftlich einen negativen Gedanken wie Ist es wirklich so schwarz, wie ich es sehe?, Wo gibt es dafür Beweise?. Diese Selbstanalyse polt das Denken oft schon innerhalb von zwei Wochen um, denn der Betroffene erkennt, dass die Seelenqualen auch Resultat negativer Bewertungen sind, schreibt das Blatt. Auch im Alltag lässt sich eine Menge tun: Nahrungsmittel wie Fisch und Käse spülen das Glückshormon Serotonin in die Seele. Und: "Täglich mehrmals an die frische Luft, das hellt die Stimmung in jeder Jahreszeit auf", rät Hegerl. Als Hauptindiz für eine Depression gilt, wenn sich Menschen im Privaten und beruflich stark behindert fühlen. Dann wirkt die Depression wie eine Bremse, man fühlt sich mental und körperlich blockiert. Typische Beschwerden sind Freudlosigkeit, Leere, Grübeln, Ängstlichkeit, Energielosigkeit und gestörter Schlaf.

Quelle: Lichtblick-newsletter.de vom 12.08.2002

Postnatale Depression: Immer noch Tabuthema

Stuttgart (dpa) - Depressionen von Müttern nach der Geburt eines Kindes sind nach Ansicht von Medizinern weiter ein Tabuthema. "Viele akzeptieren nicht, dass das Bild der glücklichen Mutter oft nicht zutrifft", sagte Carl-Ludwig von Ballestrem von der Forschungsstelle für Psychotherapie (Stuttgart) im dpa-Gespräch. Nach einer Studie erkrankten vier Prozent der Frauen in den ersten drei Monaten nach der Geburt an Depressionen, die behandelt werden müssen. Oft werde die Therapie aber aus Angst vor Stigmatisierung nicht angetreten. An der Untersuchung beteiligten sich unter Leitung des Ulmer Professors Horst Kächele 772 Frauen in 18 Monaten. Die Depressionen seien nicht zu verwechseln mit den so genannten Heultagen nach der Geburt. "Etwa die Hälfte aller Frauen haben solche Phasen, die in den ersten zwei Wochen nach der Geburt spontan wieder verschwinden" sagte Ballestrem. Die erkrankten Frauen hätten vielmehr unter Antriebs- und Hoffnungslosigkeit sowie schweren Schuldgefühlen gelitten. "Sie hätten eigentlich psychiatrisch oder psychotherapeutisch behandelt werden müssen, die meisten ambulant, einige aber auch im Krankenhaus." Nur wenige der Mütter seien aber tatsächlich zu einer Therapie zu bewegen gewesen. "Zum einen hatten sie Vorbehalte gegenüber der Psychiatrie oder Psychotherapie, zum anderen gab es schlichtweg organisatorische Gründe", sagte der Mediziner. Viele der Frauen hätten nicht gewusst, wer ihr Kind etwa während eines Klinikaufenthalts betreuen könnte. "Die Frauen sind in einem schweren Zwiespalt: einerseits fühlen sie sich schlecht, andererseits wollen sie sich um ihr Kind kümmern und nehmen sich keine Zeit für sich selbst", sagte Ballestrem. Würden die Depressionen nicht behandelt, so könne sich das Verhältnis zwischen Mutter und Kind zusehends verschlechtern. Dies wiederum könne zur Verstärkung der Schwermut der Mutter führen. "Wir brauchen ein vielfältigeres Angebot für diese Frauen", sagte Ballestrem. Dazu gehöre etwa die gemeinsame Aufnahme von Mutter und Kind in psychiatrischen Kliniken. Dies sei in Deutschland nur selten möglich.

Quelle: Netdoktor.de vom 30.09.2002

Depressionen: Verstärkt im Herbst

Jena (dpa) - In der kalten und dunklen Jahreszeit nimmt nach Einschätzung des Jenaer Psychologen Wolfgang Miltner die Zahl der Menschen zu, die an Depressionen leiden. Als mögliche Ursache gelte die verminderte Lichtintensität, sagte der Professor für biologische und klinische Psychologie an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena. Die Verarbeitung von Licht im Gehirn fördere die Ausschüttung der Hormone Serotonin und Noradrenalin, die Stimmungen positiv beeinflussten. Geholfen werden könne den Patienten unter anderem mit einer Lichttherapie. So genannte saisonale Depressionen würden mit sehr intensivem weißen Licht behandelt, damit der Hormonspiegel wieder ansteige. In schweren Fällen sei aber die Behandlung mit Medikamenten oder eine Verhaltenstherapie nötig, betonte Miltner. Ein Mangel an Tageslicht und Sonnenschein sei aber nur eine mögliche Ursache für Depressionen. "Entscheidend sind auch die Einschränkungen im Leben, die einem vom schlechten Wetter aufgebürdet werden", sagte Miltner. Lange Abende allein zu Hause, weniger Sport und kaum noch Bewegung im Freien schlügen vielen Menschen aufs Gemüt. Komme noch eine genetische Veranlagung für Depressionen hinzu, sei eine Erkrankung vorprogrammiert. Ein depressiver Mensch fühle sich extrem traurig und niedergeschlagen, sagte Miltner. "Gefühle der Wertlosigkeit und teilweise auch der Schuld kommen noch dazu". Die Betroffenen kapselten sich ab und litten an Schlafstörungen und Appetitlosigkeit. Eine gut gemeinte Aufmunterung von Angehörigen und Freunden könne das Gegenteil bewirken. Der Depressive falle schnell in eine "Sei- spontan-Falle", erklärte der Psychologe. Aufforderungen wie "Mach doch mal was Spontanes" oder "Jetzt lach doch mal" würde der Betroffene zwar gerne folgen, er finde aber keinen Weg aus seiner Antriebslosigkeit. "Daraus erwächst dann wieder ein Gefühl des Versagens und ein Teufelskreis schließt sich", sagte der Psychologe. Studien seien zu dem Ergebnis gekommen, dass zwischen 5 und 17 Prozent der Bevölkerung mindestens einmal in ihrem Leben an einer Depression litten. Bei Frauen liege die Wahrscheinlichkeit zwei bis drei Mal höher als bei Männern. Einen Arzt suchten nur die wenigsten auf. "Oft suchen die Betroffenen viel zu spät Hilfe - nur ein verschwindend geringer Teil von Depressiven ist wirklich in Behandlung", sagte Miltner.

Quelle: Netdoktor.de vom 20.10.2002


Im Herbst nur "schlecht drauf" oder steckt eine Depression dahinter?

München. Trübes Wetter, frühe Dämmerung - viele Menschen reagieren mit gedrückter Stimmung auf den Herbstanfang. Ein Grund für den so genannten "Herbst-Blues" ist der Lichtmangel: Während die Sonne in München im Juni durchschnittlich knapp 7 Stunden am Tag scheint, sind es im Monat November nur noch etwa 2 Sonnenscheinstunden pro Tag. "Licht wirkt auf die Produktion des körpereigenen Hormons Melatonin, das u.a. den Schlaf- und Wachrhythmus des Körpers beeinflusst", erklärt Prof. Dr. Ulrich Hegerl von der Psychiatrischen Klinik der Universität München. Der Herbst-Blues kann bei den Betroffenen Symptome wie z.B. Müdigkeit, Erschöpfung, Heißhunger auf Süßes oder eine Gewichtszunahme hervorrufen. Bei länger andauernden depressiven Beschwerden zum Arzt "Eine vorübergehende gedrückte Stimmung in der dunklen Jahreszeit ist kein Grund zur Besorgnis", sagt Prof. Dr. Ulrich Hegerl. Der Psychiater empfiehlt in diesem Fall Bewegung wie z.B. Spaziergänge an der frischen Luft. Eine Depression, eine schwere medizinische Erkrankung, unterscheidet sich aber deutlich von einer melancholischen Herbststimmung. "Wenn depressive Beschwerden wie Schlafstörungen, tiefgehende Freud- oder Hoffnungslosigkeit mehr als zwei Wochen anhalten und den Alltag stark beeinträchtigen, sollten die Betroffenen zum Arzt gehen", so Hegerl, "möglicherweise liegt eine Depression vor, die von einem Arzt oder Psychotherapeuten behandelt werden sollte." Etwa vier Millionen Menschen in Deutschland leiden unter der Krankheit Depression, die im Herbst tendenziell etwas häufiger als in den anderen Jahreszeiten auftritt. Lichttherapie und Antidepressiva gegen die saisonal abhängige Depression Einige Betroffene erkranken an einer speziellen Variante der Depression, der saisonal abhängigen Depression (SAD), die in den Herbstmonaten beginnt und im Frühjahr endet. Eine Studie der Universität Wien zeigte, dass es diesen Patienten gerade in den Monaten November und Dezember besonders schlecht geht. Auch wenn die saisonal abhängige Depression in nördlichen Breiten häufiger auftritt, beeinflussen nicht nur die Lichtdauer, sondern auch das Klima, genetische und sozio-kulturelle Faktoren die Verbreitung der Erkrankung. Eine Lichttherapie mit 10.000 Lux starken Lichtgeräten bringt bei vielen Patienten mit SAD eine Verbesserung. Antidepressiva, spezielle Medikamente, die auch bei anderen Depressionsformen verschrieben werden, sind gerade für schwerere depressive Erkrankungen geeignet. "Viele Menschen haben Angst vor Medikamenten und fürchten, abhängig zu werden. Diese Sorge ist aber unbegründet", erklärt Prof. Dr. Hegerl, der Sprecher des bundesweiten Forschungsprojektes Kompetenznetz Depression ist. "Antidepressiva - das sind Medikamente, die speziell gegen die Depression wirken - machen im Gegensatz zu Schlaf- und Beruhigungsmitteln nicht abhängig." Das Kompetenznetz Depression ist ein bundesweites Forschungsprojekt zu Depression und Suizidalität, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert wird. http://www.kompetenznetz-depression.de

Quelle: Lichtblick-newsletter.de vom 17.10.2002


Oft verkannt: 4 Millionen leiden unter Depression

Göttingen (dpa)- Depressionen werden nach Meinung von Psychotherapeuten als Krankheit in Deutschland immer noch zu wenig erkannt und behandelt. "Rund vier Millionen Menschen in Deutschland leiden an Depressionen", sagte Henning Schauenburg, Oberarzt der Abteilung Psychosomatik und Psychotherapie der Göttinger Universität. Von diesen würden weniger als die Hälfte ärztlich betreut. "Von den stationär behandelten Depressiven begehen 15 Prozent Selbstmord", sagte Schauenburg. Auffällig sei, dass überwiegend Frauen zu Depressionen neigten. Als eine Erklärung dafür nennen die Forscher die hormonelle Umstellung während der Pubertät. 90 Prozent der Depressiven unter 14 Jahren seien männlich. Erst bei den über 14- Jährigen gäbe es dann einen Anteil von zwei Drittel Frauen. Ein vom Bund mitfinanziertes Forschungsprojekt in Nürnberg arbeitet nach Informationen der Deutschen Gesellschaft für Psychotherapeutische Medizin seit dem Jahr 2000 an Möglichkeiten, Depressionen eher zu erkennen und zu verhindern. Das Programm setze zum Beispiel Werbeplakate, Kinospot und ärztliche Fragebögen ein. Als vorläufiges Ergebnis werde ein Rückgang der Suizidversuchsrate um 18 Prozent verzeichnet. Endgültige Ergebnisse würden 2003 präsentiert. "Psychotherapie der Depression" ist das Thema des in Göttingen tagenden zehnten Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Psychotherapeutische Medizin. Bei dem Kongress wurde bekannt gegeben, dass der Göttinger Neurobiologe Eberhard Fuchs für seine Forschungen unter anderem auf dem Gebiet der Depression den Wissenschaftspreis des Stifterverbandes erhält. Die mit 50 000 Euro dotierte Auszeichnung wird ihm am 28. November in Berlin überreicht.

Quelle: Netdoktor.de vom 26.10.2002


Kompetenznetz "Depression, Suizidalität"

(naps). Die Presse- und Aufklärungsseiten des Kompetenznetzes "Depression, Suizidalität" wenden sich an Medienvertreter, Patienten, Angehörige, Ärzte, Therapeuten, Lehrer und andere Multiplikatoren. Die Themenlisten zu Depression und Suizidalität werden regelmäßig aktualisiert. Die Schulmaterialien "(Nicht) ganz normal?! Psychische Erkrankungen verstehen" sollen Lehrerinnen und Lehrer im Umgang mit dem Thema "Psychische Erkrankungen" unterstützen. Auch steht eine Pressemappe zum Download bereit. Eine Suchfunktion erleichtert die Recherche.

http://www.kompetenznetz-depression.de

Quelle: Lichtblick-newsletter.de vom 18.11.2002



Gegen Winterdepression: Licht machen und Sport treiben

Freiburg (dpa) - Hell beleuchtete Räume und sportliche Betätigung im Freien sind nach der Einschätzung von Experten ein gutes Mittel gegen Winterdepressionen. Mit Einbruch der kalten Monate würden etwa fünf Prozent der Bevölkerung von den saisonalen Stimmungseintrübungen erfasst, sagte Joachim Bauer, Professor an der Abteilung Psychosomatische Medizin am Uniklinikum Freiburg. Am häufigsten seien Frauen und junge Leute betroffen. Symptome seien ungewöhnliche Müdigkeit mit erhöhtem Schlafbedürfnis, eine deutliche Verschlechterung der Stimmung, Antriebslosigkeit und gesteigerter Hunger. "Bei der saisonalen Depression handelt es sich keinesfalls um das Produkt einer Einbildung, sondern um eine medizinisch anerkannte Gesundheitsstörung", sagte Bauer. Ursache ist nach den Worten des Psychotherapeuten die in den Wintermonaten massiv zurückgehende Lichteinstrahlung. Dadurch würde im Körper vermehrt der Botenstoff Melatonin gebildet, was bei einem Teil der Bevölkerung depressive Verstimmungen begünstige. Im Gegensatz zur saisonalen Winterdepression ist die "normale" depressive Erkrankung durch Schlafstörungen und einen massiven Appetitverlust gekennzeichnet. Als Vorbeugung und zur Behandlung der Winterdepression empfiehlt der Arzt, in Innenräumen für helles Licht zu sorgen. In akuten Fällen helfe auch morgendliche Bestrahlung mit einer therapeutischen, intensiven Lichtquelle. In vielen Fällen reicht es nach dem Rat des Experten jedoch aus, vor Einbruch der Dämmerung einmal täglich kurz außer Haus Sport zu treiben, um etwas Licht zu "tanken".

Quelle: Netdoktor.de vom 25.11.2002


Depressionen: Zahlen klettern in Deutschland

Berlin (dpa) - Depressionen nehmen nach Angaben von Psychiatern in Deutschland zu. Inzwischen befänden sich zu jeder Zeit rund sechs Prozent der Erwachsenen in einer depressiven Phase, sagte Jürgen Fritze von der Universität Frankfurt am Main am Mittwoch in Berlin auf dem Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN). Hausärzte würden aber zu selten die Zeichen einer Depression erkennen. Meist verschwinde die Melancholie hinter einer Fülle körperlicher Krankheiten wie Schlaflosigkeit, Schmerzen und Druck auf der Brust. 60 Prozent der jährlich mehr als 11 000 Selbstmorde in Deutschland würden auf der Hoffnungslosigkeit einer Depression beruhen. Fritze gab allerdings zu bedenken, dass bei psychiatrischen Erkrankungen nur schwer zwischen einer echten Erhöhung des Vorkommens und einer lediglich öfter gestellten Diagnose unterschieden werden könne. Das «postraumatische Belastungssyndrom» oder die «Sozialphobie» würden seines Erachtens eher in die zweite Kategorie gehören. Unübersichtlich sei die Lage beim «Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom» (ADHS, Zappelphilippsyndrom), das vor allem bei Kindern beobachtet wird. Mit dem Älterwerden solcher hyperaktiven Kinder werde das Syndrom nun öfter auch bei Erwachsenen diagnostiziert. Auf dem von 1600 Ärzten und Psychologen besuchten Kongress wurde erneut vor Haschisch- und Ecstasykonsum gewarnt. «Haschisch verstärkt die Neigung zur Schizophrenie», sagte DGPPN-Vizepräsident Mathias Berger (Universität Freiburg). Versuche mit Affen an der Johns- Hopkins-Universität in Baltimore (USA) hätten gezeigt, dass Ecstasy das Gedächtnis und die richtige Einschätzung von Situationen beeinträchtige.

Quelle: Netdoktor.de vom 28.11.2002


Bündnis gegen Depression: Zahl der Selbstmorde sinkt

Nürnberg (dpa) - Im ersten Jahr des bundesweit einmaligen Pilotprojekts «Bündnis gegen Depression» in Nürnberg ist die Selbstmordrate um ein Viertel gesunken. Die Zahl der Suizide sei im Jahr 2001 von 100 im Vorjahr auf 75 zurückgegangen, berichtete der Münchner Psychiatrie-Professor Ulrich Hegerl, der das Projekt mitinitiiert hatte. Die Zahl der Menschen, die einen Selbstmordversuch unternahmen, sank in der Frankenmetropole um 20 auf 375. Hauptgrund für den Erfolg des Nürnberger «Bündnisses gegen Depression» sei die Einbeziehung nicht nur der Hausärzte, sondern aller Ebenen von Kirchen, Kliniken, Selbsthilfegruppen bis zu Polizei und Feuerwehr. Außerdem sei in öffentlichen Kampagnen mit Plakaten, öffentlichen Vorträgen und Kinospots auf das Problemfeld Depression als Krankheit aufmerksam gemacht worden, sagte Hegerl. In Kempten, Erlangen und Regensburg, aber auch in Harburg bei Hamburg, Lübeck und Mainz liefen bereits Vorbereitungen zur Übernahme des Modells, berichtete Hegerl. Mittlerweile gebe es auch Anfragen aus der Schweiz, Frankreich und Italien. Auch aus Island sei bereits eine Delegation angereist, um sich vor Ort mit dem Projekt ertraut zu machen. In Deutschland sterben nach Angaben des Bündnisses jährlich mehr als 11 000 Menschen durch Suizid, das seien fast doppelt soviele wie bei Verkehrsunfällen.

Quelle: Netdoktor.de vom 27.01.2003


Depression: Magnetfeldbehandlung gegen Schwermut

Schwerte (dpa) - Die Therapie mit Magnetfeldern könnte in den nächsten Jahren zum Standard bei der Behandlung depressiver Menschen werden. «Das Verfahren ist vergleichsweise wenig aufwendig und verspricht positive Effekte», sagte Oberarzt Patrick Debbelt von der Westfälischen Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Hemer. Dabei werden in mehreren Sitzungen jeweils mehrere Sekunden lang Magnetfelder mittels Induktionsspulen auf bestimmte Hirngegenden gerichtet. Auf einer Fachtagung am Mittwoch in Schwerte tauschten sich Fachärzte aus ganz Deutschland über diese neue Therapiemethode aus. «Warum die Stimulation durch Magnetfelder Depressiven hilft, ist bislang noch nicht erforscht», sagte Debbelt. Dass die Magnetfelder zu einer Stimmungsverbesserung führen, hätten Neurologen eher zufällig entdeckt. In der Neurologie werde das Verfahren seit Jahren angewendet, um Nervenschäden im Gehirn zu diagnostizieren. Nach dieser Behandlung hätten viele Patienten als Nebeneffekt von Stimmungsverbesserungen berichtet. «Die Magnetstimulation hat fast keine relevanten Nebenwirkungen, ab und zu tritt Kopfschmerz auf», so Debbelt. In den USA werde die «repetetive, transcranielle Magnetstimulation», wie es im Fachjargon heißt, bereits ambulant angewendet. Auch bei Tinnitus hätten bereits Erfolge mit der Magnetstimulation erzielt werden können. In Deutschland zahlen die Krankenkassen das Verfahren bislang nicht, da noch keine Langzeitstudien vorlägen. «Die Magnetstimulation braucht weder einen großen personellen noch apparativen Aufwand, daher könnte sie durchaus in den kommenden Jahren in Nervenarztpraxen eingesetzt werden», so Debbelt. Nur bei wahnhaften und sehr schweren Depressionen wirke die Magnetstimulation erfahrungsgemäß weniger gut.

Quelle: Netdoktor.de vom 20.02..2003


Schilddrüsenprobleme können Depressionen verursachen

dpa (11.02.2003) - Etwa jeder Dritte Deutsche hat nach Expertenangaben eine krankhaft veränderte Schilddrüse. Diese wird von Betroffenen und Ärzten jedoch oft nicht erkannt oder unterschätzt. So werde etwa eine Depression häufig psychologisch behandelt, selbst wenn sie Folge einer Schilddrüsen-Erkrankung sei, berichtete Barbara Schulte, Vorsitzende der Schilddrüsen-Liga Deutschland (SLD), am Dienstag in Bonn. Auch in vielen weiteren Fällen schreibe ein Arzt die Symptome anderen Ursachen zu. Die Gefahr einer Schilddrüsenerkrankung werde nach wie vor unterschätzt.

Rund 20 bis 30 Millionen Deutsche litten an einer solchen Krankheit, sagte Schulte auf der Wissenschaftspressekonferenz (WPK). Folgen seien meistens eine geringe Belastbarkeit, Probleme am Arbeitsplatz und in den Familien.

Die Krankheitsformen seien vielfältig, berichtete Prof. Hans-Friedrich Kienzle (Köln). Die bekannteste Erkrankung sei die durch Jodmangel vergrößerte Schilddrüse. Da Deutschland ein Jodmangelgebiet sei, käme es häufig schon bei Kindern zur Kropfbildung. Neben einer solchen Überfunktion der Schilddrüse seien auch Unterfunktionen, Entzündungen und Knotenbildung verbreitet.

Werde eine Schilddrüsenerkrankung durch den Hausarzt diagnostiziert, sei die Hilfe eines Spezialisten unerlässlich, betonte Prof. Werner Scherbaum (Universität Düsseldorf). Auf Grund der Fülle der Krankheitsformen müsse eine genaue Diagnose gestellt werden. Gegen die häufigsten Schilddrüsen-Erkrankungen gebe es Medikamente. Die Knotenbildung werde allzu oft bagatellisiert, obwohl es sich bei einer geringen Zahl der Fälle um Schilddrüsenkrebs handeln könne. Außerdem könne die Schilddrüse auch von so genannten Autoimmunkrankheiten geschädigt werden, die einer speziellen Therapie bedürften.

Quelle: Netdoktor.de


Langzeitbehandlung mit Antidepressiva verringert Rückfallrisiko

London (ddp). Eine längerfristige Behandlung mit Antidepressiva kann dazu beitragen, dass ehemals depressive Patienten nicht erneut in die Depression zurückfallen. Wenn sie die Medikamente ein bis zwei Jahre nehmen anstatt - wie in Standardtherapien - nur vier bis sechs Monate, kann das Rückfallrisiko beträchtlich verringert werden. Das berichten britische Wissenschaftler im Fachblatt «Lancet» (Bd. 361, S. 653).

Standardtherapien mit Antidepressiva vermindern die depressiven Symptome zwar meist zuverlässig, nach dem Absetzen der Medikation kommt es jedoch häufig zu Rückfällen. Die Forscher von der psychiatrischen Abteilung der Universität Oxford (Großbritannien) interessierten sich daher dafür, wie lange Antidepressiva tatsächlich eingenommen werden sollten, um Rückfälle wirksam zu verhindern.

John Geddes und seine Kollegen fassten die Daten aus 31 Studien zusammen und konnten so die Behandlungsverläufe von etwa 4400 Patienten untersuchen. Alle Depressiven waren in der akuten Krankheitsphase mit Antidepressiva behandelt worden. Im Anschluss nahm ein Teil der Patienten weiterhin die gleichen Medikamente, der andere Teil erhielt ein wirkungsloses Placebo. Genesene Patienten, die ein bis zwei Jahre lang weiter Antidepressiva einnahmen, hatten eine nur halb so große Rückfallwahrscheinlichkeit wie ehemals Depressive, die früher mit der Behandlung aufhörten.

Quelle: Lichtblick-newsletter.de vom 03.03.2003


Depressionen: Partnerschaftskrise erhöht das Risiko

München (dpa) - Wer in einer unglücklichen Beziehung lebt, hat ein 25-fach erhöhtes Risiko, depressiv zu werden. Damit seien Partnerschaftsprobleme ein wesentlicher Risikofaktor für die Entwicklung einer Depression, berichtet die in München erscheinende Fachzeitung «Ärztliche Praxis» unter Berufung auf Ergebnisse der Klinik und Poliklinik für Psychosomatik und Psychotherapie der Universität Göttingen. Der Zusammenhang zwischen einer unbefriedigenden Beziehung und dem Abrutschen in eine Depression zeigt sich demzufolge bei Frauen deutlicher als bei Männern. Dies könne daran liegen, dass Frauen in Beziehungen häufiger der abhängigere Partner sind. Der Grund könne aber auch sein, dass sie einfach häufiger zum Arzt gehen und depressive Symptome bei ihnen dadurch eher entdeckt werden. Wenn einer der Partner unter einer Depression leidet, kann sich dies in der Beziehung auf unterschiedliche Art äußern: Manche haben kaum noch eigene Interessen, sind abhängig von der Zuwendung des anderen und ziehen sich in ihre Depression zurück. Andere wiederum haben zu hohe Leistungsansprüche und leiden unter jedem Anflug von Kritik. Sie legen ein eher aggressives Verhalten an den Tag. Auf jeden Fall dürfe bei der Therapie einer Depression die Beziehung nicht ausgeklammert werden. Dies geschehe allerdings immer noch oft, kritisieren die Wissenschaftler.

Quelle: Netdoktor.de vom 22.04.2003


Depression: Deutschlandweite Kampagne geplant

Nürnberg (dpa) - Mit einem bundesweiten Aktions-Programm will Familienministerin Renate Schmidt (SPD) künftig die Volkskrankheit Depression effektiver bekämpfen. Im Rahmen der Kampagne sollen neben Hausärzten und Kliniken auch Kirchen, Selbsthilfegruppen, Polizei und Feuerwehr stärker für die Krankheit sensibilisiert werden, teilten Fachleute des «Kompetenznetzes Depression» an der Universität München am Dienstag in Nürnberg mit. Einzelheiten dazu sollen Anfang Mai in Nürnberg bekannt gegeben werden. In Nürnberg war das Aktionsprogramm erprobt worden. Bereits im ersten Jahr des bislang bundesweit einmaligen Pilotprojekts «Bündnis gegen Depression» war in Nürnberg die Selbstmordrate um ein Viertel gesunken. Fachleute führen dies auch auf eine intensive Öffentlichkeitskampagne zurück. In Deutschland sterben nach Angaben des Bündnisses jährlich mehr als 11 000 Menschen durch Suizid, das seien fast doppelt so viele wie bei Verkehrsunfällen.

Quelle: Netdoktor.de vom 23.04.2003


Depressive Arbeitnehmer: Psychiater-Besuch ist nicht Pflicht

Frankfurt/Main (dpa) - Depressive Arbeitnehmer können von ihrer Firma nicht zum Besuch eines Psychiaters gezwungen werden. Das geht aus einem am Mittwoch bekannt gewordenen Urteil des Arbeitsgerichts Frankfurt hervor. Die Richter gaben der Klage eines Technikers gegen die Deutsche Post statt und erklärten dessen Kündigung für gegenstandslos (Az.: 4 Ca 7442/02). Der Arbeitnehmer hatte seinen Vorgesetzten von Selbstmordabsichten und Verfolgungswahn erzählt. Daraufhin setzte das Unternehmen von sich aus einen Behandlungstermin bei einem Psychiater fest. Dem blieb der Mitarbeiter aber trotz Aufforderung fern. Als auch drei weitere Aufforderungen erfolglos blieben, wurde der Mann zunächst abgemahnt und dann gekündigt. Das Unternehmen begründete dies mit seiner Fürsorgepflicht. Laut Urteil geht die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers aber nicht soweit, dass ein Mitarbeiter zu einer psychiatrischen Untersuchung verpflichtet werden dürfe. Der Gerichtsvorsitzende wies darauf hin, dass die psychische Erkrankung des Technikers weder überhöhte Fehlzeiten zur Folge, noch sonstige betriebliche Auswirkungen gehabt habe.

Quelle: Netdoktor.de vom 01.05.2003


Auch Männer können depressiv sein

Von ddp-Korrespondentin Katrin Neubauer

Münster (ddp). Depressionen sind - nach der gängigen Auffassung - eine typische Frauenkrankheit. Dass bei Männern hinter übermäßigem Alkoholgenuss, Aggression und Reizbarkeit eine depressive Verstimmung stecken kann, ist für viele Ärzte ein eher abwegiger Gedanke. "Zwar sind Frauen etwa doppelt so häufig von dieser Krankheit betroffen wie Männer", sagt Klaus Wahle, Allgemeinmediziner und Lehrbeauftragter an der Westfälischen Wilhelm-Universität Münster. Das heißt aber, dass immerhin auch ein Drittel der Depressionen auf Männer entfällt.

Oftmals wird die Erkrankung bei Männern allerdings nicht als solche erkannt. Denn die Symptome sind zum Teil anders als bei Frauen. Während diese sich erschöpft, traurig und ängstlich fühlen, werden Männer oft zusätzlich aggressiv, nervös, greifen häufiger zur Flasche oder zur Zigarette. "Frauen suchen Hilfe beim Arzt. Männer ziehen sich in sich zurück, igeln sich förmlich ein", erläutert der Arzt.

Besonders häufig treten Depressionen bei Männern zwischen 45 und 50 Jahren auf. Die Ursachen sind vielfältig. Oft spielt eine Rolle, dass sie nicht mehr wie gewünscht funktionieren. "Die nachlassenden körperlichen und geistigen Fähigkeiten können mit der Belastung im Job nicht mehr in Einklang gebracht werden", betont der Mediziner.

Depressive Männer brauchen - wie Frauen auch - ärztliche Behandlung. Viele scheuen jedoch davor zurück, sagt Wahle. Wichtig sei, dass der Partner ihn ermutigt, notfalls auch drängt, zum Arzt zu gehen. Denn Auslöser für depressive Verstimmungen ist eine Störung des "Nervenstoffwechsels", die mit Medikamenten behandelt werden kann. Die Therapie gehört aber in die Hände eines Arztes. Selbstbehandlung richtet oft mehr Schaden an, als dass sie nützt.

Der Lebensgefährte kann in dieser Phase unterstützen, indem er vor allem Geduld und Verständnis aufbringt. «Sie sollten in der Verhaltensänderung ihres Partners keine Aggression gegen sich sehen», betont der Experte. Wichtig ist es, das richtige Maß an Toleranz, aber auch an Forderungen für den Kranken zu finden. Die Fähigkeit des Zuhörens ist in solch einer Phase besonders gefragt.

Auch kleine Erlebnisse abseits alltäglicher Routine können für etwas Aufmunterung sorgen. "Denn ein Depressiver sieht keine Sonne mehr, nur Schatten", sagt Wahle. "Ein Stück Sonne verschafft" man ihm, indem man ihn beispielsweise zu einem gemeinsamen Spaziergang animiert, einen kleinen Ausflug macht oder auch gemeinsam kocht. Vorsicht aber vor zu viel
Aktionismus: Größere Reisen oder Feste können den Kranken überfordern und das Gefühl der Unfähigkeit seine depressive Verstimmung noch verstärken, warnt der Arzt.

Meist handele es sich bei der Erkrankung um eine "depressive Episode", die bei ausreichend langer Behandlung mit Medikamenten nach etwa neun Monaten vorüber sei, sagt Wahle. Voraussetzung ist jedoch eine adäquate Therapie. Andernfalls kann sich die Krankheit bis hin zu einer chronischen Depression entwickeln.

Quelle: Lichtblick-newsletter.devom 05.05.2003


Trotz Sonnenschein: Frühjahr macht anfälliger für Depressionen

Berlin (dpa) - Das schöne Wetter macht nicht nur fröhlich: Im Frühjahr steigt auch die Zahl akuter Depressionen regelmäßig an, wie der Deutsche Psychotherapeutenverband mitteilte. Depressiv veranlagte Menschen empfänden im heiteren Frühling den Kontrast zur inneren Trostlosigkeit besonders schmerzlich. Doch häufig werde die Krankheit verleugnet, verdrängt oder von Ärzten nicht erkannt, erklärte der Verband am Mittwoch in Berlin. Rund drei Millionen Menschen in Deutschland leben nach Angaben des Verbandes mit Depressionen, allein in Berlin benötigten rund zwei Prozent der Bevölkerung psychotherapeutische Hilfe. Frauen sind nach Ansicht der Psychotherapeuten doppelt so anfällig für seelischen Störungen wie Männer. "Depressionen sind eine nach innen gewandte Form der Aggression", sagte die Berliner Diplom-Psychologin Ulrike Michels-Vermeulen. "Männer reagieren sich eher nach außen hin ab". Symptome für Depressionen können anhaltende Schlafstörungen, Appetitverlust oder ein Engegefühl in der Herzgegend sein, häufig kombiniert mit langen Phasen von Angst, Niedergeschlagenheit, Verzweiflung, Leere, Interessenverlust - bis hin zu Antriebsschwäche, Entschlussunfähigkeit und Selbstmordgedanken. Typisch für die Krankheit ist ein schwindendes Selbstwertgefühl. Ein Alarmsignal kann der Rückzug aus dem Freundes- und Familienkreis sein. "Das Problem ist, dass all diese Symptome sehr schnell mit Pillen bekämpft werden, und nicht mit einer psychotherapeutischen Behandlung", sagte der Berliner Diplom-Psychologe Andreas Wünscher. Ärzte beachteten oft nur die Schmerzsymptome, nicht aber die innere Verfassung ihrer Patienten. Nach Ansicht des Psychotherapeutenverbandes könnte das deutsche Gesundheitssystem um 1,2 Milliarden Euro pro Jahr entlastet werden, wenn depressiv veranlagten Menschen rechtzeitig geholfen würde. Eine psychotherapeutische Behandlung kostet nach Verbandsangaben rund 2000 bis 3000 Euro. Bei einem ärztlichen Befund übernehmen die Krankenkassen in der Regel die Kosten.

Quelle: Netdoktor.de vom 09.05.2003


Zusammenhang zwischen Depression und Folsäure-Mangel

Chicago (ddp). Depressionen könnten zum Teil mit einem Mangel oder einer gestörten Verwertung von Folsäure zusammenhängen. Hinweise dafür haben norwegische Wissenschaftler gefunden, als sie bei knapp 6000 Personen die Blutkonzentration der Aminosäure Homocystein bestimmten. Deren Abbau wird durch Folsäure gefördert, weshalb viel Homocystein im Blut auf einen Mangel an Folsäure hindeutet. Darüber berichten die Forscher in der Fachzeitschrift "Archives of General Psychiatry" (Bd. 60, S. 618).
Tatsächlich waren die Studienteilnehmer, die hohe Konzentrationen an Homocystein im Blut hatten, zweimal so häufig depressiv wie die Personen mit den geringsten Mengen dieser Aminosäure. Einen weiteren Hinweis auf den Zusammenhang zwischen Folsäure - einem Mitglied der B-Vitamin-Familie - und Depressionen fanden die Forscher um Ingvar Bjelland von der Universität in Bergen in einer DNA-Analyse: Bei den Personen, die stark zu Depressionen neigten, war ein bestimmtes Gen verändert, das normalerweise im Folsäure-Stoffwechsel eine wichtige Rolle spielt.
Gestützt werden die neuen Erkenntnisse durch frühere Experimente, nach denen Folsäure die Wirkung von Antidepressiva eindeutig verstärken kann. Auf welche Weise das B-Vitamin die Entstehung von Depressionen verhindern könnte, ist den Wissenschaftlern allerdings noch unklar. Sie vermuten jedoch, dass Folsäure an der Bildung bestimmter Substanzen im Gehirn beteiligt sein könnte. Fehlen diese, entstehen Depressionen und andere mentale Störungen. Für Bjelland bestätigt sich damit, dass Vitamine nicht nur für die körperliche, sondern auch für die geistige Gesundheit unentbehrlich sind.

Quelle: Lichtblick-newsletter.de vom 14.07.2003


Keine Reisekostenerstattung bei chronischer Depression

München (ddp). Wer wegen einer chronischen Depression seinen gebuchten Urlaub absagt, bekommt seine Stornokosten von der Reiserücktrittsversicherung nicht ersetzt. Das Münchner Amtsgericht wies die Klage einer Frau auf Rückerstattung der Stornokosten zurück. Wie das Gericht am Montag mitteilte, hatte die Frau im vergangenen August eine gebuchte Südafrika-Reise wegen eines Depressionsschubs nicht antreten können. Die entstandenen Stornokosten in Höhe von 1310 Euro verlangte sie wegen einer "unerwartet schweren Erkrankung" von der Reiserücktrittsversicherung zurück.

Die Versicherung verweigerte jedoch die Zahlung, da es sich bei der Krankheit zwar um eine schwere, jedoch nicht um eine unerwartete Krankheit gehandelt habe. Das Amtsgericht gab der Versicherung Recht: Es liege dann keine unerwartete Erkrankung vor, wenn bei einer chronischen Erkrankung mit schwankendem Verlauf ein erneuter akuter Schub auftrete. Das Risiko der Reiseabsage aus Anlass einer akuten Krankheitsphase sei daher nicht versicherbar.

Bereits bei Abschluss der Reiserücktrittsversicherung habe die Klägerin damit rechnen müssen, dass sie die Reise wegen eines möglicherweise auftretenden akuten Schubs nicht werde antreten können, argumentierte das Gericht weiter. Das Münchner Landgericht bestätigte das Urteil in zweiter Instanz. (Gz.: 133 C 33118/02: AG München; 6 S 5258/03: LG München I)

Quelle: Lichtblick-newsletter.de vom 14.07.2003


Hirnscans sollen psychische Probleme verraten

Edinburgh (ddp). Zukünftig werden Menschen mit Verdacht auf Depressionen, Schizophrenie oder Altersvergesslichkeit möglicherweise nicht mehr zunächst einen Psychiater oder Psychologen aufsuchen, sondern einen Radiologen. Englische Forscher haben bei der Eröffnung eines Zentrums für "E-Wissenschaft" in Edinburgh Pläne für ein Diagnosesystem vorgestellt, das die Aussagekraft von Hirnscans soweit steigern soll, dass damit eine Vielzahl psychischer Krankheiten erkannt werden kann. Das System soll das Ergebnis eines Hirnscans mit dem Tomographen innerhalb von Sekunden mit weltweit gesammelten Daten vergleichen. Es teilt dem Arzt unter anderem mit, wie das Gehirn seines Patienten idealerweise aussehen sollte. Das ermögliche es Radiologen, selbst kleinste krankhafte Veränderungen am Gehirn zu bemerken, berichteten die Forscher.

Quelle: Lichtblick-newsletter.de vom 03.05.2003


Ernährung und Depressionen

Reichlich Fisch und Kohlenhydrate lindern die Beschwerden, heilen können sie jedoch nicht

Von ddp-Korrespondentin Susanne Donner

Maastricht/Göttingen (ddp). Sauer macht lustig, Bananen machen glücklich und Schokolade auch. Der Volksmund hält viele Ratschläge parat, um Trübsal zu vertreiben. Doch die Wissenschaft konnte für keines dieser Lebensmittel belegen, dass sie dauerhaft die Stimmung aufhellen. Zwar finden sich sowohl in Schokolade als auch in Bananen Stoffe, die die Glückshormone auf Trab bringen. Doch ist es unmöglich, so viel davon zu essen, dass dauerhaft ein Effekt auf das Gemüt erzielt wird.

Dagegen mehren sich nun Studien, wonach eine insgesamt sehr eiweißarme und zugleich kohlenhydratreiche Kost mit reichlich Fisch Menschen langfristig fröhlicher und ausgeglichener macht. "Menschen, die sich immer wieder niedergeschlagen fühlen und an Stimmungsschwankungen leiden, geht es mit einer solchen Diät nachweislich besser", erläutert der Psychologe Rob Markus von der Universität Maastricht.

In einer Untersuchung gab Markus 50 psychisch labilen Personen entweder eine kohlenhydratarme, eiweißreiche Ernährung oder eine kohlenhydratreiche, eiweißarme Kost. Dann ließ er beide Gruppen Mathematikaufgaben bei starkem Lärm lösen. Die kohlenhydratreich ernährten Probanden reagierten deutlich gelassener. In ihrem Speichel fanden sich überdies etwa 15 Prozent niedrigere Werte des Stresshormons Cortisol.

Eine ausgewogene Kost mit viel Obst und Gemüse, aber wenig Käse, Fleisch oder Nüssen stabilisiert labile Menschen, lautet das Fazit des Forschers. Auch Volker Pudel, Professor für Ernährungspsychologie der Universität Göttingen, bestätigt diese Befunde. "Nach einer Woche beobachteten auch wir in Studien einen positiven Effekt auf das Gemüt. Die Kohlenhydrate machen den Weg frei für den Stoff Tryptophan", sagt er. Aus Tryptophan wird im Gehirn der Botenstoff Serotonin aufgebaut, der glücklich macht und gebraucht wird, um Stress zu bewältigen. Bei depressiven Menschen mangelt es an Serotonin im Gehirn.

Menschen mit schweren Depressionen können jedoch mit einer kohlenhydratreichen Diät nicht geheilt werden, warnen die Forscher einhellig. "Dazu ist der Einfluss der Kost auf das Gehirn zu schwach. Sie wirkt keinesfalls wie ein Medikament", betont Pudel. Denkbar sei allenfalls, dass eine schwache Besserung eintritt, entgegnet Markus. Das wird derzeit in einer Studie geprüft.

Immerhin ist der Übergang fließend zwischen Menschen mit schweren Depressionen und solchen, die sich nur hin und wieder niedergeschlagen fühlen. Eine schwere Depression liegt dann vor, wenn sich der Betroffene über mehr als zwei Wochen zutiefst traurig, lustlos, müde, schuldig und appetitlos fühlt oder Symptome wie innere Leere und Sehnsucht nach dem Tod empfindet.

Dass die Ernährung schwere Depressionen zumindest lindern kann, belegen Studien des amerikanischen Forschers Joseph Hibbeln. Er untersucht seit Jahren den Einfluss von Fisch auf den Gemütszustand. Je mehr Fisch verzehrt wird, desto seltener werden in einem Land Depressionen beobachtet: So gibt es in Ländern wie Japan oder Taiwan rund 60 Mal weniger Depressive wie in Deutschland oder Kanada. Auch die Selbstmordraten liegen in den asiatischen Ländern entsprechend niedriger.

In mehreren Studien wurde nun Fischöl, insbesondere die Omega-3-Fettsäuren des Fisches, gegen Depressionen und psychische Störungen getestet. So verabreichte die Sheffield University 70 depressiven Patienten hohe Dosen einer Omega-3-Fettsäure. Die Personen hatten auf gängige Anti-Depressiva nicht angesprochen. In mehr als zwei Drittel der Fälle besserte sich der Zustand, und die Abstände zwischen den Phasen schwerer Niedergeschlagenheit dehnten sich aus.

Worauf der Einfluss des Fisches auf das Gemüt beruht, ist jedoch nicht vollständig geklärt. Hibbeln meint: "Das menschliche Gehirn besteht mitunter aus essenziellen Fettsäuren, darunter auch der Omega-3-Fettsäure. Und die Wände der Nervenzellen bestehen daraus." Auch der Glücksbotenstoff Serotonin und die Fettsäure scheinen miteinander verknüpft zu sein. Depressive Menschen mit einem Mangel an Serotonin haben häufig auch einen Mangel an Omega-3-Fettsäure. Umgekehrt konnte an Schweinen nachgewiesen werden, dass der Serotonin-Spiegel ansteigt, wenn sie reichlich Omega-3-Fettsäuren ins Futter bekommen. Derzeit laufen knapp ein Dutzend weitere klinische Studien, die den Einfluss von Fischöl-Komponenten auf Depressionen untersuchen.

Quelle: Lichtblick-newsletter.de vom 04.09.2003


Depressionen: 18 Millionen Fehltage im Job

Berlin (dpa) - Depressive Erkrankungen führen in Deutschland nach Angaben der Techniker Krankenkasse (TK) zu immer mehr Arbeitsausfällen. Die Fehlzeiten auf Grund depressiver Störungen seien seit dem Jahr 2000 jährlich um mehr als fünf Prozent gestiegen, heißt es im TK-Gesundheitsreport, den die Krankenkasse am Montag in Berlin vorstellte. Bundesweit beliefen sich solche Arbeitsausfälle im Jahr 2002 auf etwa 18 Millionen Fehltage. Diese psychischen Leiden führten mit durchschnittlich 51 Tagen je Fall zu «ausgesprochen langen Krankschreibungen», hieß es weiter. Der allgemeine Krankenstand in Deutschland habe sich hingegen nur geringfügig erhöht. In Ostdeutschland sei die Häufigkeit der Arbeitsausfälle wegen depressiver Störungen geringer als im Westen. Die Ausfälle häuften sich hingegen vor allem in Hamburg und Berlin. Dort seien allerdings auch insgesamt relativ hohe Krankenstände zu verzeichnen. Verhältnismäßig selten würden Depressionen in Bayern und Baden- Württemberg diagnostiziert, die auch insgesamt relativ geringe Krankenstände aufwiesen. Die wenigsten Ausfälle wegen Depressionen gibt es der TK zufolge in Sachsen, Sachsen-Anhalt sowie Thüringen. Die höheren Fehlzeiten für Deutschland insgesamt kämen durch gestiegene Fallzahlen bei den depressiven Störungen zu Stande. Dazu zählt die Kasse unter anderem kürzere depressive Reaktionen auf Schicksalsschläge ebenso wie langwierige, schwere Depressionen ohne direkt erkennbaren Auslöser. Häufigkeit und Dauer von Arbeitsfehlzeiten wegen Depressionen variieren den Angaben zufolge nach dem jeweiligen Ausbildungsstand. Bei Menschen mit Universitäts- oder Hochschulabschluss wurden die niedrigsten Fehlzeiten ermittelt, während Erwerbstätige ohne Berufsausbildung oder Abitur die höchsten Fehlzeiten aufwiesen. In Deutschland gibt es rund 38 Millionen Erwerbstätige.

Quelle: Netdoktor.de vom 09.09.2003


Depressive: Zeitgefühl geht verloren

Jena (dpa) - Wer unter Depressionen leidet, verliert nach Erkenntnissen Jenaer Wissenschaftler häufig das reale Zeitgefühl. Bei depressiven Patienten sei nicht nur die Fähigkeit gestört, die Länge einer Zeitspanne richtig einzuschätzen, teilte die Universität Jena am Mittwoch mit. «Auch Pünktlichkeit, Zeiteinteilung und Stressresistenz sind beeinträchtigt», sagte Prof. Brigitte Edeler. Die Psychologin erforscht seit zwei Jahren die Zeitwahrnehmung depressiver Patienten. Depression ist die am häufigsten auftretende psychische Erkrankung. Nach Angaben von Fachgesellschaften leiden rund vier Millionen Deutsche unter Depressionen. Für das von Edeler geleiteten Forschungsprojekt wurden Depressions-Patienten von Fachkliniken in Thüringen, Bayern, Schleswig-Holstein und Sachsen befragt. «Zum Beispiel empfinden Betroffene bei Verabredungen das Warten als unendlich lange, obwohl es sich tatsächlich nur um wenige Minuten handelt», erläuterte Edeler. Dieses «Zeitlupengefühl» könne in jeder beliebigen Situation auftreten und sei für die Betroffenen quälend. Weil an Depressionen erkrankte Menschen unter Antriebslosigkeit leiden, planen sie ihren Alltag zudem weniger häufig und konkret als psychisch gesunde Menschen. «Deshalb fällt es ihnen auch schwerer, ihre Zeit einzuteilen und sich an Termine zu halten», sagte die Psychologin. Gleichzeitig fühlten sich die Patienten häufig unter innerem Zeitdruck und Stress. Dies sei der Fall, wenn ihre Antriebslosigkeit mit den Anforderungen der Umwelt kollidiere. Hinzu komme ein veränderter Zeithorizont. «Wegen ihres Gefühls, ihre aktuellen Probleme nicht lösen zu können, verklären Depressive oft die Vergangenheit und sehnen sich nach ihr zurück», sagte Edeler. Das Projekt der Jenaer Wissenschaftler soll im nächsten Jahr abgeschlossen sein. Nach den Patienten wollen sie auch Ärzte befragen. Weltweit leiden nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO etwa 121 Millionen Menschen an Depressionen. Typisch für die Krankheit sind die scheinbar grundlose traurige Verstimmung der Patienten, anhaltende Hoffnungslosigkeit und Freudlosigkeit sowie körperliche Begleiterscheinungen wie Schlafstörungen. Häufig führt eine Depression zum Selbstmord. Behandelt wird die Krankheit mit Psychotherapie und Medikamenten.

Quelle: Netdoktor.de vom 11.09.2003


Depressionsforscher fordern bessere Versorgung der Betroffenen

Tutzing (ddp-bay). Mit einer besseren psychiatrischen Versorgung könnte nach Ansicht von Depressionsforschern ein Großteil der jährlich etwa 11 000 Suizide in Deutschland verhindert werden. Obwohl mit Antidepressiva und Psychotherapie zwei wirkungsvolle Behandlungsformen zur Verfügung stünden, erhalte nur ein Bruchteil der Betroffenen diese Form der Unterstützung, kritisierte Professor Ulrich Hegerl vom "Kompetenznetz Depression" am Dienstag bei einer internationalen Tagung zur Erforschung der Krankheit in der Evangelischen Akademie im oberbayerischen Tutzing.

Für das Schicksal der psychiatrischen Patienten sei oft entscheidend, inwieweit es gelingt, ein Versorgungskonzept "aus einem Guss" zu realisieren. Dabei sollten neben Ärzten und psychosozialen Institutionen der Patient und dessen Angehörige eingebunden sein, betonte Hegerl. Durch eine Optimierung des Krankheitsmanagements lasse sich eine beträchtliche Verbesserung in der Versorgung erzielen. Ziel der zweitägigen Tagung ist eine "patientengerechte und kosteneffektive" Optimierung der Versorgung depressiver Menschen, wie sie etwa durch das Nürnberger Aktionsprogramm "Bündnis gegen Depression" geleistet werde.

Depression ist eine der häufigsten und schwersten Erkrankungen in den Industrienationen. In Deutschland leiden etwa vier Millionen Menschen unter Depressionen. Etwa 15 Prozent der Patienten empfinden ihren Zustand als so unerträglich, dass sie sich das Leben nehmen. http://www.kompetenznetz-depression.de

Quelle: Lichtblick-newsletter.de vom 08.10.2003


Herbstdepression: Raus an frische Luft

München/Bayreuth (dpa) - Mit dem Herbst beginnt für viele Menschen eine Zeit der Niedergeschlagenheit und Schwermut. Sie quälen sich morgens aus dem Bett, essen Berge von Schokolade und fühlen sich ständig schlaff und ausgelaugt. Doch Schonung wäre bei «Saisonal abhängiger Depression» (SAD) die falsche Strategie: Experten empfehlen eine Lichttherapie oder Bewegung an der frischen Luft, ein spannendes Kultur- oder Sportprogramm und viel Kontakt zu anderen Menschen. «Die SAD oder Winterdepression wird durch Lichtarmut ausgelöst», erklärt Professor Manfred Wolfersdorf. Jede Art Depression drückt sich in Angstzuständen, Grübelei, Antriebslosigkeit und Gefühlen der Wertlosigkeit aus. «Zur negativen Stimmung kommen Libidostörungen, Schlaf- und Appetitstörungen», sagt Professor Ulrich Hegerl, Sprecher des Kompetenznetz Depression der Psychiatrischen Klinik der Universität München. «Im Gegensatz zu Betroffenen klassischer Depressionsformen, die unter Schlaflosigkeit und Appetitlosigkeit leiden, haben Betroffene von SAD ein übermäßiges Schlafbedürfnis und Heißhungerattacken auf Süßigkeiten.» Um der Winterschwermut entgegen zu wirken, ist Selbstdisziplin gefordert. Hans-Jürgen Hartmann, Psychotherapeut in Fulda, rät, die Aktivitäten zu steigern: «Kultur, soziale Kontakte, Sport - all dies hilft gegen Depressionen, da es von der negativen Stimmung ablenkt.» Zudem sei eine Lichttherapie möglich. Dabei wird der Patient ungefähr eine Woche lang täglich für etwa 30 Minuten mit Licht der Stärke 10 000 Lux bestrahlt. Dadurch sollen die Netzhaut des Auges stimuliert und stimmungsaufhellende chemische Botenstoffe ausgeschüttet werden. Einfacher als die Lichttherapie ist es, konsequent nach draußen zu gehen: «Ein Spaziergang versorgt tagsüber genauso gut mit Licht und verschafft zusätzlich Bewegung», so Experte Hegerl. Auch ein Urlaub ist eine Flucht aus der Lichtarmut: Ob Wintersport oder Palmenstrand - beides hilft «die Batterien wieder aufzutanken», so Wolfersdorf.

Quelle: Netdoktor.de vom 13.10.2003


Nebenwirkungen bei Antidepressiva sind eine Frage der Gene

Stanford/USA (ddp). Die Form eines bestimmten Gens entscheidet, ob ein Patient nach der Einnahme von Antidepressiva Nebenwirkungen verspürt oder nicht. Mit dieser Entdeckung sind amerikanische Forscher der so genannten maßgeschneiderten Medizin wieder einen Schritt näher gekommen. Über ihre Ergebnisse berichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift "American Journal of Psychiatry" (Ausg. vom 31. Oktober). Die Einnahme von Antidepressiva ruft bei einigen Patienten schwere Nebenwirkungen wie Magenbeschwerden, Schwindel, Schlaflosigkeit, Unruhe und sexuelle Störungen hervor. Warum diese unangenehmen Begleiterscheinungen nur bestimmte Menschen treffen und andere Patienten keinerlei Unwohlsein verspüren, ist bisher nicht bekannt. Um der Frage auf den Grund zu gehen, untersuchten Greer Murphy und seine Kollegen von der Stanford-Universität in Kalifornien die DNA von knapp 250 Patienten. Dabei konzentrierten sich die Wissenschaftler besonders auf zwei Gruppen von Genen: auf solche, aus deren Informationen die Proteine entstehen, die im Gehirn mit den Wirkstoffen der Medikamente wechselwirken, und solche mit den Informationen für Eiweiße, die für den Abbau der Arzneimittel in der Leber verantwortlich sind. Die Forscher fanden einen eindeutigen Zusammenhang zwischen dem Auftreten von Nebenwirkungen und der Form eines Gens für ein Protein, das die Aufnahme des Gehirnbotenstoffs Serotonin regelt. Patienten mit einer bestimmten Veränderung in diesem Gen brachen fast dreimal so häufig ihre Antidepressiva-Therapie wegen schwerer Nebenwirkungen ab wie Testpersonen ohne die Genveränderung. Dagegen hatten Abweichungen in den Genen der
Leberproteine keinen Effekt auf das Auftreten der unerwünschten Folgen. Studienleiter Murphy vermutet, dass es noch andere Genveränderungen geben könnte, die ebenfalls mit den Nebenwirkungen in Zusammenhang stehen. Er hofft, in naher Zukunft mithilfe eines Gentests individuelle Wirkstoffkombinationen mit möglichst geringen Nebenwirkungen für jeden Patienten entwickeln zu können.

Quelle: Lichtblick-newsletter.de vom 13.10.2003


Frust im Job: Depressionen nehmen zu

Berlin (dpa) - Depressionen nehmen unter Berufstätigen zu, obwohl der Krankenstand insgesamt nach einer Untersuchung der Techniker- Krankenkasse (TK) sinkt. Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der depressiven Erkrankungen erneut um 3,6 Prozent, wie aus einer Analyse der Krankschreibungen und Verordnungen für die rund 2,4 Millionen bei der TK versicherten Erwerbstätigen hervorgeht, die am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde. Rund 1,4 Millionen Fehltage gingen auf das Konto der Depressionen. Hochgerechnet auf die Gesamtbevölkerung ergäbe dies 18 Millionen Fehltage. Man könne vermuten, dass wirtschaftliche Unsicherheit und Angst um den Arbeitsplatz zu mehr Depressionen führten, sagte der Autor der Auswertung, Thomas Grobe. «Der Schluss liegt nahe, ist aber wissenschaftlich schwer nachzuweisen», fügte er hinzu. Der Krankenstand insgesamt ging 2003 noch einmal von 3,29 Prozent auf 3,18 Prozent zurück. Statt zwölf Tage wie im Jahr 2002 war der durchschnittliche Versicherte noch 11,6 Tage krankgeschrieben. Häufigster Grund waren trotz Rückganges immer noch die Krankheiten des Bewegungsapparates. Mehr als zwölf Prozent der Erwerbstätigen nahmen Medikamente gegen Bluthochdruck ein. Umgerechnet auf die Gesamtbevölkerung wären das vier Millionen Menschen. Den Verschreibungen zufolge sei die Zahl der Bluthochdruck- Patienten viel höher als nach den Krankschreibungen in Deutschland zu vermuten wäre, betonte die TK. Während Herz-Kreislauf-Leiden bei den Krankschreibungen nur im Mittelfeld rangierten, nahmen sie bei den Verschreibungen eine Spitzenstellung ein, hieß es. «Die Analyse der Krankenstände allein reicht nicht aus, um realistische Informationen über die Gesundheitssituation der Erwerbspersonen zu erhalten», erläuterte TK-Vorstand Christoph Straub. «Gerade Bluthochdruck ist eine Krankheit, die durch ein Umstellen der Lebensweise, durch Gewichtsabnahme, gesunde Ernährung und ausreichende Bewegung bekämpft werden kann», betonte Straub. Hier könnten Bonusprogramme der Krankenkassen Motivationsanreize bieten.

Quelle: Netdoktor.de vom 25.08.2004


Diabetes und Depression: Gefährliches Duo

Eschborn (ots) - Zuckerkranke sind doppelt so häufig depressiv wie Gesunde. Da die depressiven Phasen bei Diabetikern meist auch mit schlechterer Blutzuckereinstellung einhergehen, gibt es ein erhöhtes Risiko für Folgeschäden im Bereich der kleinen Gefäße, schreibt die "Neue Apotheken Illustrierte/Gesundheit" in ihrer aktuellen Ausgabe vom 1. September. Bislang werden Depressionen bei Diabetikern oft übersehen. Die Betroffenen selbst scheuen sich, den Arzt auf ihre niedergedrückte Stimmung anzusprechen, die Ärzte wiederum kümmern sich oft nur um den Blutzucker. Damit bleibt die Depression unbehandelt, was erhebliche Konsequenzen hat: Depressive Diabetiker haben ein 17-fach höheres Risiko für diabetische Folgeerkrankungen wie etwa eine Netzhaut- oder Nierenschädigung. Ebenso steigt das Risiko für schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Tritt eine Depression auf, so sollte sie konsequent behandelt werden, was durch psychotherapeutische Gespräche wie auch durch Medikamente möglich ist. Bei adäquater Behandlung bessert sich meist auch die Blutzuckereinstellung, und es sinkt das Risiko für Folgeerkrankungen. Die langfristigen Aussichten werden für den Patienten besser, und auch seine Lebensqualität nimmt spürbar zu.


Quelle: Lichtblick-newsletter.de Nr.137 vom 07.09.2004


Depressionen: Krankheit wird häufig nicht erkannt

Hannover (dpa) - Depressionen werden nach Ansicht von Medizinern oft nicht rechtzeitig erkannt und nicht richtig behandelt. Die Patienten gingen selten zum Arzt, und auch für Allgemeinmediziner sei die Diagnose oft schwierig, sagte der Psychiater und Leitende Oberarzt an der Medizinischen Hochschule Hannover, Detlef Dietrich. Er ist in Deutschland Koordinator des «Europäischen Depressionstages», der am 7. Oktober erstmals von der Europäischen Vereinigung gegen Depressionen (European Depression Association) ausgerufen wird. Auf Grund der ganz unterschiedlichen Symptome sei es für Hausärzte nicht leicht, Depressionen rechtzeitig zu erkennen. Die Erkrankung geht - anders als bei einfachen Stimmungstiefs - mit Schlaf- und Konzentrationsstörungen, innerer Unruhe und Angst-Symptomen einher. Es reiche nicht, Patienten einfach Schlafmittel zu verordnen oder sie in den Urlaub zu schicken, meinte der Psychiater Dietrich. In westlichen Industrienationen erkranken nach Schätzungen rund 15 Prozent der Bevölkerung an einer Depression. Frauen sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Männer. Die Europäische Vereinigung gegen Depressionen ist in diesem Jahr gegründet worden.

Quelle: Netdoktor.de vom 10.09.2004


European Depression Day - 7. Oktober 2004

Erster Europäischer Depressionstag soll
Aufmerksamkeit auf die Krankheit lenken

(naps). Die "European Depression Association" (EDA) ruft in diesem Jahr zum ersten Mal am 7. Oktober 2004 den Europäischen Depressionstag aus. Die Koordination in Deutschland übernahm Privatdozent Dr. Detlef Dietrich aus der Abteilung Klinische Psychiatrie und Psychotherapie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH): "Die Welt-Gesundheits-Organisation geht davon aus, dass bis zum Jahr 2020 die Depression die weltweit führende Krankheitsursache neben den Herz-Gefäß-Erkrankungen sein wird. Hinzu kommt, dass ein größerer Teil der Betroffenen als depressiv Erkrankte nicht richtig erkannt und oft auch nicht adäquat versorgt wird." Das Ziel der European Depression Association sei es deshalb, die Aufmerksamkeit für diese Erkrankung bei Patienten, Angehörigen, bei Ärzten, Pflegekräften und öffentlichen Entscheidungsträgern zu erhöhen sowie Informationsdefizite abzubauen.

Typische Symptome einer Depression: eine traurige Verstimmung, Schlafstörungen, Angst und Selbsttötungsgedanken, Denken und innerer Antrieb sind gehemmt. Auch körperliche Symptome können auf eine Depression hinweisen. Bei einigen Patienten wechseln sich depressive Phasen mit manischen ab - dann sind die Betroffenen unangemessen gehobener Stimmung, ihr Antrieb ist gesteigert, sie überschätzen sich und sind enthemmt. Untersuchungen zeigten, dass im Vorfeld von Depressionen gehäuft krisenhafte Ereignisse, wie der Verlust einer geliebten Person oder anhaltende Konflikte, aufgetreten waren. Diese Faktoren scheinen allerdings nicht allein Depressionen auszulösen, sondern führen eher zu einer unspezifischen Stressreaktion - woraus sich schließlich durch weitere Risikofaktoren eine Depression entwickeln kann. [ ... ]
Ausführlich: http://www.lichtblick-newsletter.de/ticker502_04.html


Quelle: Lichtblick-newsletter.de Nr.138 vom 16.09.2004


Nicht jede Verstimmung ist eine Herbst-Winter-Depression

München (ddp). Die Tage werden kürzer und dunkler. Das schlägt vielen Menschen aufs Gemüt. Eine vorübergehende gedrückte Stimmung gehört jedoch zum Leben dazu und ist noch keine Depression im medizinischen Sinne, beruhigt Professor Ulrich Hegerl, Psychiater an der Maximilians-Universität München und Sprecher des Kompetenznetzes Depression.

Laut Hegerl treten depressive Erkrankungen das ganze Jahr über auf. Im Herbst und Winter nehmen sie insgesamt zwar zu, doch nur unwesentlich. Lediglich die Saisonal Abhängige Depression - eine eher seltene Unterform depressiver Erkrankungen - tritt regelmäßig in diesen Jahreszeiten auf.

Die Erkrankung kommt immer zu einem bestimmten Zeitpunkt im Jahr - meist im Herbst. Die Betroffenen sind energielos, haben keinen Antrieb, leiden unter niedergedrückter Stimmung und Schuldgefühlen. Im Unterschied zu allen anderen Formen von Depressionen geht diese Form nicht mit Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust einher, sondern mit Heißhunger auf Süßes. Außerdem haben Betroffene ein vermehrtes Schlafbedürfnis und nicht hartnäckige Schlafstörungen wie andere depressiv Erkrankte.

Für den Laien ist es schwer zu erkennen, ob er an einer Saisonal Abhängigen Depression leidet oder unter einer Verstimmung, räumt Hegerl ein. Der Experte rät: "Wer länger als zwei Wochen mehrere der genannten Symptome bei sich beobachtet und darunter massiv leidet, sollte zur genaueren Abklärung auf alle Fälle einen Arzt aufsuchen." Dies könne der Hausarzt sein, wenn zu ihm ein Vertrauensverhältnis besteht, oder ein Facharzt für Psychiatrie beziehungsweise ein Psychotherapeut. Als erster Check steht im Internet unter www.kompetenznetz-depression.de auch ein Selbsttest zur Verfügung.

Im Gegensatz zur depressiven Erkrankung ist eine depressive Verstimmung nicht behandlungsbedürftig. Der Betroffene selbst kann jedoch einiges tun, um seine Stimmung zu verbessern: Bewegung, am besten regelmäßig an der frischen Luft, und eine ausgewogene Ernährung sind zu empfehlen. Wichtig ist nach Angaben von Hegerl auch, sich nicht zu sehr zurückzuziehen, sondern auch in der dunklen Jahreszeit soziale Kontakte zu pflegen. http://www.kompetenznetz-depression.de

Quelle: Lichtblick-newsletter.de Nr.140 vom 04.10.2004



Depressionen: Wichtige Ursache für Krankheit und Behinderung

Kopenhagen (dpa) - Depressionen sind die drittwichtigste Ursache von Krankheit und Behinderung in der EU, Osteuropa und der ehemaligen Sowjetunion. Das sagte der Regionaldirektor Europa der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Marc Danzon, zum Tag der Psychischen Gesundheit am 10. Oktober. In den 52 europäischen Mitgliedsländern der WHO erhielten nur die Hälfte aller an Depression leidenden Menschen medizinische Behandlung. 20 Prozent aller an Schizophrenie Erkrankten würden nicht ärztlich betreut. Jedes Jahr nähmen sich 147 000 Menschen in dem Gebiet das Leben. Insgesamt leben in diesen Ländern nach WHO-Angaben 870 Millionen Menschen. Das Krebsrisiko unter alten Menschen, die an Depressionen leiden, sei um 88 Prozent höher als bei psychisch Gesunden, berichtet die WHO. Depressive Männer hätten ein um 70 Prozent höheres Risiko für Herzkrankheiten. «Es ist wichtig, dass sich die Länder der gesamten Region auf die Prioritäten einigen und beschließen, welche konkreten Maßnahmen sie ergreifen wollen», betont Danzon. Auch zu diesem Zweck bereitet die WHO gerade eine Konferenz aller europäischen Mitgliedstaaten vor, die im Januar 2005 im finnischen Helsinki stattfinden wird.

Quelle: Netdoktor.de vom 09.10.2004


Psyche: Manische Depressionen oft spät erkannt

Augsburg (dpa) - Manisch-depressive Erkrankungen werden nach Expertenmeinung als «bipolare Störungen» viel zu spät erkannt. «Statistisch wird erst acht Jahre nach Ausbruch der Krankheit die richtige Diagnose gestellt, das ist eine Katastrophe», sagte der Augsburger Oberarzt Andreas Erfurth in einem dpa-Gespräch bei einer Fachtagung am Samstag in Augsburg. In Deutschland seien rund vier Millionen Menschen betroffen. Unter diesen Patienten sei die Selbstmordgefährdung 20 Mal höher als in der Normalbevölkerung. «Immer häufiger stellen wir manisch-depressive Erkrankungen bei Jugendlichen fest», sagte Erfurth. Das führe zu Schulversagen, Gewalttätigkeit und Aggressivität bei jungen Männern sowie zur Flucht in Alkohol und Drogen. Erfurth: «Ein typischer Fall: Eine 16-Jährige wird in der euphorischen Phase schwanger, dann kommt die Abtreibung, die junge Frau fällt in eine schwere Depression, ein Jahr in der Schule ist schnell verloren, dann der Schulabbruch.» Erwachsene Männer seien in den manischen Phasen oft hoch aggressiv und gefährlich. «Da steht die Polizei ganz schnell vor der Tür», sagte Erfurth, der als Oberarzt am Augsburger Klinikum manisch-depressive Patienten betreut. Bei Patienten mit bipolaren Störungen bestehe in der depressiven Phase ein großes Suizidrisiko. Rund 20 Prozent der Betroffenen würden einen Selbstmordversuch unternehmen, etwa 15 Prozent sterben am Suizid. Erfurth: «Die Dunkelziffer ist viel höher.» Die Ursachen für diese schwere Erkrankung seien noch nicht ganz bekannt, eine genetische Veranlagung sei aber mitverantwortlich. «Auch die Hormone spielen eine große Rolle.» Bei richtiger Behandlung könnten die Patienten geheilt werden. Dafür gebe es neue, wirksame Medikamente. In jedem Fall brauchen manisch-depressive Patienten ärztliche Hilfe, sagte Erfurth und wies auch auf Selbsthilfegruppen hin.

Quelle: Netdoktor.de vom 11.10.2004


Rostocker "Bündnis gegen Depression" startet 2005

(naps/rh). An dem bundesweiten Aktionsprogramm "Bündnis gegen Depression", das aus dem Münchner "Kompetenznetz Depression" hervorgegangen ist, wird sich die Hansestadt Rostock als zehnte Region offiziell ab 2005 beteiligen.
Die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Rostock ergriff als regionaler Aktionspartner dazu die Initiative. Damit verfolgt sie zusammen mit Partnern aus Gesellschaft, Medien, Psychiatrie und Selbsthilfe das Ziel, die gesundheitliche Situation depressiver Menschen zu verbessern und das Wissen über die Krankheit in der Bevölkerung zu erweitern. Darauf machte die Direktorin der Klinik, Prof. Dr. med. Sabine Herpertz, auf der zweiten Gemeinsamen Tagung von Psychiatrie und Selbsthilfe am vergangenen Sonnabend in Rostock-Gehlsdorf aufmerksam. Mit großem Interesse haben die über 80 Teilnehmer diese Nachricht aufgenommen, wie auch die Ankündigung, dass im April 2005 ein Bundeskongress des Kompetenznetzes Schizophrenie in der Rostocker Stadthalle stattfinden wird. "Dass dieser Kongress nach Rostock kommt, ist auch ein Verdienst der Selbsthilfe", betonte Professorin Sabine Herpertz.

Nach Ansicht der Vorsitzenden des Angehörigenverbandes, Ulrike Schob, "trägt der Austausch zwischen den psychiatrisch Tätigen, den Kranken und ihren Angehörigen, seit 1994 als 'Trialog' bezeichnet, mit dazu bei, den Genesungsprozess der Betroffenen zu unterstützen und die Familien zu entlasten". Viele Angehörige und Betroffene wünschten sich vor allem Information, Orientierung und Verständnis, auch um eigene Vorurteile und Unsicherheiten abbauen zu können, erklärte Schob. So referierten dann auch die Referenten Kerstin Vahar-Matiar, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie (Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik des Städtischen Krankenhauses Wismar), und Dr. med. Elmar Habermeyer (Lt.
Oberarzt, Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie Zentrum für Nervenheilkunde der Universität Rostock) in verständlicher Weise zum
Thema: "Psychopharmaka - Indikationen, Wirkungen und Nebenwirkungen medikamentöser Behandlung bei Depressionen und Psychosen". Dazwischen gab es rege Diskussionsrunden. Einig waren sich alle darin, dass die Medikamente aus der Behandlung nicht wegzudenken sind. Unverzichtbar sei aber auch die psychotherapeutische Beratung und Begleitung des Kranken sowie die Bereitschaft, sich mit der Krankheit auseinanderzusetzen.

Fazit: Trotz Aufklärungsbemühungen bleibt die Fragen offen, ob es in absehbarer Zeit möglich sein wird, genauso freimütig über eine Psychose oder Depression zu sprechen, wie andere über Diabetes, Herzinfarkt oder Krebs.
Gerade diese Frage verdient nach Meinung der Teilnehmer der Tagung mehr Aufmerksamkeit. Dafür kann das Bündnis gegen Depression eine wichtige Brücken-Funktion einnehmen.

Vollständiger Beitrag unter:
http://www.lichtblick-newsletter.de/ticker604_04.html

Zum Thema auch:
http://www.kompetenznetz-depression.de
http://www.kompetenznetz-schizophrenie.de


Quelle: Lichtblick-newsletter.de Nr.144 vom 27.10.2004



Psychopharmaka-Behandlung: Erstmal Auto stehen lassen

München (dpa) - Während einer Behandlung mit bestimmten Psychopharmaka sollten Patienten auf das Autofahren verzichten. Die oft verschriebenen so genannte trizyklischen Antidepressiva könnten die Aufmerksamkeit des Patienten so schwächen, dass sicheres Autofahren kaum mehr möglich ist, warnt der ADAC in München. Besser für Autofahrer geeignet seien so genannte selektive Antidepressiva, da diese die Konzentrationsfähigkeit weniger einschränken. In jedem Fall sollten Betroffene ihren Wagen in den ersten Wochen einer Behandlung mit Psychopharmaka oder nach einer Umstellung des Medikamentes stehen lassen. Es könne einige Wochen dauern, bis sich die gewünschte Wirkung einstellt.

Quelle: Netdoktor.de vom 27.10.2004


Buchvorstellung: "Depressionen - die stille Hölle"

Die Autorin Dagmar Uhlmann (Jahrgang 1942, geboren in Berlin) schaufelt in ihre Bücher die deutsche Wirklichkeit nur so hinein. Früher (zu DDR-Zeiten) war sie Lehrerin für Musik und Mathematik. Nach der Wende begann sie eine erfolgreiche Karriere im sozialen Bereich. Doch die engagierte Frau stürzt
1994 in eine tiefe seelische Krise. Es ist die "Quittung" für ihre schleichende Ohnmacht, mit den alltäglichen Ungerechtigkeiten und Problemen fertig zu werden.

Ihren Leidensweg zeichnet sie in ihrem soeben erschienen dritten Buch "Depressionen - die stille Hölle" als Sarah Lander nach. So ist es auch kein Wunder, dass die über fünfzig Abschnitte hinter dem Titel nicht zurück
bleiben: "Der Zusammenbruch", "Der Psychologe", "Die Klinik am See", "Wieder zu Hause", "Die Ware Mensch", "Psychiatriebeirat", "Ein Lichtblick" ... Was ihre Hauptfigur Sarah dem Leser von der ersten bis zu letzten Seite anvertraut, läuft ab wie ein verfilmtes Meisterwerk. Die Autorin lässt den Leser miterleben, wie massiv Sarahs depressive Erkrankung das Leben lähmt.
Nur langsam entkommt sie der "stillen Hölle". Thekla, Alex, Roland und Achim versinken darin, tragisch endend. Später, im April 2004, nach zehn Jahren Auf und Ab, steht für Sarah fest: "Sie will leben, und jetzt erst recht!"

Sarahs Abspann enthält wichtige Erfahrungen und Erklärungen über Depressionen. Kein Gelehrter könnte ihre Erkenntnisse so authentisch rüber bringen, es sei denn, er ist selbst betroffen. Ein weiterer Lichtblick:
"Sarahs neue Psychotabletten und die aktive Aufarbeitung ihrer Probleme und Schwachpunkte ließen sie zu einem verhältnismäßig normalen Leben finden, dass sie häufig sogar ausgesprochen genießen kann."

"Depressionen - die stille Hölle" steht für einen längst fälligen Tabubruch:
Depressionserfahrene können ihre Mitmenschen sensibilisieren. Dagmar Uhlmann gelingt es. Sie bringt Licht in die verborgenen Abläufe dieser schweren Erkrankung. Und sie weiß heute, wie sie ihr Leben leben muss. In ihrem Wesen ist sie sich treu geblieben, weil sie ihre Einstellungen zum Leben - sich für das einzusetzen, was sie für gut und richtig empfindet - beibehalten hat. Ein ermutigender Ratgeber für Betroffene, Angehörige, Partner, Freunde, Arbeitskollegen und Arbeitgeber. (Roland Hartig, Lichtblick-Newsletter) http://www.lichtblick-newsletter.de/buchrez27.html

"Depressionen - die stille Hölle" von Dagmar Uhlmann viademica.verlag berlin, ISBN 3-937494-05-7

Quelle: Lichtblick-newsletter.de Nr.141 vom 14.10.2004



Winterdepression: 25 Prozent sind betroffen

Berlin (dpa) - Je kürzer und dunkler die Tage, desto düsterer sind viele Menschen gestimmt. Die Häufigkeit und die Auswirkungen von Winterdepressionen werden nach Ansicht des Berliner Psychiaters Dieter Kunz in Deutschland deutlich unterschätzt. «Ein Viertel der Bevölkerung verspürt saisonale Stimmungsschwankungen, fünf Prozent leiden», sagte der Chefarzt der Psychiatrischen Universitätsklinik der Charité im St. Hedwig Krankenhaus in einem dpa-Gespräch. Meist verschlimmere sich die Depression bis zu einem Höhepunkt im Februar oder März. Bei drei bis fünf Prozent der Deutschen werde sie so schlimm, dass sie behandelt werden müsse. Viele Betroffene nähmen die Symptome wie ständige Müdigkeit und Abgeschlagenheit als alljährliche Winterphänomene hin. «Eine Winterdepression ist aber ein klar biologisches Phänomen, kein psychologisches», betonte der Spezialist für Chronobiologie. Symptome wie das um bis zu zwei Stunden höhere Schlafbedürfnis und der Heißhunger auf Kohlenhydrate wie Schokolade seien im Grunde nichts anderes als «Überbleibsel» des Winterschlafs. Die Veränderungen von Hormonspiegel, Herzfrequenz und Blutdruck ähnelten denen eines sich in monatelangen Schlummer begebenden Igels oder Bären. Antidepressiva wie sie gegen «normale» Depressionen verschrieben werden, würden meist nicht helfen. Gegen das Jahrtausende alte Phänomen gibt es Kunz zufolge ein einfaches Mittel: «Licht, Licht, Licht und nochmals Licht.» Vor allem in den Morgenstunden gelte es, möglichst viele Lichteinheiten «aufzufangen», um der inneren Uhr das Ende der Nacht deutlich zu machen. «Gehen Sie zehn Minuten eher aus dem Haus, laufen eine Bushaltestelle weiter und gucken dabei in den Himmel», empfiehlt Kunz. «Selbst der graueste Tag hat mehr Helligkeit zu bieten als die leistungsstärkste Halogenlampe.»

Quelle: Netdoktor.de vom 08.11.2004


Depression: Nicht leiden, behandeln lassen

Augsburg (dpa) - Depressionen entwickeln sich nach Expertenmeinung weltweit zu einer Volkskrankheit. «Elf Prozent aller Hausarztpatienten haben eine behandlungsbedürftige Depression», sagte der Augsburger Psychiater und Depressions-Experte Prof. Max Schmauß in einem dpa-Gespräch. Prominentester Patient sei der Fußballer Sebastian Deisler vom FC Bayern München, der wegen Depressionen monatelang in klinischer Behandlung war. Viele Patienten würden ihre Krankheit verschweigen. Schmauß: «Da heißt es von Deisler lernen und sich behandeln lassen. Viele Patienten können wieder gesund werden.» Von 100 Depressiven kommen nach Angaben des Psychiaters nur 50 Patienten zum Arzt und nur bis zu 15 Prozent würden richtig behandelt werden. Ursache für Depressionen sei eine «biopsychosoziale Veranlagung» mit genetischem Hintergrund. Symptome seien Schlafstörungen, Appetitlosigkeit, Konzentrationsstörungen und ein geringeres Interesse beim Sex. Schmauß: «Es ist nicht so sehr Trauer, was Depressive empfinden, sondern Antriebshemmung, Lust- und Freudlosigkeit. Viele empfinden gar nichts, eine große Leere.» Frauen seien vor allem im Alter von 45 bis 60 Jahren doppelt so oft betroffen wie Männer. Die Selbstmordgefahr bei Depressiven sei bis zu 20 Mal höher als bei gesunden Menschen. Experten raten zu einer Behandlung mit Antidepressiva. «Die sind nicht schlimmer als Blutdruckmittel und machen nicht abhängig», sagte Schmauß, der dem Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) angehört. Er räumte ein, dass bei vielen Patienten schwere Bedenken bestünden, diese Tabletten würden zu einer Persönlichkeitsveränderung führen. «Das ist aber nicht so, wir haben in den letzten Jahren rund zehn neue Substanzen bekommen, die gut helfen.» Depressive sollten sich auf jeden Fall von einem guten Arzt behandeln lassen und nicht leiden. Schmauß: «Depressionen können immer wieder auftreten. Behandelte Patienten können aber beschwerdefrei leben und sagen: Ich bin wieder gesund.»

Quelle: Netdoktor.de vom 13.12.2004



Rezeptormangel kann Depressionen verursachen

Washington (ddp). Ein auf Stresshormone reagierendes Protein im Vorderhirn ist einer der Schlüsselfaktoren beim Entstehen von Depressionen.
Amerikanische Forscher konnten diesen Zusammenhang in einer Studie mit genetisch veränderten Mäusen jetzt nachweisen: Fehlte den Tieren der so genannten Glucocorticoid-Rezeptor im Gehirn, entwickelten sie typische Symptome einer Depression und zeigten stark erhöhte Mengen von Stresshormonen im Blut. Darüber berichten Maureen Boyle von der Washington-Universität in St. Louis und ihre Kollegen in der Fachzeitschrift "PNAS" (Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1073/pnas.0406458102).

Bei Stress werden auf Anweisung von Hypothalamus und Hirnanhangdrüse Stresshormone wie Cortisol und Cortison in der Nebennierenrinde gebildet.
Dabei überwacht das Gehirn sehr genau die Menge dieser hochwirksamen Substanzen im Blut und signalisiert der Nebennierenrinde ab einer bestimmten Konzentration, die Produktion einzustellen. Bei Menschen mit Depressionen funktioniert diese Kontrolle jedoch offenbar nicht richtig, denn sie haben sehr häufig erhöhte Stresshormonspiegel im Blut. Bereits frühere Studien hatten darauf hingedeutet, dass einer der für die Überwachung der Stresshormone zuständigen Sensoren im Gehirn, der Glucocorticoid-Rezeptor, bei depressiven Menschen nicht so effektiv arbeitet wie bei anderen.

Um diese These zu überprüfen, erzeugten Boyle und ihre Kollegen Mäuse, bei denen die Anzahl der Rezeptormoleküle im Laufe ihrer ersten Lebensmonate ständig abnahm. Im Alter von sechs Monaten waren mehr als 95 Prozent der Sensorproteine im Vorderhirn der Tiere zerstört. Parallel dazu zeigten die Tiere deutliche Anzeichen depressiven Verhaltens wie Schlaf-, Lern- und Gedächtnisstörungen, eingeschränkter Appetit und allgemeine Antriebslosigkeit. Gleichzeitig stiegen die Stresshormonmengen im Blut deutlich an und ließen sich auch nicht durch die Gabe synthetischer Hormone senken.

Diese Ergebnisse bestätigten die Schlüsselrolle des Glucocorticoid-Rezeptors bei der Hormonregulation, schreiben die Forscher. Sie lieferten außerdem eine Erklärung dafür, wie Umweltfaktoren wie Stress oder Krisen Depressionen
auslösen: Solche Ereignisse können die Bildung des Rezeptors vermindern und machen damit das Vorderhirn unempfindlicher gegenüber den Stresshormonen.
Die fehlende Rückkopplung vom Gehirn veranlasst die Nebennierenrinde wiederum dazu, weiterhin die Hormone zu produzieren, so dass chronischer Stress entsteht.


Quelle: Lichtblick-newsletter.de Nr.151vom 05.01.2005



Studien zur Depression an der Charité

Berlin (pm/cw). Das Koordinierungszentrum für Klinische Studien an der Charité (KKS Charité) organisiert eine Reihenveranstaltung zu aktuellen klinischen Studien an der Charité. Auftakt war eine Veranstaltung zu klinischen Studien im Allgemeinen und der Bedeutung für Patienten und mögliche Studienteilnehmer. Am 12. Januar werden von 18.00 bis 19.30 Uhr aktuelle Forschungsprojekte zum Thema "Depression" in der Charité Campus Virchow Klinikum, Hörsaal 2, Augustenburger Platz 1 in 13353 Berlin vorgestellt. Diese Veranstaltung soll Betroffenen, Angehörigen und Interessierten aber auch niedergelassenen Ärzten die Möglichkeit geben, sich über aktuelle Projekte zur Erkennung und Behandlung der Depression sowie über die Möglichkeiten zur Studienteilnahme zu informieren.
Fragen per E-Mail an: christine.witte@charite.de
Internet: http://www.kks.charite.de


Quelle: Lichtblick-newsletter.de Nr.151vom 05.01.2005
Baby-Blues: Hilfe bei Depression

Bonn (dpa) - Der so genannte Baby-Blues trifft viele junge Mütter nach der Entbindung. Manchmal entwickeln sich diese «Heultage» aber auch zu einer länger anhaltenden Wochenbettdepression oder sogar zu einer Psychose. Eine erste Anlaufstation bei solchen seelischen Problemen soll jetzt die Internetseite www.frauen-und-psychiatrie.de bieten, heißt es bei der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn. Betrieben wird die Seite von der Frauenklinik am Universitätsklinikum Bonn.

Quelle: Netdoktor.de vom 08.03.2005


"Baby Blues" und "Heultage" - Internet-Angebot für junge Mütter

Bonn (ddp-nrw). Mit einem neuen Internet-Angebot wollen Ärzte der Bonner Universitätsklinik jungen Müttern mit psychischen Problemen helfen. Etliche Frauen leiden in den Tagen nach der Entbindung an einer seelische Verstimmung, wie Anke Rohde von der Bonner Universitätsfrauenklinik am Montag erläuterte.

Dieses auch als "Baby Blues" und "Heultage" bekannte Phänomen gehe meist nach einigen Tagen vorüber. Bei einigen Frauen entwickelt sich das Ganze aber zu einer länger anhaltenden Wochenbettdepression oder gar zu einer krankhaften und behandlungsbedürftigen Psychose.

Besonders problematisch sei die Situation für Frauen, die bereits psychisch erkrankt waren. Gemeinsam mit dem Kinderarzt Christof Schaefer entwickelte Rohde das Online-Angebot www.frauen-und-psychiatrie.de. Es soll für betroffene Frauen und deren Angehörige erste Anlaufstelle sein. Aber auch behandelnde Ärzte finden hier Informationen.

Die Medizinerin stellt Unwissenheit auf beiden Seiten fest: "Junge Mütter gehen bei psychischen Problemen oft zu spät zum Arzt, und dort werden sie dann gar nicht oder falsch behandelt. Aus Angst um das Kind empfehlen Ärzte beispielsweise abzustillen, das stürzt die Patientinnen in noch größere Schuldgefühle gegenüber dem Kind."

Solche Diagnosen hängen nach Beobachtungen von Rohde mit der Angst vor Nebenwirkungen von Psychopharmaka für das ungeborene beziehungsweise gestillte Kind zusammen. In diesen Fällen gelte es, Nutzen und Risiko gründlich abzuwägen. Die Internetseite bietet ein elektronisches Nachschlagewerk zu verschiedenen Medikamenten und ihren Auswirkungen auf Verhütung, Schwangerschaft, Geburt und Stillzeit.
http://www.frauen-und-psychiatrie.de


Quelle: Lichtblick-newsletter.de Nr.158 vom 10.03.2005



Depressionen: Vier Millionen behandlungsbedürftig

München (dpa) - In Deutschland leiden nach Angaben des Münchner Psychiaters Prof. Ulrich Hegerl rund vier Millionen Deutsche akut an einer behandlungsbedürftigen Depression. Damit sei die Depression eine der größten Volkskrankheiten, sagte der Experte am Montag in München beim 13. Europäischen Psychiater-Kongress. Depressionen würden von den Hausärzten oft nicht oder zu spät erkannt, weil oft körperliche Beschwerden wie Magen-, Rücken- oder Kopfschmerzen im Vordergrund stünden. Eine richtige Depression habe Krankheitscharakter und sei nicht vergleichbar mit so genannten depressiven Verstimmungen, die jeder kenne und die zum Leben dazu gehörten, betonte Hegerl. Bei Depressiven sei nach Ansicht vieler Wissenschaftler der Stoffwechsel des Gehirns gestört: Die Botenstoffe Serotonin und Noradrenalin, die für die Übertragung von Impulsen zwischen den Nervenzellen verantwortlich sind, seien in diesen Fällen aus der Balance geraten. Deshalb komme neben der psychotherapeutischen Behandlung auch der medikamentösen Behandlung mit Antidepressiva als einer zweiten Säule eine große Bedeutung zu. Das Modellprojekt «Nürnberger Bündnis gegen Depression» hat nach den Worten von Hegerl gezeigt, dass sich die Versorgung von depressiven Menschen durch regionale Aktionsprogramme verbessern und so auch die Zahl von Selbstmorden deutlich verringern lasse. Die Konzepte des Nürnberger Modellprojekts würden derzeit von zahlreichen anderen Regionen in Deutschland und Europa übernommen. Die Internet-Adresse «www.kompetenznetz-depression.de» wird nach Angaben des Experten täglich von rund 3000 Interessierten aufgerufen. Solche Angebote seien wichtig, weil gerade psychisch Kranke anfangs oft anonyme Hilfe bevorzugten. Veranstalter des Kongresses ist die europäische Psychiater- Vereinigung AEP (Association of European Psychiatrists). Der Kongress mit rund 1500 Teilnehmern, der am vergangenen Samstag begann, geht an diesem Mittwoch (6. April) zu Ende.

Quelle: Netdoktor.de vom 05.04.2005


Das Rätsel Depression

Eine Krankheit wird entschlüsselt

"Das Rätsel Depression: Eine Krankheit wird entschlüsselt" nimmt seine Leser mit. Schon das Vorwort ist mitreißend: "Es ist aus einer engen Zusammenarbeit zwischen einem Professor für Psychiatrie, einem Psychologen und einem ehemals an Depression erkrankten Architekten entstanden." Ein origineller, praxisbezogener Ratgeber aus der naturwissenschaftlich orientierten Psychiatrie, der den kritisch-differenzierten Blick über den Tellerrand nicht scheut. (z.B. Kapitel "Schulmedizin oder alternative
Heilmethoden?")

Das 254 Seiten starke Buch erörtert die neuesten Erkenntnisse des Kompetenznetzes Depression (www.kompetenznetz-depression.de). Dabei widmet es sich den Sichtweisen der Depression von der Antike bis heute, beschreibt medikamentöse und psychotherapeutische Behandlungsstrategien. Eindrucksvoll gelingt es den Autoren, die Situation der Betroffenen und Angehörigen authentisch darzustellen. "Was Angehörige tun können" und die "Neun Empfehlungen von Betroffenen und Therapeuten" beschreiben den richtigen Umgang mit der Erkrankung. Ein Lehrbeispiel - auch für alle Laienhelfer - ist, wie ein Polizeibeamter ein zuizidpräventives Gespräch mit einem jungen Mann führt, der auf dem Geländer einer hohen Eisenbahnbrücke sitzt. Respekt!

Par Excellence reflektiert das Kapitel "Depression und Kunst - Kunst in der Depression?" bemerkenswerte Antworten. Diese werden in sich schlüssig dargestellt. Deutlich wird der Unterschied zwischen einem melancholischen Grundgefühl und einer individuell erlebten Depression herausgestellt.

Die Autoren Ulrich Hegerl, David Althaus und Holger Reiners haben ein Buch verfasst, das direkt in die Praxis führt. Ein hilfreicher Selbsttest und ausgewählte Adressen runden das durchdachte Werk ab.


Aus der Verlagsinformation

Dieses Buch, verfasst von Fachleuten des renommierten "Kompetenznetzes Depression" sowie einem Betroffenen, erläutert die neuesten Ergebnisse der Depressionsforschung und die erfolgreichsten Behandlungswege.

Es zeichnet sich gegenüber herkömmlichen Ratgebern dadurch aus, dass die Erfahrungswelt von Betroffenen besonders anschaulich gemacht wird. Das Rätsel der Depression, das zeigt dieses Buch überzeugend, ist heute in großen Teilen gelöst, und die Therapie- und Hilfsmöglichkeiten für Betroffene und ihre Angehörigen sind erfolgversprechend. Ein wichtiger Beitrag, um eine der häufigsten und am meisten missverstandenen seelischen Erkrankungen vom Stigma des Mysteriösen und Unheilbaren zu befreien.

Ulrich Hegerl, Facharzt für Psychiatrie und Neurologie, ist Professor und Leitender Oberarzt an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Ludwig-Maximilians-Universität München. Darüber hinaus ist er Sprecher und Koordinator des "Kompetenznetzes Depression".

David Althaus ist promovierter Diplom-Psychologe, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Ludwig-Maximilians-Universität München sowie Mitbegründer des Vereins "Bündnis gegen Depression".

Holger Reiners ist Architekt, Unternehmensberater und Autor. Bekannt wurde er durch sein Buch "Das heimatlose Ich. Aus der Depression zurück ins Leben", in dem er von seinen Erfahrungen als langjähriger und inzwischen geheilter Depressionspatient berichtet.

Das Rätsel Depression: Eine Krankheit wird entschlüsselt. Ulrich Hegerl, David Althaus, Holger Reiners. (2005) C.H.Beck. 254 Seiten mit 28 Abbildungen und 2 Tabellen, broschiert.
--> http://www.lichtblick-newsletter.de/buchrez29.html


Quelle: Lichtblick-newsletter.de Nr.160 vom 08.04.2005


Warum Antidepressiva zunächst oft nicht wirken

Cambridge (ddp). Amerikanische Forscher haben entdeckt, warum eine Therapie mit Antidepressiva häufig erst nach einiger Zeit anschlägt: Die Medikamente blockieren zwar die auf den Gehirnbotenstoff Serotonin spezialisierten Transporter im Gehirn, doch unter diesen Bedingungen kann der Botenstoff auf andere Transporter ausweichen. Dadurch gerät das Gleichgewicht der Signalstoffe im Gehirn durcheinander, was wiederum die Stimmungslage des Patienten stark schwanken lässt. ... mehr unter:
http://www.lichtblick-newsletter.de/ticker1202_05.html


Quelle: Lichtblick-newsletter.de Nr.160 vom 08.04.2005



Depression: Störungen bei Partnern ernst nehmen

Neuss (dpa) - Angehörige von Depressiven sollten den Kranken nicht auffordern, sich zusammenzureißen. Partner oder Freunde dürften die gedrückte Stimmung und die allgemeine Interessenlosigkeit nicht als mangelnde Willenskraft deuten, warnt Christa Roth-Sackenheim, Vorsitzende des Berufsverbandes Deutscher Psychiater (BVDP) mit Sitz in Neuss (Nordrhein-Westfalen). Wenn der Betroffene Eigeninitiative zeigt, sollten Angehörige ihn allerdings voll unterstützen. «Informieren Sie sich umfassend über das Krankheitsbild», rät Roth-Sackenheim. Mit dem Wissen über depressive Störungen könnten dem Partner oder Freund mehr Verständnis entgegengebracht werden. Angehörige sollten außerdem versuchen, geduldig zu bleiben und die Sorgen des Betroffenen ernst zu nehmen. Dabei dürften sie sich jedoch selbst nicht überfordern, sondern sollten sich eher gemeinsam mit dem Kranken um professionelle Hilfe bemühen. Weitere Informationen zum Thema «Depressionen» finden sich auf der Internetseite www.psychiater-im-netz.de.

Quelle: Netdoktor.de vom 28.04.2005



Depressionen: Angstgefühle als Anzeichen ernst nehmen

Neuss (dpa) - Häufige Angstgefühle sind oft ein Anzeichen für eine ernsthafte psychische Erkrankung. Ohne entsprechende Behandlung verselbstständige sich die Angst immer mehr und führe zur «Angst vor der Angst», teilt der Berufsverband Deutscher Psychiater in Neuss mit. Die Störungen hätten dabei viele Gesichter. So halte die so genannte generalisierte Angststörung über mindestens sechs Monate an und sei nicht auf spezielle Situationen beschränkt. Bei Phobien lösten dagegen ganz bestimmte Objekte oder Umstände Angstgefühle aus. Am heftigsten äußern sich Ängste den Angaben zufolge bei einer Panikstörung: Innerhalb von Minuten steigere sich die Angst soweit, dass es zu Erstickungsgefühlen, Herzrasen, Schwindel und Todesangst komme. Bundesweit leiden den Experten zufolge rund fünf Prozent der Bevölkerung unter Angststörungen. In der Regel seien diese mittlerweile gut zu therapieren. Internet: www.psychiater-im-netz.de

Quelle: Netdoktor.de vom 26.05.2005


Depression der Deutschen: Gemütslage im Internet-Test

Berlin (dpa) - Mit einem «Depressionsbarometer» im Internet wollen Wissenschaftler bis Mitte November die Stimmung und Gemütslage in Deutschland messen. Nach den bisherigen Ergebnissen waren die Deutschen Ende Juni in besonders schlechter Verfassung. Politisch war das die Zeit vor der Vertrauensfrage im Bundestag. Beste Laune zeigte das Barometer dagegen Ende Mai an - da wurde Angela Merkel (CDU) zur Kanzlerkandidatin gekürt. Die Barometer-Idee stammt aus der privaten Universität Witten-Herdecke. Dort störten sich Professorern der Psychologie und Wirtschaftswissenschaften am Schlechtreden des Standorts Deutschlands. «Deutschland ist überhaupt nicht so depressiv, wie wir vielleicht denken mögen», sagte Projektleiterin Katrin Glatzel am Dienstag in Berlin. Andererseits fühlten sich die Deutschen so schlecht wie noch nie seit der Nachkriegszeit. Das Depressionsbarometer soll nun Aufklärung schaffen. Es basiere auf seriösen wissenschaftlichen Methoden, agiere aber auch bewusst an der Grenze zur Kunstaktion, ergänzte Glatzel. Die Psychologie-Fragen, die es zu beantworten gilt, lauten unter anderem: «Ich blicke mit Freude in die Zukunft» oder «Ich kann mich an einem guten Buch freuen». Einen solchen Fragen-Katalog legten auch Psychologen ihren Patienten vor, berichtete die Projektleiterin. Bisher haben sich rund 1700 Internet-Surfer auf Depressionen testen lassen. «Diese Ergebnisse sind aber nicht repräsentativ», schränkte Kartin Glatzel. Im Sommer soll es deshalb noch eine zusätzliche Umfrage eines Meinungsforschungsinstituts geben. Mitte November wollen die Organisatoren die Ergebnisse ihrer Kampagne dann in Berlin präsentieren Zur Zeit steht der Fühler des Depressionsbarometers bei Tageswerten um die 6 Punkte. Erreicht die Skala einen Wert von über 7 Punkte, bestehe der Verdacht auf eine Depression, heißt es in der Internet-Gebrauchsanweisung. Die Skala läuft bis zu einem Wert von 21. Die Erfinder des Barometers deuten Zwischenergebnisse aber nicht politisch, sondern eher profan: Am 23. Juni erreichte das Depressionsbarometer mit einem Mittelwert von 4,4 beispielsweise einen sehr niedrigen Stand. An diesem Tag, so die Erklärung im Internet, herrschte in ganz Deutschland schönes Wetter. Internet: www.depressionsbarometer.de

Quelle: Netdoktor.de vom 06.07..2005


Depression: Bündnis will mehr Menschen aufklären

Berlin (ddp). Das Berliner Bündnis gegen Depression will in der Hauptstadt mehr Menschen über diese seelische Krankheit aufklären. Es gebe immer noch zu viele Vorurteile gegenüber Menschen, die Depressionen haben, sagte die Leiterin des Bündnisses, Meryam Schouler-Ocak, am Freitag. Ihnen werde häufig vorgeworfen, sie seien «selbst schuld» oder rissen sich nicht genügend zusammen. Viele Betroffene wollten ihre Krankheit selbst nicht wahrhaben oder seien der Meinung, dass ihnen nicht geholfen werden könne. Ziel des Bündnisses sei es, den Wissensstand der Bürger über die Krankheit zu erweitern, sie mit den Symptomen vertraut zu machen und die guten Behandlungsmöglichkeiten aufzuzeigen, betonte Schouler-Ocak. Rund 80 Prozent der Erkrankten könne geholfen werden, aber nur 50 Prozent suchten überhaupt einen Arzt auf. Da für viele Menschen der Hausarzt der erste Ansprechpartner sei, müsse auch die Kompetenz von Hausärzten bei der Erkennung und Behandlung von Depressionen gestärkt werden. «In einer Zeit, wo Menschen die Orientierung verloren haben oder suchen, nehmen seelische Erkrankungen zu», sagte der Bezirksbürgermeister von Mitte, Joachim Zeller (CDU). Eine Depression könne jeden treffen. Die Krankheit mache vor keiner sozialen Schicht und ethnischen Herkunft halt. Schouler-Ocak sagte, die Kampagne richte sich insbesondere auch an Migranten. Sie seien besonderen Belastungen ausgesetzt, aber nur die Hälfte von ihnen habe überhaupt Zugang zum Gesundheitssystem. Zu den vom Bündnis geplanten Maßnahmen gehören Fortbildungen, Vorträge, Veranstaltungen sowie Ratgeberbroschüren und Plakate in deutscher und türkischer Sprache. Ein Seminar für türkische Hausärzte wurde nach Worten von Schouler-Ocak bereits abgehalten. (www.buendnis-depression.de)

Quelle: Netdoktor.de vom 20.08.2005


Depressionen: Wie elektrische Impulse helfen

Lund (ddp). Schwedische Wissenschaftler haben entdeckt, warum die so genannte Elektrokrampftherapie gegen schwere Depressionen hilft: Der bei dieser Methode künstlich erzeugte Kurzschluss im Gehirn regt das Wachstum neuer Blutgefäße und die Bildung neuer Nervenzellen an - und zwar genau in den Hirnarealen, die durch die Depressionen in Mitleidenschaft gezogen werden. Auf diese Weise verbessert sich der Sauerstoff- und Nährstofftransport, was wiederum zu einer Normalisierung der Gehirnaktivität in den betroffenen Bereichen beiträgt. Über die Arbeit von Johan Hellsten und seinen Kollegen von der Universität Lund berichtet der schwedische Wissenschaftsrat. Bei der Elektrokrampftherapie, auch Elektrokonvulsionstherapie oder Elektroschocktherapie genannt, wird das Gehirn eines unter Narkose stehenden Patienten mithilfe von Elektroden elektrisch gereizt. Dadurch entsteht ein interner Kurzschluss im Gehirn, der zwar dem während eines großen epileptischen Anfalls gleicht, aufgrund der Muskellähmung durch die Narkose jedoch keine Krämpfe verursacht. Die Folge ist eine deutliche Besserung der depressiven Symptome. Angewendet wird dieser Therapieansatz ausschließlich bei Patienten mit schwersten Depressionen, die unmittelbar lebensbedrohlich sind oder die auf alle anderen verfügbaren Therapien nicht ansprechen. Wie genau die Behandlung im Gehirn wirkt, war jedoch bislang nicht geklärt. Offenbar wirkt die elektrische Stimulation dem Schrumpfen bestimmter Gehirnbereiche entgegen, haben Hellsten und seine Kollegen bei Untersuchungen an Ratten nun entdeckt. Bei Patienten mit schweren, lang anhaltenden Depressionen verhindern erhöhte Mengen an Stresshormonen, dass sich im für Erinnerungen und Emotionen zuständigen Hippocampus neue Nervenzellen und deren Versorgungsgefäße bilden. Das führt auf Dauer zu einer deutlichen Größenabnahme dieser Hirnregion. Die Elektrokrampftherapie regt nun die Nervenzellen innerhalb des Hippocampus erneut zum Wachsen an und erhöht gleichzeitig die Produktion neuer Blutgefäße. Mit einer genaueren Kenntnis der biologischen Wirkung der Elektrokrampftherapie könnte der Einsatz der zum Teil sehr umstrittenen Behandlungsmethode noch zielgerichteter werden, hoffen die Forscher. Außerdem wollen sie nun nach alternativen Ansätzen suchen, die einen ähnlichen Effekt wie die elektrischen Impulse hervorrufen.

Quelle: Netdoktor.de vom 14.09.2005


Chronisch Kranke: Begleitdepression behandeln

München (netdoktor.de). Die Behandlung einer begleitenden Depression bei chronischen Erkrankungen lohnt sich. Wer an einer chronischen Erkrankung leidet, ist oft depressiv und kann auch deshalb nicht mehr arbeiten. Allzu selten wird das psychische Leiden behandelt - trotz guter Erfolgsaussichten. Dies sind die Ergebnisse von Studien der Arbeitsgruppe um Dr. med. Dipl.-Psych. Bernd Löwe an der Abteilung für Psychosomatik und Allgemeine Klinische Medizin der Universität Heidelberg. Die Wissenschaftler untersuchten Patienten, die an chronischem Rheuma oder Lungenhochdruck litten. Zehn bis 20 Prozent aller Patienten, die in Arztpraxen behandelt werden, leiden an einer Depression. Bei Klinikpatienten ist die Zahl noch höher. "Oft ist dies eine Reaktion auf die körperliche Krankheit und ihre Konsequenzen, etwa den Verlust sozialer Kontakte, " erklärt Dr. Löwe. Den Patienten fehlt der Antrieb, sie können sich nicht konzentrieren, schlafen schlecht und schaffen es nicht mehr, auf andere Menschen einzugehen. Auch Selbstmordphantasien kommen vor. Wie stark solche Depressionen die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigen, zeigt die Heidelberger Studie, die in Kooperation mit der Rheumaambulanz der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg durchgeführt wurde. Von knapp 360 Patienten mit einer milden rheumatischen Erkrankung waren rund fünf Prozent arbeitsunfähig. Kam eine psychische Störung dazu, waren es 17 Prozent. Bei schweren entzündlich-rheumatischen Erkrankungen stieg die Quote der arbeitsunfähigen Patienten von 25 auf 50 Prozent, wenn gleichzeitig eine psychische Störung vorlag. Depressionen sind demnach ein unabhängiger Risikofaktor zur Entwicklung von Arbeitsunfähigkeit. "Die Untersuchung zeigte auch, dass nur jeder vierte Patient, der unter Depressionen oder einer Angststörung litt, ärztlich behandelt wurde", stellte Dr. Bernd Löwe fest. Eine zweite Heidelberger Studie bei Patienten mit Lungenhochdruck (pulmonale Hypertonie) untermauert den Zusammenhang zwischen dem Krankheitsgrad und dem Auftreten von Depressionen oder Angststörungen. Der Lungenhochdruck kann bereits bei jungen Erwachsenen zu Schwindelgefühlen, Luftnot, verringerter Leistungsfähigkeit und Ohnmachtsanfällen führen. In Zusammenarbeit mit der Patientenorganisation "Pulmonale Hypertonie e.V." befragten die Heidelberger Wissenschaftler 164 Patienten aus dem gesamten Bundesgebiet. Demnach litten durchschnittlich 35 Prozent an behandlungsbedürftigen psychischen Störungen; im schwersten Krankheitsstadium waren es bereits 61,9 Prozent. Auch hier, so Dr. Löwe, befanden sich nur 24 Prozent mit behandlungsbedürftigen psychischen Störungen in psychotherapeutischer oder medikamentöser Behandlung. "70 Prozent der depressiven Verstimmungen können mit Psychotherapie und/oder Medikamenten erfolgreich behandelt werden", betont Dr. Löwe. "Bei den restlichen 30 Prozent ist in den meisten Fällen zumindest eine Besserung zu erreichen."

Quelle: Netdoktor.de vom 24.10.2005


Früherkennung bei depressiven Störungen

(naps). "Früherkennung und Prävention depressiver Erkrankungen" - dies war das Thema eines thematischen Abends in der sehr gut besuchten Schweriner Schelfkirche. Prof. Dr. Andreas Broocks, Ärztlicher Direktor der Flemming-Klinik (HELIOS Kliniken Schwerin) sprach für das Schweriner Bündnis gegen Depression darüber, dass sich depressive Erkrankungen häufig unerkannt über einen längeren Zeitraum entwickeln würden. Viele Patienten würden zunächst kaum über psychische Symptome klagen, sondern litten unter verschiedenen körperlichen Beschwerden, wie dumpfen Kopfschmerzen, anhaltenden Rückenschmerzen oder Magen- und Darmbeschwerden. Auch die depressionstypischen Schlafstörungen würden zunächst nur im Zusammenhang mit der körperlichen Gesundheit gesehen, so dass auch der Hausarzt nicht an eine beginnende depressive Störung denkt.

Im weiteren Verlauf machen sich die Betroffenen selbst viele Vorwürfe und sehen z.B. die abnehmende berufliche Leistungsfähigkeit eher als Folge von Faulheit oder Charakterschwäche an. Manchmal fällt es auch Angehörigen oder Arbeitskollegen zuerst auf, dass der Betroffene reizbarer und empfindlicher geworden ist, sich sozial zurückzieht und das Interesse an früheren Aktivitäten verliert. "Gerade in dieser Phase wäre es aber wichtig, die richtige Diagnose zu stellen, damit rechtzeitig gegengesteuert werden kann", so Prof. Broocks in seinem Vortrag. Denn ohne entsprechende Behandlung kommt es bald zum Vollbild einer depressiven Episode mit deutlicher Abnahme der Arbeitsfähigkeit, schweren Schlafstörungen, Gewichtsverlust und lebensmüden Gedanken.
Während im Straßenverkehr im vergangenen Jahr ca. 7000 Menschen ums Leben kamen, starben im selben Zeitraum 11 000 Menschen durch Suizid, die häufigste Ursache ist hier eine depressive Erkrankung.

Psychische Leiden sind mittlerweile auch die häufigste Ursache für eine vorzeitige Berufsunfähigkeit. "Dies hätte bei vielen Patienten verhindert werden können, wenn rechtzeitig eine konsequente Behandlung eingeleitet und ausreichend lange durchgeführt worden wäre." Es gäbe heute sehr gute medikamentöse und psychotherapeutische Behandlungsstrategien. Auf entsprechenden Spezialstationen kämen darüber hinaus auch andere biologische Behandlungsmethoden zum Einsatz.

"Am besten wäre es natürlich, wenn man bereits in der ersten Phase einer depressiven Entwicklung das Richtige tut, um dass Vollbild der Erkrankung oder gar eine Chronifizierung zu vermeiden. Prof. Broocks sprach ausführlich über die Bedeutung der körperlichen Fitness für einen ausgeglichenen Gehirnstoffwechsel. Der Rhythmus zwischen regelmäßiger körperlicher Aktivität auf der einen und Schlaf und Entspannung auf der anderen Seite müsse wieder hergestellt werden.
Wichtig sei auch, dass man alle Fragen und Probleme offensiv angehe und den Problemen, beispielsweise am Arbeitsplatz oder in der Partnerschaft nicht ausweiche und sie verdränge. Menschen mit einer Beziehung zum Glauben seien an dieser Stelle im Vorteil, weil sie auch geistliche Ressourcen zur Bewältigung von belastenden Erlebnissen oder Problemen nutzen könnten. Von daher könne auch von seelsorgerischer Seite gute Hilfe geleistet werden. Auch das Gebet und die Gemeinschaft innerhalb einer Kirchengemeinde könnten eine wichtige Hilfe darstellen.
Allerdings könne all dies nicht in jedem Fall die ärztliche Konsultation ersetzen, so dass bei anhaltenden Beschwerden unbedingt eine Vorstellung beim Hausarzt oder Facharzt erforderlich wäre.

In der abschließenden Diskussion gab es noch Fragen zu speziellen Behandlungsverfahren. Prof. Broocks versprach, dass er in absehbarer Zeit eine weitere Veranstaltung anbieten werde, in der die Wirkungs- und Anwendungsweise der wichtigsten Behandlungsverfahren besprochen werden soll.

http://www.lichtblick-newsletter.de/ticker1869_06.html

Quelle: Lichtblick-newsletter.de Nr.178 vom 06.03.2006


Depressionen: Frauen häufiger betroffen als Männer

Berlin (ddp). Jeder fünfte Deutsche erlebt nach Schätzungen von Experten einmal im Leben eine behandlungsbedürftige Depression. Bei Frauen trete dies etwa doppelt so häufig auf wie bei Männern, sagte die Altersforscherin und Direktorin der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Berliner Charite, Isabella Heuser, der Nachrichtenagentur ddp. Depression sei heute eine Volkskrankheit. Und gerade bei Älteren werde sie häufig unterschätzt. Fast die Hälfte der Patienten auf der geronto-psychiatrischen Abteilung ihrer Klinik werde wegen einer Depression behandelt, berichtete die Expertin für Demenzkrankheiten. Dabei sei die Altersdepression kein spezifisches Krankheitsbild. Ältere und jüngere Erkrankte unterschieden sich vor allem darin, mit welchen Beschwerden sie zum Hausarzt gehen, wenn sie noch nicht wissen, dass sie an einer Depression erkrankt sind. Senioren kämen meist mit körperlichen Beschwerden oder sagten, «ich habe keinen Appetit mehr, nehme ab, kann nicht schlafen». Jüngere würden dagegen häufig gleich ihre psychologischen Probleme ansprechen, sagte Heuser. Die Ursache für die Depression sei aber meistens dieselbe - Stress. Die Zusammenhänge zwischen Depression und Demenz würden derzeit noch wissenschaftlich untersucht, erläuterte die Altersforscherin. Es gebe aber erste Hinweise darauf, dass Menschen, die häufiger an Depressionen gelitten hätten, ein höheres Risiko haben, früher an einer Demenz zu erkranken. Wenn Depressionen nicht erkannt und behandelt würden, hätten die Kranken oft eine lange Leidensgeschichte vor sich, sagte die Klinikleiterin. Bei alten, depressiven Männern gebe es zudem das höchste Suizidrisiko, sagte Heuser. Eine gute Depressionstherapie bestehe immer aus einer Kombination von Psychotherapie und einem Medikament, erläuterte Heuser. Anders als bei Demenz könnten Patienten mit Depressionen im Alter durch eine angemessene Behandlung wieder symptomfrei gemacht werden.

Quelle: Netdoktor.de vom 30.11.2006


Depressionen: Bei Johanniskraut auf die Dosierung achten

Göttingen (ddp). Schlagen Stress, Probleme in der Partnerschaft oder das Wetter aufs Gemüt, greifen viele Menschen zu Johanniskraut. Der Wirkstoff ist in Apotheken und Supermärkten in Form von Tabletten oder Tees rezeptfrei erhältlich. «Eine Wirkung ist bei leichten oder mittelgradigen Depressionen nachgewiesen. Allerdings müssen die Patienten unbedingt auf die Dosierung achten», sagt Professor Peter Falkai, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Göttingen und Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie. Falkai empfiehlt bei depressiven Symptomen, frei verkäufliches Johanniskraut immer in der im Beipackzettel angegebenen Höchstdosis zu nehmen. «Das entspricht meist 700 bis 900 Milligramm Johanniskraut pro Tag. Diese Menge sollte nach den angegebenen Vorschriften über vier Wochen eingenommen werden», betont Falkai. Präparate aus dem Supermarkt seien häufig sehr niedrig dosiert. Obwohl Johanniskraut pflanzlich ist, dürfte man nicht vergessen, dass es vergleichbar mit einem Psychopharmakon ist. «Entsprechend sind auch Nebenwirkungen wie eine leichte Benommenheit oder eine größere Empfindlichkeit der Haut in der Sonne möglich», sagt der Psychiater. Auch wenn Johanniskraut korrekt angewendet bei vielen Menschen eine stimmungsaufhellende Wirkung zeigt, empfiehlt Falkai bei ernsten Anzeichen für eine Depression einen Psychiater aufzusuchen - diesen würden viele unnötig lange hinauszögern. «Eine verschleppte Depression ist Stress für Seele und Körper und kann schwere gesundheitliche Folgen haben», betont Falkai. Zudem steigt die Selbstmordgefahr. «Und gerade bei ausgeprägteren Depressionen ist es eine Illusion, dass man sie mit Johanniskraut einfach so lösen kann», betont der Arzt. Akutes Alarmzeichen ist eine grundlose Missstimmung, die über mindestens 14 Tage hinweg kontinuierlich andauert. «Dazu können manchmal auch Symptome wie Rückenbeschwerden, Kopfschmerzen oder Übelkeit kommen, die ein Patient gar nicht mit einer Depression in Verbindung bringt», sagt Falkai. Wird eine krankhafte Verstimmung diagnostiziert, hilft in der Regel eine individuell abgestimmte Psychotherapie in Kombination mit Medikamenten.

Quelle: Netdoktor.de vom 20.03.2007



Tagung: "Depression, Familie und Selbsthilfe" in Bonn

Veranstalter: Familien-Selbsthilfe Psychiatrie und Bündnis gegen Depression, Bonn/Rhein-Sieg

Einladung zur Tagung am Samstag, 10. November 2007 11:00 bis 14:30 Uhr in den Rheinischen Kliniken Bonn

Selbsthilfe - gegenseitige Unterstützung, Erfahrungsaustausch und voneinander Lernen - das ist von Anbeginn an das Herzstück der Angehörigenbewegung, wie sie sich in der Familien-Selbsthilfe Psychiatrie entwickelt hat. Selbsthilfegruppen gibt es inzwischen in allen Regionen Deutschlands und dies hat - auch - die psychiatrische Landschaft verändert. Waren es in der Gründungsphase vorwiegend Angehörige schizophren erkrankter Menschen, suchen in der letzten Zeit zunehmend auch Familien mit einem depressiv Erkrankten Rat und Hilfe in den Gruppen und den Beratungsangeboten der Selbsthilfe.

Eine erfreuliche Entwicklung, doch wir erleben vor Ort, z.B. in den regionalen Bündnissen gegen Depression, auch Betroffene - Angehörige wie Erkrankte - die aufgrund der Erkrankung die Möglichkeiten der Selbsthilfe eher skeptisch sehen. Für sie stellt sich die Frage, wie sie im Austausch mit Gleichgesinnten ihre Kompetenz aus eigener Erfahrung für sich und andere nutzen können.

Deshalb wollen wir mit dieser Veranstaltung eine erste Gelegenheit geben, miteinander ins Gespräch zu kommen und gemeinsam zu diskutieren, wie die Selbsthilfe für und mit depressiv Erkrankten und ihren Familien entwickelt und gestärkt werden kann.

Veranstaltungsort: Rheinische Kliniken Bonn, Haus 10, Kaiser-Karl-Ring 20, 53111 Bonn.

Organisatorisches und Anmeldeformular
http://www.psychiatrie.de/familienselbsthilfe/

Quelle: Lichtblick-newsletter.de Nr.211 vom 24.09.2007



Depressionen: Yoga wirkt positiv auf das Gehirn

Baierbrunn (ots) - Wer an Depressionen oder Angststörungen leidet, könnte einen Therapieversuch mit Yoga unternehmen, berichtet die "Apotheken Umschau". Chris Streeter, Professor für Psychiatrie und Neurologie an der Universität Boston (USA) unternahm dazu einen Test mit acht Yoga-erfahrenen Freiwilligen. Vor und nach einer 60-minütigen Sitzung maß er mit Hilfe der Kernspintomographie die Konzentration von Gamma-Aminobuttersäure (GABA) im Gehirn. Dabei handelt es sich um einen Botenstoff, der bei Depressionen und Angststörungen erniedrigt ist. Nach den Yoga-Übungen waren die Werte im Durchschnitt um 27 Prozent gestiegen.

Quelle: Netdoktor.de vom 01.11.2007



Leichte Depression: Antidepressiva wirken nicht

München (netdoktor.de). Millionen von Menschen nehmen Antidepressiva möglicherweise vergeblich. Forscher haben in einer großen Untersuchung herausgefunden, dass die Gabe von Selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI) nicht mehr bringt als die Gabe von Plazebo-Pillen. Damit macht sich der Autor der im Online-Fachmagazin "PLoS Medicine" (Public Library of Science Medicine, Bd. 5, e45) veröffentlichten Arbeit, Irving Kirsch von der University of Hull, keine Freunde auf Seiten der Pharmaindustrie: 40 Millionen Menschen nehmen der Tageszeitung "Guardian" zufolge alleine den Prozac-Wirkstoff Fluoxetin ein. Damit trifft die Studie die Industrie ein weiteres Mal, denn SSRIs stehen auch in der Kritik, weil sie die Selbstmordraten junger Patienten unter SSRI steigern. Zusammen mit fünf weiteren Forschern aus Nordamerika untersuchte Kirsch Daten aus 47 veröffentlichten und unveröffentlichten Klinikstudien. Untersucht wurden die vier besonders häufig verschriebenen Medikamente, deren Hauptwirkstoffe Fluoxetin und Paroxetin zur Kategorie der SSRIs gehören sowie ein weiteres Medikament, Venlafaxin. Die Daten kamen von der US-Arzneimittelbehörde Food and Drug Administration (FDA). „Der Unterschied in der Besserung bei Patienten, die Placebos nehmen und Patienten, die Antidepressiva nehmen, ist nicht sehr groß", fasst Kirsch das Ergebnis seiner Analyse zusammen. Alleine bei sehr schweren Depressionen würden SSRIs überhaupt wirken. Warum die vielen Studien vorher nicht zu diesem Schluss kamen, dafür liefert Kirsch gleich eine Begründung mit: In seiner Analyse bezog Kirsch nicht nur veröffentlichte Studien ein, sondern auch jene, die wegen zu wenig konkreter Ergebnisse in den Pharma-Schubladen verschwanden. Dabei ist auch die Messung des Erfolgs kritisch. Verglichen wurden nämlich Werte auf einer Punkte-Skala als Messinstrument für die Depression. Anhand der schwindenden depressiven Symptome sollte eine Verbesserung erkannt werden. Verständlich, dass bei sehr schweren Depressionen mit Vereinsamung, Gefühllosigkeit und Selbstmordgedanken eher Erfolge erzielt werden können als bei leichten depressiven Verstimmungen mit Antriebslosigkeit. Aus den Ergebnissen folgert Kirsch dennoch: Es gäbe keinen Grund, SSRIs an Patienten zu verschreiben, die nicht unter schwersten Depressionen litten und bei denen andere Therapien nichts nützten.


Quelle: Netdoktor.de vom 26.02.2008


Depressionen: Menschen mit Schlafstörungen sind anfälliger

Leipzig (ddp).
Patienten mit Schlafstörungen sind nach Angaben von Experten wesentlich anfälliger für psychische Erkrankungen wie Depressionen als Menschen mit gesundem Schlaf. Das Risiko sei um das Drei- bis Vierfache höher, sagte der Schlafmediziner Göran Hajak am Rande der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) am Freitag in Leipzig. Auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen hätten häufig ihre Ursache in schlechtem Schlaf über einen langen Zeitraum hinweg. «Früher dachte man, dass Schlafstörungen eine Folge anderer Erkrankungen sind. Heute weiß man, dass es oft umgekehrt ist», erklärte DGSM-Präsident Geert Mayer.

Eine möglichst frühe Behandlung ist nach den Worten Hajaks sehr wichtig, auch weil dann die Medikamente besser wirkten. «Wenn die Schlafstörung mehr als dreimal wöchentlich über vier Wochen auftritt, sollte der Arzt eingeschaltet werden», empfahl er. Mayer sagte, fast jeder zweite Patient klage bei seinem Hausarzt über Probleme mit der Nachtruhe. In Deutschland seien acht Millionen Menschen davon betroffen. «Schlaf und Krankheit» ist das Leitthema der dreitägigen DGSM-Jahrestagung, die am Samstag endet. Mehr als 1800 Experten diskutieren bei dem größten deutschen Fachtreffen dieser Art über neueste Erkenntnisse zum Thema Schlafstörungen und -erkrankungen.

Quelle: Netdoktor.de vom 13.11.2009


Depression: Hirnstimulation statt Pillen schlucken

Heidelberg (ddp). Ein Drittel der unter Depressionen leidenden Patienten spricht auf eine medikamentöse Therapie nicht an. Neurochirurgen des Universitätsklinikums Heidelberg haben nun weltweit erstmals eine schwer depressive Patientin erfolgreich mit einem Hirnschrittmacher behandelt. Dabei setzten im Gehirn hochpräzise eingesetzte Elektroden Strom frei, der kontinuierlich spezifische Hirnareale stimuliert. Bisher wurden Hirnschrittmacher nur bei Patienten eingesetzt, die an der Parkinson-Krankheit oder anderen Bewegungsstörungen leiden.

Zwar sind bereits depressive Patienten mit der Elektrostimulation mit einigem Erfolg behandelt worden. Allerdings wurden hier zwei andere Hirnregionen stimuliert, die im Bereich des Großhirns lokalisiert sind. Die nun anvisierte sogenannte Habenula liegt weiter unten in Richtung Hirnstamm. «Wir haben uns für die Habenula entschieden, weil dort die zentrale Steuerung von wichtigen Nervenübertragungsstoffen erfolgt, die bei Depression gestört ist«, erklärt der Mannheimer Psychiater Alexander Sartorius vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit. »Das Zielgebiet ist im Vergleich zu den anderen Hirnregionen, die typischerweise bei Bewegungsstörungen ins Visier genommen werden, um etwa die Hälfte kleiner und liegt zudem in der Hirnmitte», erklärt Karl Kiening, Sektionsleiter in der Neurochirurgischen Universitätsklinik Heidelberg.

Der Erfolg des Eingriffs wurde durch ein unfreiwilliges Abschalten der Elektrode bestätigt: Die 64 Jahre alte Patientin hatte einen Fahrradunfall und zur Vorbereitung der erforderlichen Operation war ein Elektrokardiogramm notwendig, wozu der Hirnschrittmacher abgeschaltet wurde. Nachdem er versehentlich für einige Tage nicht wieder aktiviert worden war, kehrte die Depression prompt zurück. Einige Wochen nach erneuter Aktivierung durch den Hirnschrittmacher hat sich der Zustand der Patientin wieder verbessert. Die Heidelberger Neurochirurgen planen nun eine klinische Studie, bei der die Habenula-Stimulation an fünf psychiatrisch-neurochirurgischen Zentren in Deutschland bei schwer depressiven Patienten zum Einsatz kommt.

Quelle: Netdoktor.de vom 11.01.2010

 


Antidepressiva: Zuviel an Serotoninrezeptoren hemmt Wirkung

Cambridge (ddp). US-Forscher haben möglicherweise entdeckt, warum Antidepressiva bei über der Hälfte der Patienten nicht oder nicht sofort anschlagen: Die Betroffenen haben vermutlich überdurchschnittlich viele Andockstellen für den Gehirnbotenstoff Serotonin an bestimmten Nerven in ihrem Hirnstamm.

Kommen diese als Rezeptoren bezeichneten Andockstellen mit dem Botenstoff in Kontakt, drosseln sie die Eigenproduktion von Serotonin im Gehirn. Eine künstliche Erhöhung des Serotoninspiegels, die durch viele Antidepressiva herbeigeführt wird, hat in solchen Fällen also kaum eine Wirkung, weil sie zu einem Stopp der Serotoninbildung führt und damit im Endeffekt keine echte Erhöhung des Spiegels erreicht. Zwar stammten die Ergebnisse bisher lediglich aus Versuchen mit Mäusen, es gebe jedoch bereits Hinweise auf einen ähnlichen Mechanismus beim Menschen, schreibt das Team um Jesse Richardson-Jones von der Columbia-Universität in New York im Fachmagazin «Neuron» (Bd. 65, S. 40).

Serotonin gilt als Schlüsselfaktor sowohl beim Entstehen als auch beim Behandeln einer Depression. Der Botenstoff wirkt, indem er wie ein Schlüssel in ein Schloss an speziell geformte Eiweiße, die sogenannten Serotoninrezeptoren, auf den Oberflächen der Nervenzellen andockt. Ein höherer Serotoninspiegel wirkt dabei nach aktuellem Stand des Wissens einer Depression entgegen, ein Zusammenhang, den auch die meisten Medikamente gegen Depressionen wie beispielsweise die sehr häufig verwendeten «Selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer» (SSRIs) ausnutzen, indem sie den Serotoninspiegel künstlich erhöhen.

Die Serotoninrezeptoren haben im Gehirn allerdings zwei völlig unterschiedliche Funktionen: In den meisten Bereichen vermitteln sie die antidepressive Wirkung des Botenstoffs und eine Zunahme der Rezeptoranzahl würde hier den Effekt steigern. Sitzen sie jedoch auf den Nerven im Hirnstamm, die für die Serotoninproduktion zuständig sind, haben sie genau die entgegengesetzte Wirkung: Dort überwachen die Rezeptoren den Serotoninspiegel und drosseln die Neuproduktion des Botenstoffs, wenn dieser ansteigt. Je mehr Rezeptoren dabei vorhanden sind, desto geringere Serotoninspiegel reichen aus, um die Neubildung zu unterdrücken.

Bereits früher gab es den Verdacht, dass Menschen, die sehr viele dieser sogenannten Autorezeptoren besitzen, schlechter auf Antidepressiva ansprechen. Untersuchen ließ sich das allerdings nicht, weil jeder Versuch, die Autorezeptoren zu beeinflussen, gleich auch alle anderen Serotoninrezeptoren mit erfasste. Jetzt gelang es Richardson-Jones und ihren Kollegen jedoch, Mäuse gentechnisch so zu verändern, dass sie die Zahl der Autorezeptoren in deren Gehirnen gezielt erhöhen und verringern konnten. Und tatsächlich: Mäuse mit überdurchschnittlich vielen Autorezeptoren reagierten kaum oder gar nicht auf einen SSRI. Wurde die Zahl jedoch gesenkt, stellte sich die Wirkung relativ schnell ein. Sollte es gelingen, das Prinzip auch beim Menschen nachzuweisen, könnte schon vor einer Behandlung getestet werden, ob ein Betroffener auf die Medikamente anspricht oder nicht, schreiben die Forscher. Zudem bestehe die Hoffnung, dass sich die Autorezeptoren mit Hemmstoffen ausschalten lassen.

Quelle: Netdoktor.de vom 14.01.2010

 


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Zuletzt geändert am: 16.02.2010